Blog Wochenberichte

Liebe Leser,

wer hätte das gedacht. Die Amerikaner verhängen neue Zölle gegenüber China und der Aktienmarkt reagiert mit einer Erleichterungsrallye. Mir zeigt das, dass das Thema Handelskonflikt und die potenziell negativen Auswirkungen vom Aktienmarkt nun nahezu eingepreist wurden. Wieder einmal gilt: Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Amerikanische Firmen scheinen von den US-Zöllen auf chinesische Importe in der Summe zu profitieren. Das große Handelsbilanzdefizit in Höhe von über 500 Mrd. USD hatte einen solchen Effekt fast angekündigt. Für europäische Konzerne sollten sich die US-Zölle gegenüber China-Importen eigentlich auch in Grenzen halten. Ich glaube, dass der Aktienmarkt hier mit der negativen Entwicklung in den letzten Monaten etwas überreagiert hat.

Wenn ich diese Zeilen so schreibe, muss ich noch einmal dazu sagen, dass Außenhandel während meines VWL-Studiums einer meiner Schwerpunkte war. Ich bin ein absoluter Befürworter des freien Handels. Ich weiß, dass langfristig alle davon profitieren. Und darum ist es mir wichtig darauf hinzuweisen, dass der Handelskonflikt nur deswegen geführt werden muss, weil die chinesische Regierung den eigenen Markt so stark abschottet. Ausländische Firmen, die in China agieren, sind oft von staatlicher Willkür abhängig. Ich traf gestern in Frankfurt einen befreundeten Unternehmer, der mit seiner eigenen Firma in China gerade die ersten Erfahrungen gemacht hat. Es gibt in China eine gigantische Firewall, mit der die staatlichen Stellen das Internet kontrollieren. Ausländische Firmen-Websites können von einem Tag auf den anderen abgeschaltet werden, wenn Regierungsbeamte das wollen. Und davon wird reichlich Gebrauch gemacht.

Was gibt es Neues in den Trendstabilitäts-Ranglisten?

Aufgefallen ist mir beim Screening der Trendstabilitäts-Ranglisten die Aktie von Brenntag, die sich mittlerweile auf Rang 7 im MDAX befindet. Der Chemikalienhändler hat sich dank zahlreicher Übernahmen in den vergangenen Jahren vor allem in Asien und Europa verstärkt, was sich nun auszahlt. Im abgelaufenen zweiten Quartal profitierte Brenntag vor allem dank der kräftigen Nachfrage in diesen Schlüsselmärkten und übertraf mit einem Plus von knapp 5% beim bereinigten operativen Gewinn die Konsenserwartungen. Auch für das zweite Halbjahr zeigte man sich optimistisch und bestätigte trotz Gegenwind von der Währungsseite die Jahresprognose. Neben einer soliden Absatzentwicklung in den Kernmärkten sollen auch Kosteneinsparungen die Profitabilität weiter verbessern, was derzeit am Markt gut ankommt. Entsprechend optimistisch zeigte sich die UBS, die kürzlich die Einstufung von "Neutral" auf "Buy" nach oben revidierte und das Kursziel von 50 auf 60 Euro erhöhte.

Beim Screening der Trendstabilitäts-Ranglisten fiel mir zudem die Aktie von Linde auf, die sich mittlerweile auf Rang 2 im DAX30 vorgearbeitet hat. Aktuell steht der Industriegashersteller vor dem Zusammenschluss mit dem US-Wettbewerber Praxair. Nachdem die US-Wettbewerbshüter nach zähen Verhandlungen die Fusion wohl ohne größere Auflagen durchwinken werden, steht der Fusion zum weltweit führenden Industriegashersteller wohl nichts mehr im Wege. Operativ läuft es bei Linde prächtig, was ein Blick auf die letzten Halbjahreszahlen belegt. Mit einem deutlichen Plus beim Nettogewinn von 50% übertraf Linde die Konsenserwartungen und sieht sich auf Kurs, die Jahresziele zu erreichen. Neben der robusten Entwicklung im Kerngeschäft mit Industriegasen präsentierte sich die Sparte Anlagenbau dank Kosteneinsparungen mit einem unerwartet deutlichen Anstieg beim Segmentergebnis. Entsprechend optimistisch zeigten sich zuletzt die Experten von JP Morgan, wobei man in einer kürzlich veröffentlichten Studie die Einstufung mit "Overweight" bestätigte und weiterhin ein Kursziel von 230 Euro sieht.

Fazit: Die positive Marktreaktion auf die Erhöhung von US-Importzöllen für viele chinesische Produkte deutet darauf hin, dass das Thema Handelskonflikt, das uns seit mittlerweile mehr als einem halben Jahr beschäftigt, mittlerweile in den Kursen drin sein dürfte.

Viele Grüße
Simon Betschinger


     Systematisch investieren mit unseren Themenwelten

Liebe Leser,

in meinen ersten Jahren als Börsianer ab 1998 gab es an den jungen Technologiebörsen das Herbst-Crash-Phänomen, das damals vor allem auch nach der Asienkrise  in aller Munde war. Es bezog sich auf den alten Zyklus, im Mai die Börse zu verlassen und dann im Herbst wieder einzusteigen, optimalerweise nach einem schönen Oktobercrash. Mein persönlicher Eindruck der Marktentwicklung in Deutschland und Europa ist, dass es in diesem Jahr wieder auf diesen Zyklus hinauslaufen könnte mit einem Kurstief im Oktober und einer anschließenden Jahresendrallye.

Gestern habe ich mir mal die Zeit genommen, fast alle Aktien-Charts am deutschen Markt  durchzuklicken. Es ist wirklich beachtlich, wie stark einige Titel, vor allem Zykliker, in den letzten Wochen bereits abverkauft wurden. Ich war zuletzt als Trader sehr stark am US-Markt aktiv und habe den deutschen Aktienmarkt weitgehend sich selbst überlassen. Und das war gut so, denn wir sehen bei Aktien aus der zweiten Reihe crashartige Zustände, gemessen an den Verlusten vom Jahreshoch. Osram hat -54% verloren, Ceconomy wurde um -50% abgestraft, Leoni geriet um -47% unter Druck und Dürr und Wacker Chemie liegen -37% unter ihren Hochs. 

Beim Betrachten dieser Verluste bin ich wieder einmal froh, dass wir bei diesem Depot-Event nur auf trendstabile Aktien setzen, und auch nur dann, wenn das Marktumfeld freundlich ist (Marktampel zeigt grünes Licht). Dadurch blieben mir in den letzten Monaten nicht nur heftige Verluste erspart, sondern ich konnte sogar den Markt deutlich schlagen.

Nachdem die Korrekturen am deutschen Markt teilweise schon sehr weit fortgeschritten sind, spricht vieles dafür, dass die Tiefs bald gefunden sein könnten und der Markt dann ab Oktober wieder zu einer Jahresendrallye ansetzt. Im realen 100.000 € Trendfolge-Depot werden dann wieder Positionen aufgebaut, sobald die wichtigen Indizes ihre 200er Gleitenden Durchschnitte überwunden haben.

Beim Screening der Trendstabilitäts-Ranglisten ist mir heute Rocket Internet aufgefallen, die aktuell auf Rang 5 der Gesamtauswahl rangiert. Die Internet-Beteiligungsgesellschaft hat einen beeindruckenden Track-Record bei IPOs vorzuweisen und konnte in den vergangenen Monaten mit Delivery Hero, HelloFresh und dem Online-Möbelhändler Home24 gleich drei überaus erfolgreiche Neuemissionen platzieren. Mit dem Online-Möbelhändler Westwing steht nun der nächste IPO-Kandidat in den Startlöchern, Westwing bietet über seinen eCommerce-Shop Möbel, Accessoires und Textilien bekannter Designer aber auch Eigenmarken in elf europäischen Ländern an und generierte im abgelaufenen Fiskaljahr Umsatzerlöse von knapp 266 Mio. Euro. Der Zeitpunkt für das IPO ist gut gewählt, da Online-Möbelhändler wie Wayfair oder Williams Sonoma in den USA zu den Top-Performern gehören. Da der Online-Möbelhandel laut einer Analyse von Statista bis 2022 mit jährlichen Zuwachsraten von knapp 12% zu den attraktivsten eCommerce-Segmenten gehört, ist ein erfolgreicher Börsengang sehr wahrscheinlich. Für Großaktionär Rocket Internet mit seiner 32%igen Beteiligung an Westwing wäre dies ein weiterer schöner Erfolg.

Bei der Durchsicht der Trendstabilitäts-Ranglisten können auch weiterhin die Ölaktien überzeugen. Ein Blick auf die Entwicklung der Ölpreisnotierungen zeigt, warum das so ist. Brent Crude Oil befindet sich seit knapp zwei Jahren in einem intakten Aufwärtstrend und steht unmittelbar vor dem Ausbruch auf ein neues Jahreshoch. Gute Aussichten also für Schwergewichte wie den italienischen Ölmulti ENI, der sich mittlerweile auf Rang 3 der Trendstabilitäts-Rangliste im EURO STOXX 50 vorgearbeitet hat. Im 2. Quartal gelang dem italienischen Mineralölkonzern ein unerwartet deutlicher Anstieg beim bereinigten Nettogewinn von 66% auf 767 Mio. Euro. Der positive Ergebnistrend sollte sich dank des Ölpreisanstiegs und der jüngsten Zukäufe in Afrika bei ENI weiter fortsetzen, zumal man die Prognose bei der Ölproduktion für das laufende Fiskaljahr von 3,5 auf 4% angehoben hat. Dies sollte auch den Aktionären zugutekommen, da die starke Ergebnisentwicklung Spielraum für weitere Dividendenerhöhungen bietet. Mit einer Dividendenrendite von aktuell 5% gehört ENI ohnehin zu den attraktivsten Werten im Ölsektor. Die Experten der HSBC sehen hier weiteres Aufwärtspotential und haben das Kursziel kürzlich von 19,00 auf 19,40 Euro angehoben und ihr Buy-Rating bestätigt.

Viele Grüße
Simon Betschinger


     Systematisch investieren mit unseren Themenwelten

Liebe Leser,

manchmal kapiere ich Kursbewegungen nicht. Immer wenn eine neue Runde im Handelskonflikt zwischen USA und China eingeleitet wird, gehen die europäischen Aktienmärkte auf Talfahrt. Insbesondere auch der DAX. Die US-Märkte hingegen bleiben stark und lassen sich kaum beeindrucken. Ich habe hier ein Verständnisproblem. Es gibt Handelsströme zwischen Europa und den USA und zwischen Europa und China. Warum der Markt immer einen größeren Schaden für Europa antizipiert, wenn die Amerikaner neue Zölle gegen China erlassen wollen, hat sich mir noch nicht so richtig erschlossen. Mir ist klar, dass China weniger Vorleistungen aus Europa importieren muss, wenn die chinesische Exportwirtschaft insgesamt leidet. Aber warum der Schaden für Europa größer sein soll, gemessen an den Marktreaktionen, als für die USA, die direkt von den Gegenmaßnahmen der Chinesen betroffen sind, geht mir nicht in den Kopf. Wenn Sie hier die springende Erkenntnis haben, liebe Leser, dann schreiben Sie mir bitte.

Vor etwa einem Monat habe ich hier darüber philosophiert, ob es auch im Sommer 2018 als Trader nicht sinnvoll wäre, eine Auszeit zu nehmen, weil in den Sommermonaten in den letzten Jahren regelmäßig kaum etwas zu holen war. Das Ergebnis steht jetzt fest: Eine Trading-Auszeit am US-Markt hätte sehr viel Geld gekostet. Hier befinden sich viele Technologie-Aktien wie AMD oder Amazon immer noch in entfesselten Rallyläufen. Am deutschen Aktienmarkt hätte eine Trader-Auszeit über die Sommermonate auch dieses Jahr wieder gutgetan. Gute Storys waren Fehlanzeige. Die meisten Aktien dümpelten langsam nach unten.

Aktuell bin ich im realen 100.000 € Trading-Depot, das einem klaren Regelwerk folgt, sehr defensiv positioniert. Der Grund hierfür ist, dass die roten Marktampeln beim DAX und beim EuroStoxx50 neue Käufe verhindern. Wenn der Markt stärker fallen würde, käme mir das gelegen, denn ich halte hohe Cashbestände und nach einer starken Korrektur wäre ein neuer schöner Bullenlauf wahrscheinlicher. Aber ich möchte es nicht beschreien. Meine persönliche Zukunftseinschätzung ist, dass sich die USA mit China bald einigen werden ähnlich wie vollkommen überraschend zwischen Mexiko und USA ein neues Handelsabkommen geschlossen wurde. Das Überraschungspotenzial sehe ich also zu Gunsten der Bullen.

Aufgefallen ist mir beim Screening der Trendstabilitäts-Ranglisten die Aktie von SAP, die sich mittlerweile auf Rang 3 im DAX vorgearbeitet hat. Als Trader interessieren mich die fundamentalen Treiber bei der Aktie, weshalb ich mich näher mit dem Walldorfer Software-Unternehmen beschäftigt habe. Hier das Ergebnis: SAP ist bekanntlich einer der führenden Anbieter betriebswirtschaftlicher Standardsoftware. Nun will CEO Bill McDermott auch in das Segment mit Kundenmanagement-Software-Lösungen einsteigen. Diesem Segment trauen die Experten der Societe Generale in den kommenden Jahren ein explosives Wachstum zu, da immer mehr Unternehmen auf so genannte CRM-Lösungen für mehr Effizienz im Vertrieb oder bei der Kundenbetreuung setzen. SAP will nun mit der neuen C/4HANA-Suite den Markt aufrollen und verzeichnete im zweiten Quartal nach Aussage von CFO Luka Mucic mit dieser neuen Produktfamilie bereits einen beachtlichen Umsatz von mehr als 300 Mio. Euro. Im Vergleich zu herkömmlicher CRM-Software, können die neuen CRM-Lösungen von SAP via Cloud auf beliebige andere Datensätze des Unternehmens zugreifen, was erhebliche Vorteile gegenüber den Stand-Alone-Lösungen der Konkurrenz verspricht. Damit wollen die Walldorfer mittelfristig Marktführer Salesforce vom Thron stoßen, der mit knapp 20% über deutlich mehr Marktanteile verfügt, als SAP (6,5%). Die Experten der Societe Generale haben kürzlich das Kursziel mit Verweis auf die starken Aussichten im CRM-Markt von 109 auf 117 Euro angehoben und die Einstufung mit „Buy“ bestätigt.

Adidas ist eine weitere Aktie, die sich in den Trendstabilitäts-Ranglisten nach vorne arbeitet. Mittlerweile hat sich der Wert auf Rang 7 im DAX30 gesetzt. Ein Grund mehr für mich, der Sache auf den Grund zu gehen. Zuletzt präsentierten die Herzogenauracher dank der Fußball-WM ein Rekordergebnis. Trotz hoher Werbeausgaben gelang es, den bereinigten operativen Gewinn um knapp 25% auf 590 Mio. Euro zu verbessern und damit die Konsenserwartungen deutlich zu übertreffen. Auch beim Konzernumsatz toppte man mit einem wechselkursbereinigten Plus von satten 10% auf 5,26 Mrd. Euro die Schätzungen. Profitieren konnte man erwartungsgemäß vom Rekordabsatz bei WM-Trikots und Fußballschuhen, aber auch von der Konsumlaune in Fernost. Mit einem Umsatzplus von 19% verzeichnete die Region Asien/Pazifik ein erneut ein kräftiges Plus, wobei China mit einem Umsatzanstieg von 27% herausstach. Adidas ist damit ein typischer Profiteur des Konsumhungers der sportbegeisterten Mittel- und Oberschicht im Reich der Mitte. Dank Preiserhöhungen und Kostensenkungsmaßnahmen konnte Adidas auch bei der Profitabilität eine Schippe drauflegen und sieht sich auf Kurs, die Jahresprognose, die ein wechselkursbereinigtes Umsatzplus von 10% sowie einen Anstieg beim Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft von 13 bis 17% vorsieht, zu erreichen. Die Experten von Mainfirst sehen bei Adidas daher weiteres Aufwärtspotential und haben kürzlich das Kursziel von 240 auf 260 Euro angehoben.

Viele Grüße
Simon Betschinger


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Liebe Trendfolge-Trader,

es ist kein schöner Börsensommer. Es gibt zwar immer wieder ein paar Trends, die sich andeuten und die anlaufen, aber es gibt keine großen Bewegungen, die so richtig nach oben durchziehen. Global gesehen gab es dieses Jahr die schönsten Rallybewegungen im amerikanischen Technologiesektor, aber auch hier wurde der Höhepunkt bei den Wachstumsraten meiner Meinung nun erreicht. Bei Facebook hat man diese Abflachung des Wachstums im letzten Quartal gesehen und gestern nach Börsenschluss meldete auch der Börsen-Highflyer NVIDIA die Rückkehr zu einem normalen und stabilen Geschäft, aber ohne die Fortschreibung der astronomisch hohen Wachstumszahlen.

Persönlich ist meine Markteinschätzung, dass in den nächsten Monaten am US-Markt wohl am ehesten wieder Value-Titel gut laufen werden. Ich habe mir heute Morgen zum Beispiel den Pharma-Giganten Pfizer angeschaut, weil die Aktie nach den letzten Quartalszahlen Momentum aufgebaut hat. Der US-Riese wird mit einem KGV18e von nur 14 bewertet. Während im Technologiesektor die Bewertungen durch die Decke geschossen sind, wurden andere Sektoren lange Zeit links liegen gelassen. Nachdem nun bei Tech-Aktien die Wachstumsraten abflachen, könnte es an der US-Börse zu einem großen Favoritenwechsel und zur Rückbesinnung auf Value-Aktien kommen.

Am deutschen Aktienmarkt gibt es eigentlich nur einen Trend, der in den letzten Wochen und Monaten so richtig überzeugen konnte: Immobilienaktien. Mit TAG Immobilien befindet sich eine Position aus dem Sektor auch in meinem realen 100.000 € Trendfolge-Depot. Hier passt der Börsentrend perfekt zur derzeitigen Realität in Deutschland, dass es zu wenig Wohnungen gibt. Firmen, die einen großen Bestand an Wohnimmobilien besitzen, sitzen auf einer Goldgrube.

Ein bisschen traurig macht mich der Bedeutungsverlust des deutschen Aktienmarktes. Wenn ich das mit meinen ersten Jahren als Trader vergleiche als am Neuen Markt der große Aufbruch in nahezu Trend-Branchen gespielt wurde, dann ist davon nichts mehr übriggeblieben. Die neuesten Technologien und alles was gerade cool ist, wird überwiegend von amerikanischen Firmen abgedeckt. Na ja, vielleicht ist es aber lediglich die derzeit vorherrschende Sommer-Tristesse, die mein Denken und Empfinden hier ergreift. Eine Sache, die ich in den letzten 20 Jahren gelernt habt, ist: Nach jeder traurigen Börsenphase kommt irgendwann die nächste Party und dann werden die Karten neu gemischt.

Was gibt es Neues in den Trendstabilitäts-Ranglisten?

LVMH überzeugt schon seit Monaten mit einem trendstabilen Verhalten. Die Aktie des Luxusgüterkonzerns rangiert nun sogar wieder auf Rang 1 der Auswahlrangliste im EuroStoxx50. Haupttreiber bleibt der unstillbare Appetit der schnell wachsenden Mittel- und Oberschicht in China nach europäischen Luxuslabels und Markenartikeln. Dieser Sektor-Trend passt gut zu meiner Argumentation im letzten Blog-Beitrag. Ich hatte darin begründet warum vor allem der steigende Konsum in Asien die treibende Kraft für die Weltwirtschaft in den nächsten 20 bis 30 Jahren sein wird.

Für uns Deutsche sind viele Luxusartikel langweilig geworden beziehungsweise wir erkennen nicht immer den Sinn darin. Für Asiaten, die sich dank Einkommenszuwächsen zum ersten Mal im Leben überhaupt solche Konsumartikel leisten können, ist dieser Luxus noch neu und spannend. Laut einer Erhebung der Boston Consulting Group zählen vor allem junge, gutverdienende Chinesen zum Kundenkreis von Firmen wie LVMH, wobei hier durchschnittlich mehr als 20% des Jahreseinkommens für Fashion und Accessoires ausgegeben werden. LVMH hat sich mit neuen Produktlinien perfekt auf diese neue Klientel eingestellt. So gehören trendige Sneakers oder Luxus-iPhone-Cases aus dem Hause LVMH zu den Rennern auf dem chinesischen Markt. Im ersten Halbjahr trugen diese neuen Produktlinien maßgeblich zum kräftigen Umsatzplus von 25% im Segment Fashion und Lederwaren bei. Die Experten von Exane BNP sehen hier weiteres Aufwärtspotential und haben das Kursziel von 306 auf 348 Euro angehoben und die Einstufung mit „Outperfom“ bestätigt.

Viele Grüße
Simon Betschinger


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Liebe Leser,

der Handelsstreit zwischen den USA und China scheint nun in eine entscheidende Phase zu gehen. Ab dem 23. August treten weitere US-Strafzölle auf chinesische Waren im Wert von rund 16 Milliarden US-Dollar in Kraft. Hinter den Kulissen wird hart verhandelt. Die Amerikaner wollen freien Marktzugang für US-Konzerne auf dem chinesischen Markt. Mittels staatlicher Zensurvorgaben und der Forderung nach Technologietransfers schotten die Chinesen ihren Markt ab und Firmen wie Alphabet (Google) mussten ihr China-Geschäft nahezu komplett einstellen. Ich kann mir gut vorstellen, dass irgendwann in den nächsten 3 Monaten der Aktienmarkt eines Tages mit einem gewaltigen Gap-Up eröffnen wird, weil sich Amerikaner und Chinesen geeinigt haben. Eine Einigung müsste möglich sein. Ich sehe die Amerikaner mit ihrer Position im Recht und die chinesische Regierung weiß, dass sie ihre eigenen Märkte irgendwann wird öffnen müssen, wenn sie im Gegenzug weiterhin so stark exportieren will.

Zu den großen Gewinnern des Handelsstreit USA gegen China könnten europäische Konzerne zählen. Zum Beispiel die Flugzeughersteller Airbus und MTU. Ich gehe davon aus, dass die staatlichen, chinesischen Fluggesellschaften in Zukunft Großaufträge verstärkt an Airbus anstatt an Boeing vergeben werden. MTU wäre als Zulieferer für Airbus dann auch mit im Spiel. In den Trendstabilitäts-Ranglisten sind beide Aktien ganz weit vorne positioniert.

Airbus macht seit Wochen mit Stärke auf sich aufmerksam und befindet sich auf Ranglistenplatz Nr. 6 in unserem Trendstabilitäts-Ranking zum MDAX. Die Story beim führenden europäischen Flugzeugbauer bleibt die starke Nachfrage nach Passagierflugzeugen im Zuge des weltweit anziehenden Reiseverkehrs. Dank niedriger Ticketpreise und dem Touristikboom in schnell wachsenden Schwellenländern wie China wird sich das Passagieraufkommen in den kommenden beiden Jahrzehnten mehr als verdoppeln, so eine Studie der IATA. Gute Aussichten für Airbus also, da man mit der spritsparenden NEO-Technologie im Passagierflugzeugsegment gegenüber seinem Erzrivalen Boeing ohnehin die Nase vorne hat. Nach der jüngsten Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China bieten sich für Airbus neue attraktive Chancen. Als Antwort auf die Drohungen aus Washington hat China bereits hohe Zölle auf US-Flugzeugimporte angekündigt. Damit sollte Airbus künftig bei der Vergabe lukrativer Volumenaufträgen aus dem Reich der Mitte gegenüber Boeing bevorzugt werden. Entsprechend optimistisch zeigten sich zuletzt die Experten von Goldman Sachs, die das Kursziel für die Aktie von 119 auf 125 Euro nach oben revidierten und die Einstufung mit "Buy" bestätigt haben.

Beim Screening der Trendstabilitäts-Rangliste wurde ich auf MTU Aero Engines aufmerksam, zumal sich die Aktie mittlerweile auf Rang 2 der Gesamtauswahl vorgearbeitet hat. Der Triebwerkshersteller profitiert als Zulieferer für Branchengrößen wie Airbus und Boeing vom Boom im gesamten Luftfahrtsektor. Denn der globale Touristikboom sorgt dafür, dass die Airlines ihre Kapazitäten deutlich ausbauen müssen. Bis zu 41.000 neue Maschinen dürften laut einer jüngst veröffentlichten Schätzung von Boeing benötigt werden, um dem anziehenden Flugverkehr gerecht zu werden. Gute Aussichten also für MTU Aero Engines, der mit seiner spritsparenden Getriebefan-Technologie zu den gefragtesten Triebwerksherstellern gehört. Die steigende Zahl der installierten Triebwerke macht sich schon jetzt positiv beim Ergebnis bemerkbar, da die Umsatzerlöse in margenstarken Segmenten wie Wartung und Service sowie im Ersatzteilgeschäft deutlich anziehen. Daher verwundert es nicht, dass MTU Ende Juli seine Jahresprognose nach oben revidiert hatte. Die Commerzbank hob kürzlich das Kursziel für die Aktie von 187 auf 198 Euro an und bestätigte die Einstufung mit „Overweight“. Auch technisch macht MTU Aero Engines weiter eine gute Figur und sollte nach dem Breakout auf ein neues Jahreshoch die Trendfortsetzung einleiten!

Viele Grüße
Simon Betschinger


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