Blog Wochenberichte

Liebe Trader,

einer der stärksten Märkte weltweit ist weiterhin die amerikanische Technologiebörse Nasdaq. Der Nasdaq Composite Index kann ungeachtet des Handelskrieges ein Allzeithoch nach dem nächsten markieren. Firmen wie Apple, Microsoft, Alphabet, Facebook, NVIDA, Intel oder Netflix dominieren die digitale Welt. Deutsche Konzerne sind hier lediglich die Zuschauer auf verlorenem Posten.

Welche Aktien laufen gerade in Deutschland und Europa gut? Unsere Trendstabilitäts-Ranglisten geben darüber Aufschluss. Als Bulle kristallisiert sich der Luftfahrtsektor mit den Aktien MTU und Airbus heraus. Beide Titel sind auf Rang Nr. 5 und 6 der Trendstabilitäts-Rangliste im MDAX vorgerückt.

Was wird gespielt? Zunächst ist wichtig zu wissen, dass die Luftfahrtbranche ein Wachstumsmarkt ist. Das weltweite Passagieraufkommen steigt, getrieben von den Asiaten und dank der florierenden Touristikindustrie Jahr für Jahr an, was zusätzliche Kapazitäten notwendig macht. Airbus schätzt, dass bis 2037 weltweit mehr als 37.000 neue Passagiermaschinen in Dienst gestellt werden. Gute Aussichten also für den europäischen Branchenprimus. Dann kommt noch ein kurzfristiger Kurstreiber hinzu, der das Geschäft von Airbus und MTU beflügeln könnte.

Angesicht des eskalierenden Handelsstreits zwischen USA und China wäre es nicht verwunderlich, wenn Airbus bei bedeutenden Großaufträgen den Vorzug gegenüber seinem Erzrivalen Boeing erhält. Schon jetzt läuft es bei Airbus prächtig, was eine Order von 60 Maschinen vom Typ A220 der US-Billigfluglinie JetBlue beweist. Auf der Flugzeugmesse im britischen Farnborough ab 16. Juli dürfte Airbus weitere milliardenschwere Aufträge an Land ziehen. Entsprechend optimistisch zeigte sich zuletzt das US-Analystenhaus Merrill Lynch, wobei man Airbus mit einem Kursziel von 137 Euro auf die „Europe 1 List“ aufnahm. Der Airbus-Aktie gelang in dieser Woche auch der Ausbruch auf neue Allzeithoch. Charttechnisch ist der Weg nach oben frei. 

Wie Airbus profitiert auch MTU Aero Engines als Turbinenhersteller vom Boom in der Luftfahrtbranche. Mit moderner Hochleistungs-Triebwerks-Technologie die Kerosineinsparungen von bis zu 16% erlaubt, ist MTU Aero Engines ein gefragter Partner für Airbus und Boeing. Da man wie der gesamte europäische Luftfahrtsektor von der Euro-Schwäche profitiert, erwarten die Experten von JPMorgan wohl zurecht starke Halbjahreszahlen und sehen auch bei der Jahresprognose Luft nach oben. Entsprechend wurde das Kursziel mit 190 Euro bestätigt und die Einstufung weiter auf "Overweight" belassen.

Aufgefallen ist mir beim Screening der Trendstabilitäts-Ranglisten zudem die Aktie von Symrise, die sich auf Rang 10 der Gesamtauswahl vorgearbeitet hat. Auch diese Firma ist ein einem langfristigen Wachstumsmarkt tätig. Symrise als Duft- und Aromenhersteller ist ein typischer Profiteur des weltweiten Bevölkerungswachstums und der wachsenden Produktvielfalt. Symrise ist bei Düften und Aromen breit aufgestellt und deckt alle Produkt-Kategorien von Nahrungsmitteln über Kosmetika bis hin zu Tiernahrung ab. Eine solide Story, die gut zur aktuellen Stärke bei defensiven Sektoren wie Nahrungsmittel und Konsum passt. Zuletzt wusste Symrise mit einem starken organischen Umsatzplus von 7,5% im Auftaktquartal zu überzeugen. Charttechnisch bewegt sich die Aktie am Allzeithoch und macht damit einen deutlich stärkeren Eindruck als der restliche Markt.

Fazit: In Zeiten des Handelskrieges muss man die eigenen Investments sorgfältig wählen. Es bietet sich an, auf Aktien zu setzen, die nicht unter dem Handelskrieg leiden. In den letzten Blog-Beiträgen hatte ich die deutschen Internetaktien wie Scout 24, Rocket Internet, Zalando oder HelloFresh herausgearbeitet. Heute habe ich mit MTU, Airbus oder Symrise weitere Titel vorgestellt, die trotz Handelskonflikt weiter nach oben laufen.

Viele Grüße
Simon Betschinger


     Systematisch investieren mit unseren Themenwelten

Liebe Leser,

darf ich das Wort „hassen“ in einem Artikel verwenden? Wenn ja, dann möchte ich folgendes sagen: Ich hasse politische Börsen. Politische Börsen sind für uns Trader kaum richtig einzuordnen. Im Moment ist es besonders heikel, denn ich bin mir relativ sicher, dass die nächste Runde im Zollstreit zwischen USA, Deutschland und China im DAX für eine Minus-200-Punkte-Eröffnung gut ist. Wenn ich abends nach einem erfolgreichen Trading-Tag ansonsten mit einem zufriedenen Lächeln ins Bett gehen würde, weiß ich in diesen Tagen nicht, ob sich über Nacht alles ändert. So war es zum Beispiel diese Woche mit Micron, eine US-Aktie, in der ich eine Long-Position halte. Alles sah gut aus. Die Zahlen waren hervorragend, die Gewinne sprudelten, aber dann begann die Aktie auf einmal scharf zu fallen. Wenige Tage später kam des Rätsels Lösung für das Verhalten der Aktie über die Nachrichtenticker. Ein Gericht in China hat offenbar, so berichten einige Medien, wegen Patentverletzungen einen Stopp für viele Produkte von Micron verhängt. Ich bin mir relativ sicher, dass das kein Zufall ist, sondern dass das Patentrecht ein scharfes Schwert im Handelskrieg ist.

Gut zum aktuell bullischen Trend bei Internet-Werten wie Scout24 passt, dass sich Rocket Internet im Trendstabilitäts-Ranking weiter nach oben gearbeitet hat. Die Berliner Start-Up-Schmiede hat zuletzt einige erfolgreiche IPOs an die Börse gebracht. Neben Delivery Hero und meinem persönlichen Favoriten bei den Online-Lieferdiensten, HelloFresh, notiert auch Home24 wenige Wochen nach dem IPO knapp 30% über dem Ausgabekurs.

Was wird gespielt? Home24 ist im Online-Möbelhandel aktiv, einem Segment, dem die Marktforscher von WhiseGuyReports bis 2022 jährliche Zuwachsraten von mehr als 15 bis 16% zutrauen. Home24 vertreibt seine mehr als 100.000 Artikel online und verzichtet auf teure Filialen, Weitsichtig sind die von Home24 forcierten Investitionen in den Aufbau AR-basierte Showrooms. Das erleichtert die Auswahl der passenden Möbel enorm. Denn Tische, Stühle, oder die neue Couch lassen sich einfach über die Smartphone-Kamera virtuell in den eigenen vier Wänden platzieren, beliebig anordnen oder durch ein anderes Modell ersetzen. Was hier möglich ist, zeigt US-Konkurrent Wayfair, der mit diesem Konzept in wenigen Jahren zur Nummer Eins auf dem US-Markt avancierte.

Virtual Reality kann das Online-Möbelgeschäft in komplett neue Größenordnungen führen, denke ich. Ich bin jemand, der nicht gerne ins Möbelhaus geht. Aber online bestelle ich Möbel auch nicht. Einfache Grafiken der Möbel sind eben nicht vergleichbar mit dem realen Erleben im Möbelhaus. In Zeiten von Virtual Reality wird sich das ändern – davon bin ich überzeugt. Dann kann ich in einem Raum stehen, die VR-Brille aufziehen und ich sehe die Möbelstücke direkt vor mir, richtig im Raum platziert. Dann wird aus einem Online-Geschäftsmodell auf einmal ein disruptives Geschäftsmodell, das die gesamte Branche umkrempeln kann.

Über HelloFresh hatte ich am Mittwoch berichtet. Heute zieht die Aktie mit +5 % nach oben und folgt dem positiven Trend der Online-Portale-Aktien rund um Rocket Internet, Scout24 und Delivery Hero. Die Börsianer fokussieren sich derzeit ganz offensichtlich auch auf die Aktien, deren Geschäftsmodelle vom Export kaum abhängig sind. HelloFresh kann der Handelsstreit relativ egal sein. Ich überlege mir nun eine Position zu eröffnen. Charttechnisch brodelt die Aktie. Inmitten eines schwachen Marktes zieht sie auf neue Hochs. Vielleicht sollten wir darüber nachdenken, ob wir hier bei diesem Depot-Event das Regelwerk modifizieren und die Aktien, die für eine Depotaufnahme in Frage kommen können, etwas weiter fassen.

Mit meinem regelbasierten Trendfolge-System kann ich derzeit nicht viel holen. Die Marktampeln stehen auf Rot. 4 Positionen sind noch im Depot. TAG Immobilien und die Deutsche Börse AG sind deutlich im Plus. Infineon und ASML aber im Minus. Es ist ein Nullsummenspiel. Aber jeder andere Ausgang wäre in diesem politischen Markt auch verwunderlich. Als Trendfolge-Trader brauche ich starke Trends, die sich entwickeln und denen ich folgen kann.

Viele Grüße
Simon Betschinger


     Systematisch investieren mit unseren Themenwelten

Liebe Trader,

wer hätte gedacht, dass im Sommer 2018 wieder Ölaktien den stabilsten Trend ausbilden werden? Ich nicht, das gebe ich ehrlich zu. Aber es passt irgendwie zum Gesamtbild, denn der jüngste Anstieg der Ölpreise war wieder auf politische Manöver zurückzuführen. Die Amerikaner wollen den Iran komplett vom internationalen Ölmarkt ausschließen. Das Comeback beim Ölpreis hat bereits Ende 2017 seinen Anfang genommen. Es ist zu vermuten, dass die niedrigen Ölpreise im Jahr 2016 viele Produzenten von neuen Investitionen abgehalten hat und nun eine stabile Nachfrage auf ein knapperes Angebot treffen wird. Jüngst wurde der Ölpreisanstieg dann von den Sanktionsdrohungen der USA gegenüber dem Iran noch verstärkt. Insgesamt stehen die Chancen meiner Meinung nach gut, dass der Ölpreis weiter zulegen wird.

Gute Vorzeichen also für Total, denn die Franzosen fahren die Produktion mit Zukäufen und neu erschlossenen Öllagerstätten kontinuierlich hoch und peilen für 2018 eine Output-Steigerung von mehr als 5% an. Im Auftaktquartal überzeugte Total bereits mit einem unerwartet deutlichen Ergebnisplus. Mit einem KGV 18(e) von 13,9 ist Total auch im Branchenvergleich moderat bewertet. Was die Aktie zudem interessant macht, ist die stattliche Dividendenrendite von 4,8%. 

Auch ansonsten dominiert der eskalierende Handelsstreit das Geschehen. Ich rechne eigentlich damit, dass US-Präsident Trump jeden Tag die angekündigten Strafzölle auf europäische Autoimporte in Kraft setzen wird, und ich glaube auch nicht, dass diese Zölle in den Aktienkursen der großen Autobauer schon komplett enthalten sind. Es ist ein Damoklesschwert, das über den Märkten hängt. Meine Meinung zum Thema Handelsstreit kennen sie. Trump hatte den Europäern während des G7-Gipfels eine G7-Freihandelszone ohne Zölle und Subventionen angeboten. Aber die Europäer lehnten sofort ab. Sie wollen dort, wo es Europa hilft, weiterhin protektionistisch bleiben, zum Beispiel im Agrarsektor, aber am liebsten bei den eigenen Exporten Zollfreiheit genießen. Diese Grundhaltung führt aber leider zu immer stärkeren Konfrontationen mit den USA. Ich hoffe jetzt nicht, dass die Autozölle kommen werden. Eine Einigung aller Parteien und ein Bekenntnis zum freien Handel wäre die weiterhin bessere Alternative.

Als potenzielle Gewinner des Handelsstreits sehe ich weiterhin die Aktien von Airbus und MTU Aero Engines. Beide Titel befinden sich im MDAX auf den Ranglistenplätzen 4 und 5. Der Luftfahrtsektor wird von Großbestellungen dominiert. Die chinesische Regierung hat bei den Bestellungen der chinesischen Fluglinien ein gehöriges Wörtchen mitzureden. Es ist wegen des Handelskonfliktes davon auszugehen, dass demnächst der ein oder andere symbolträchtige Auftrag für neue Flugzeuge an Airbus statt an Boeing geht.

Ansonsten kann ich gerade nicht viel tun, außer der Dinge zu harren, die bald kommen mögen. Der Markt zeigt durch die Bank weg ein bärisches Verhalten. Kaum eine Aktie schafft es, stabil nach oben zu laufen. Im DAX ist zum Beispiel Covestro auf Ranglistenplatz 3 bei der Trendstabilität vorgerückt. Ich habe mir den Chart vorhin angeschaut. Da ist kein Aufwärtstrend. Also selbst die besten Aktien im Ranking schaffen es nicht Aufwärtsdynamik zu entwickeln. Wenn ein Unternehmen bei der Zahlenvorlage enttäuscht, ist die Börse gnadenlos. Osram wurde nach einer Gewinnwarnung über 20% in die Tiefe geschickt.

Fazit: Es gibt für Trendfolge-Trader derzeit keinen Blumentopf zu gewinnen. Die einzigen Ausnahmen sind der Öl- und Luftfahrtsektor. Insbesondere bei Ölaktien zeichnet sich ein Branchentrend ab, der noch weiterlaufen könnte.

Viele Grüße
Simon Betschinger


     Systematisch investieren mit unseren Themenwelten

Liebe Leser,

die Situation an den Aktienmärkten ist etwas ungemütlich. Wie ein Damoklesschwert lastet die Möglichkeit einer Eskalation des Handelskonflikts auf den Märkten. Etwa 600 Punkte hat der DAX nun in 6 Handelstagen verloren und auch mein reales 100.000 € Trendfolge-Depot kann sich davon leider nicht abkoppeln. Mit TAG Immobilien und der Deutsche Börse AG habe ich immerhin 2 Werte, die ihre Aufwärtstrends trotz der Gesamtmarktverluste weiter fortsetzen. Aber meine beiden Depotwerte Infineon und Norma Group gerieten leider gleichsam mit dem DAX unter die Räder.

Ich habe bezüglich des Handelskonflikts immer 2 Dinge betont:

Erstens, dass ich die Auseinandersetzung der größten Wirtschaftsräume USA und China für unvermeidlich halte, solange China seine Handelspraktiken nicht ändert. China schützt knallhart die eigenen Wirtschaftsinteressen. Deutsche, europäische und amerikanische Firmen konnten in China nie so richtig Fuß fassen. Wer Marktzugang will, muss chinesische Unternehmen mehrheitlich beteiligen und einem Technologietransfer zustimmen. Die großen amerikanischen Internetkonzerne wie Google wurden in China mit Zensurmaßnahmen quasi komplett ausgesperrt und auf der Gegenseite treibt die chinesische Regierung den Aufkauf von Hochtechnologien im Ausland voran. Hier besteht ein Ungleichgewicht, das korrigiert werden muss, damit der Handel wieder fair verläuft. Auch Europa würde davon profitieren, wenn China den eigenen Markt endlich richtig öffnet.

Zweitens glaube ich, dass ein eskalierender Handelskrieg zwischen den USA und China an den Aktienmärkten zu heftigen Kursverlusten führen würde. Wenn die zweite Runde mit neuen Zöllen eingeleitet werden sollte, dann sehen wir vermutlich Land unter am Aktienmarkt. Mit Daimler hat am Mittwoch nach Börsenschluss ja bereits der erste DAX-Konzern mit Verweis auf die neuen Zölle die Prognosen reduziert.

Ich habe heute in den Trendstabilitäts-Ranglisten einmal gezielt nach den Aktien Ausschau gehalten, die von der aktuellen Situation profitieren könnten. Ein möglicher Gewinner des Handelsstreits zwischen den USA und China ist Airbus, denn China dürfte bei der Vergabe von Großaufträgen für seine staatlichen Fluggesellschaften Airbus dem US-Rivalen Boeing künftig ganz klar vorziehen. Diese Einschätzung vertreten auch die Analysten von JPMorgan, die das Kursziel für Airbus vor dem Hintergrund steigender Flugzeug-Orders aus dem Reich der Mitte heute von 122 auf 133 Euro angehoben haben. Auch sonst bleibt die Story bei Airbus weiter interessant. Der Bedarf an neuen Passagiermaschinen ist aufgrund des steigenden Reiseaufkommens ohnehin gigantisch, da viele Airlines ihre Kapazitäten ausbauen und veraltete Maschinen austauschen müssen. Laut einer Schätzung von Boeing dürfte sich der Bedarf an neuen Passagierflugzeugen in den kommenden 20 Jahren auf rund 41.000 Maschinen belaufen. Airbus hat dank seiner NEO-Technologie, die Kerosin-Einsparungen von bis zu 20% ermöglicht, gute Chancen, bedeutende Großaufträge an Land zu ziehen. 

Ein indirekter Gewinner der volatilen Märkte ist die Deutsche Börse AG, die sich über einen Mini-Future (WKN DGQ7TE) in meinem Depot befindet. Die Aktie kann gegen den Markt zulegen und zeigt weiterhin ein trendstabiles Verhalten. Vor allem kurzfristig orientierte Marktteilnehmer handeln mehr, wenn die Märkte auf Talfahrt gehen. Das beschert den Börsenplatzbetreibern höhere Umsätze. Diese Meinung haben auch die Experten der Deutschen Bank, die nach einer eher schwächeren Entwicklung im April und Mai nun doch gute Chancen auf ein weiteres starkes Ergebnis in Q2 beim Börsenbetreiber sehen. Entsprechend wurde das Kursziel für die Aktie leicht auf 124 Euro nach oben revidiert.

Viele Grüße
Simon Betschinger


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Liebe Leser,

wir Trendfolge-Trader können gerade nur neidisch das Treiben am amerikanischen Aktienmarkt verfolgen. Ausgelöst von den Steuersenkungen, die Trump auf den Weg gebracht hat, schießen die Firmengewinne durch die Decke und unzählige Aktiengesellschaften schrauben sich derzeit wöchentlich in immer größere Höhen. Es ist ein breiter Anstieg vieler führender Aktien wie ich ihn selten zuvor erlebt habe.

Mein reales 100.000 € Trendfolge-Depot, das sich auf die Märkte DAX, MDAX und Euro Stoxx 50 konzentriert, hat sich in den letzten beiden Tagen vom Wacker Chemie Schock wieder etwas erholt. Vor allem den Kursgewinnen in der ASML-Aktie habe ich es zu verdanken, dass die Depot-Performance wieder auf + 9% gestiegen ist. Aber dennoch muss ich zugeben, dass mir die Verluste mit Wacker Chemie aufgrund der Subventionskürzungen in China immer noch etwas auf die Stimmung schlagen.

In den USA startet auch die Tesla-Aktie nun wieder durch. Es ist eine der spannendsten Titel am US-Markt. Und dazu möchte ich etwas sagen, weil ich glaube, dass Tesla gerade an einem überlegenen Geschäftsmodell arbeitet und diese Tatsache von der deutschen Presse und von den deutschen Autobauern immer noch unterschätzt wird. Das ist riskant. Die schwachen Aktienkurse von Daimler, Volkswagen und BWM sind Ausdruck einer düsteren Vorahnung, dass eine Bedrohung heranrollt, die für die deutschen Autohersteller so gefährlich sein könnte, wie es Amazon für die ganzen Einzelhändler ist.

Mein erstes Argument für diese These ist die Einschätzung, dass das Elektroauto ab etwa 2030 das bessere Auto sein wird. Die Akkudichte von Lithium-Ionen-Akkus nimmt gerade stetig um etwa 10% pro Jahr zu. Wenn man diese technische Entwicklung weiter nach oben rechnet, ergeben sich ab 2030 Normreichweiten von über 1.000 Kilometern bei Elektroautos. Selbst der Volkswagen-Konzern geht bei den eigenen Elektroautos ab 2022 von einer Normreichweise von 600 Kilometern aus. Wenn ich mit meinem Elektroauto, das kaum Wartungsbedarf hat, über 1.000 Kilometer am Stück fahren kann, gibt es für mich als Käufer kein richtiges Argument mehr, warum ich unbedingt auf ein Auto mit Verbrennungsmotor setzen sollte. Tesla produziert die Lithium-Ionen-Akkus in Eigenregie, in den sogenannten Giga-Factories. Die deutschen Autobauer müssen die Batterien bei Zulieferern einkaufen. Sie bezahlen den Herstellern wie Samsung SDI die Gewinnmarge. Tesla dürfte darum bei einem wichtigen Teil der Wertschöpfungskette langfristig deutliche Kostenvorteile haben.

Mein zweites Argument für die These, dass das Geschäftsmodell von Tesla dem Geschäftsmodell der deutschen Autobauer überlegen ist, zielt auf den Vertrieb ab. Daimler, BMW und Co. verkaufen ihre Autos über Vertragshändler. Die Vertragshändler unterhalten große Grundstücke, Bürogebäude, Verkaufshallen und viele Mitarbeiter. Sie wollen ein großes Stück am Kuchen mitverdienen. Tesla verkauft die Autos fast ausschließlich online. Außer einigen repräsentativen Flagship-Stores braucht Tesla kein Händlernetz. Beim Online-Verkauf eines Autos kann Tesla den Verkaufserlös zu 100% für sich vereinnahmen. Dazu kommt noch das Phänomen, dass Tesla aufgrund der schillernden Unternehmerpersönlichkeit Elon Musk derzeit kaum Geld für Werbung ausgeben muss. Musk schießt Raketen in den Himmel, kündigt einen Tesla Roadster mit Raketendüsen an und die Presse stürzt sich darauf. Tesla hat Vorbestellungen für mehrere 100.000 Autos, ohne nennenswerte Werbeausgaben gehabt zu haben. Das ist genial.

Tesla steht für ein Online-Geschäftsmodell ohne Händlernetzwerk. Daimler und Co. stehen für das klassische Vertriebsmodell über Auto-Vertragshändler. Das Online-Vertriebsmodell von Tesla bietet aus meiner Sicht deutliche Kosten- und damit Wettbewerbsvorteile.

Fazit: Solche tollen Storys wie Tesla gibt es derzeit leider nur am US-Markt. Aber, liebe Leser, wenn es hier in Deutschland wieder zu Bewegung kommt, dann werden die entsprechenden Titel in den Trendstabilitäts-Ranglisten auf den vorderen Plätzen notieren und wir werden bei den Stories dann über unser Regelwerk investiert sein.

Viele Grüße
Simon Betschinger


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