Besser Traden mit System - Der Blog

  • Der Blog hilft Ihnen, immer auf dem aktuellsten Stand zu bleiben. In Wochenberichten und Kommentaren berichtet Simon Betschinger von aktuellen Geschehen an den Kapitalmärkten und lässt Sie auch an seinen persönlichen Einschätzungen teilhaben. Schauen Sie doch ab und zu mal vorbei, um immer up to date zu sein!


 

Liebe Leser,

zahlreiche Medien berichten über ein Kommunikations-Papier der europäischen Kommission. Inhalt sind Überlegungen zu einer einheitlichen, europäischen Wasserstoff-Strategie. Ich habe das PDF mit Hilfe von Google zum Beispiel hier gefunden:
https://www.euractiv.com/wp-content/uploads/sites/2/2020/06/Hydrogen_strategy.pdf
 

  • Wasserstoff wird als zentrales Element für den „europäischen Grünen Deal“ angesehen, um bis ins Jahr 2050 eine CO2-neutrale Wirtschaft zu realisieren.
     
  • Investitionen in Wasserstoff können der Wirtschaft dabei helfen, sich von COVID-19 zu erholen. Der Umsatz im Sektor könnte von 2 Mrd. Euro auf 140 Mr. Euro im Jahr 2030 anwachsen.
     
  • Das Problem ist, dass grüner Wasserstoff derzeit wirtschaftlich noch nicht konkurrenzfähig ist.
     
  • Um den Markt für grünen Wasserstoff „abheben zu lassen“, müssen stark politische Steuerungs-Instrumente private Investments ankurbeln. Die Politik sollte darauf abzielen, dass grüner Wasserstoff preislich wettbewerbsfähig mit anderen Energieformen wird. Grüne Wasserstoff-Fabriken im Gigawatt-Bereich spielen dabei eine elementare Rolle.
     
  • Nationale Alleingänge bei der Subventionierung werden kritisch gesehen, wir wird eine europäische Strategie benötigt.


Fazit: Die EU-Kommission strebt laut dem Kommunikations-Papier an, eine Grüne-Wasserstoff-Wirtschaft in Europa zu errichten. Ich rechne damit, dass der Sektor spätestens ab 2021/2022 kräftig subventioniert wird. Es dürfte klug sein, Investments in den großen Wasserstoff-Infrastruktur-Anbietern wie Air Liquide und Linde zu halten.

Scout24 überzeugt mit einer hohen Trendstabilität

Aufgefallen ist mir beim Screening der Trendstabilitäts-Ranglisten die Aktie von Scout24, die sich aktuell auf Rang 3 der Gesamtauswahl befindet. Der Vergleichsportal-Anbieter ist ein typischer Profiteur des durch die Coronavirus-Pandemie verursachten Wandels im Konsum- und Einkaufsverhalten vieler Verbraucher. Um sich nicht unnötig der Gefahr einer Ansteckung durch das Coronavirus auszusetzen, werden Einkäufe wenn möglich, bevorzugt über das Internet getätigt. Ebenso verhält es sich bei der Suche nach der passenden Miet- oder Eigentumswohnung. Angesichts des knappen Wohnungsangebots bleibt die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum vor allem in dicht besiedelten Ballungszentren auch in Zeiten der Coronavirus-Pandemie hoch. Viele Verbraucher ziehen daher bei der Suche nach passenden Objekten das gut sortierte Angebot bei Vergleichsportalen wie ImmobilienScout24 zu Rate. ImmobilienScout24 gilt mit monatlich mehr als 14 Millionen Besuchern zurecht als Marktführer für die digitale Immobilienvermarktung und bietet seinen Nutzern dank umfangreicher Vergleichsangebote und passender Filter-Einstellungen einen schnellen Überblick, welches Angebot den jeweiligen Bedürfnissen am ehesten entspricht.

Virtueller 360-Panorama-Rundgang ist ein wichtiges Feature für Immobilien-Portale

Neben einer großen Auswahl an Miet- und Eigentumswohnungen bietet ImmobilienScout24 seinen Nutzern zahlreiche Features und Zusatzangebote, welche die Suche nach dem passenden Objekt erheblich erleichtern, Besonders großer Beliebtheit erfreut sich derzeit bei den Nutzern der Online verfügbare 360-Grad-Panorama-Rundgang, mit denen sich Wohnungen per virtueller Erkundungstour bequem via Smartphone oder dem heimischen PC inspizieren lassen. Da angesichts der Quarantänebeschränkungen in Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie Wohnungsbesichtigungen vor Ort aktuell nur sehr eingeschränkt möglich sind, bietet ImmobilienScout24 seinen Portal-Besuchern damit die passende digitale Alternative. Dies macht ImmobilienScout24 zu einem begehrten Marketingpartner und beschert dem Vergleichsportal-Betreiber auch in der Krise hohe Einnahmen im Anzeigengeschäft und bei Bannerwerbung.

COVID-19-Pandemie geht an Scout24 spurlos vorbei

Entsprechend konnte sich Scout24 bislang den negativen Auswirkungen durch die Pandemie weitestgehend entziehen, wobei man in Q1 trotz der schwierigen Rahmenbedingungen bei einem Umsatzplus von 6% eine deutliche Verbesserung von 14% beim bereinigten operativen Gewinn verbuchen konnte. Auch nach dem ersten Quartal entwickelte sich das Geschäft weiter vielversprechend, wobei man Anfang Mai bei den Anzeigen gewerblicher Immobilienmakler einen Zuwachs von 3% verbuchen konnte, während das Anzeigengeschäft von Privatkunden sogar um 20% anzog.

Da man nach dem Verkauf anderer nicht zum Kerngeschäft gehörender Randbereiche, wie dem Vergleichsportal Autoscout24 für rund 2,9 Mrd. Euro, nun über hohe Barmittel verfügt, hat man genügend Spielraum, um ImmobilienScout24 zu einem vollständig vernetzten digitalen Marktplatz weiterzuentwickeln. Dabei liegt der Fokus nach Aussage von Vorstandschef Tobias Hartmann auf der Digitalisierung von Immobilientransaktionen, wobei man sich dadurch auch neue Geschäftsfelder erschließen will. Auch die Aktionäre werden im Zuge von weiteren Dividendenerhöhungen und einem 1 Mrd. Euro schweren Aktienrückkaufprogramm profitieren. Die Experten der UBS sehen Scout24 weiterhin als eine spannende Story und haben kürzlich die Einstufung mit "Buy" bestätigt und sehen weiterhin ein Kursziel von 69 Euro.

Viele Grüße
Simon Betschinger


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Wochenbericht / 19.06.2020 | 16:10:00

Wasserstoff und was ich zu Wirecard zu sagen habe!

Liebe Leser,

ich habe in den letzten Jahren 3 Buchprüfungen durchgeführt. Es handelte sich um Firmen, an denen ich mich beteiligt habe, beziehungsweise beteiligen wollte. Ein wichtiger Aspekt ist die Prüfung der Konten. Welche Konten gibt, bei welchen Banken liegen diese und kann ich mich einloggen und alles checken? Nun kommt im Falle von Wirecard heraus, dass die asiatischen Konten, auf denen 1,9 Milliarden Euro liegen sollen, offenbar gar nicht existieren. Und ich frage mich, warum die Wirtschaftsprüfer, die die ganzen Wirecard-Abschlüsse der letzten Jahre testierten, ihre Arbeit nicht richtig gemacht haben. Das ist der eigentliche Skandal, denn Wirecard stand ja schon länger im Kreuzfeuer. Da muss man sich als Wirtschaftsprüfer doch mal die Mühe machen, die Existenz von milliardenschweren Konten RICHTIG zu überprüfen. Ich kann nur noch den Kopf schütteln…

Firmen rund um Wasserstoff dominieren die Trendstabilitäts-Ranglisten

Aufgefallen ist mir beim Screening der Trendstabilitäts-Ranglisten die Aktie von Linde, die sich derzeit auf Rang 13 im EUROSTOXX50 befindet. Der Industriegase-Hersteller ist nach dem Zusammenschluss mit dem US-Wettbewerber Praxair die Nummer Eins in diesem Bereich und gehört auch im Bereich Anlagenbau und Prozesstechnik zu den führenden Anbietern.

Linde ist im Zukunftsmarkt Wasserstoff gut positioniert

Die Expertise bei der Realisierung von Großanlagen zur Produktion und Aufbereitung von Industriegasen liefert nicht nur die passende Ergänzung für das eigentliche Kerngeschäft, sondern beschert Linde auch im Zukunftsfeld Wasserstoff eine hervorragende Ausgangsposition. Als erfahrener Gasspezialist und einer der weltgrößten Wasserstoff-Anbieter deckt Linde mit seiner Fachkompetenz die gesamte Wertschöpfungskette - von der Erzeugung und Verflüssigung bis hin zu Lösungen für Transport und Speicherung von Wasserstoff - ab. Damit ist Linde bestens für das Zukunftsprogramm Wasserstoff, dass die Bundesregierung im Zuge ihres 130 Mrd. Euro schweren Konjunkturpakets angekündigt hat, gerüstet.

Schon 2017 baute Linde erste Power-to-Gas-Anlagen

Linde hat bei der Realisierung von Power-to-Gas-Anlagen Pionierarbeit geleistet und schon frühzeitig Effizienz von Grünem Wasserstoff als Energie- und Wärmelieferant unter Beweis gestellt. Gemeinsam mit den Stadtwerken Mainz betreibt man seit 2017 vor den Toren der Stadt mit dem "Energiepark Mainz" eines der erfolgreichsten Pilotprojekte. Gespeist wird die Anlage aus einem nahegelegenen Windpark, wobei die Windenergie vor Ort durch eine Power-to-Gas-Anlage in Grünen Wasserstoff umgewandelt wird. Der hieraus gewonnene Grüne Wasserstoff dient dabei unter anderem zur Versorgung der nahegelegenen Wasserstoff-Tankstellen. Daneben leistet der Grüne Wasserstoff einen wertvollen Beitrag für eine nachhaltigere Versorgung der angrenzenden Wohngebiete. Mittlerweile werden der regionalen Erdgasversorgung 10% Grüner Wasserstoff beigemischt, womit knapp 1.000 Haushalte versorgt werden können.

Bei der Umsetzung ähnlicher Konzepte zur Anreicherung der Erdgasversorgung durch Grünen Wasserstoff ist Linde derzeit ein gefragter Partner, wobei derartige Konzepte bei vielen kommunalen Erdgasversorgern aufgrund der Ökostromwende ganz oben auf der Agenda stehen. Konkret ist Linde hier bereits bei konkreten Projekten in Berlin aktiv, wobei der Fokus hier auf einer Erhöhung der Beimischungsquote auf 20% oder mehr liegt.

Linde arbeitet an PEM-Elektrolyseuren

Auch bei passendem Equipment, das für die Produktion von Grünem Wasserstoff benötigt wird, gilt Linde als technologischer Schrittmacher. Im Rahmen eines Joint-Ventures mit der britischen ITM Power arbeitet man an der Entwicklung so genannter PEM-Elektrolyseure mit einer Kapazität von 5 Megawatt. Damit lässt sich im industriellen Maßstab Wasser durch Strom aus regenerativen Energien effizient und wirtschaftlich in die Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff aufspalten, wobei pro Tag bis zu 2,1 Tonnen Grüner Wasserstoff erzeugt werden können. Da vor allem für Unternehmen aus der Stahl- und Metallindustrie oder den Bereichen Chemie und Elektronik verstärkt auf integrierte Power-To-Gas-Anlagen setzen, um eine nachhaltige und CO2-neutrale Energieversorgung zu gewährleisten, adressiert Linde damit einen chancenreichen Zukunftsmarkt. Da Linde zu den weltweit führenden Wasserstoffproduzenten gehört, und seine Kapazitäten am Standort Leuna weiter ausbaut, positioniert man sich gleichzeitig als verlässlicher Lieferant mit klima-neutralem Wasserstoff.

Da die Bundesregierung im Zuge der Wasserstoff-Offensive bis zum Dekaden-Ende den Bau von Industriellen Großanlagen zur Herstellung von Grünem Wasserstoff mit einer Gesamtleistung von 5 Gigawatt durch milliardenschwere Subventionen forcieren will, wird Linde damit als vollstufiger Anbieter in allen Bereichen hiervon stark profitieren.

Linde stellt auch Wasserstoff-Tankstellen her

Auch bei Betankungs-Lösungen für Wasserstoff-betriebene Fahrzeuge gilt Linde als einer der technologisch führenden Anbieter. Seit 2017 bietet man standardisierte Wasserstoff-Betankungsanlagen für Personen- und Nutzfahrzeuge mit Brennstoffzellenantrieb an, was dem Konzern eine Schlüsselrolle beim Rollout eines flächendeckenden Wasserstofftankstellen-Netzwerks beschert. Die Bundesregierung hatte in ihrem jüngst verabschiedeten Konjunkturprogramm explizit dem raschen Ausbau des Wasserstoff-Tankstellennetzwerks höchste Priorität eingeräumt, um den Einsatz von Grünem Wasserstoff im Schwerlastverkehr zu fördern. Da auch eine verpflichtende Beimischungsquote für Flugbenzin zu den Kernpunkten der Wasserstoff-Offensive der Bundesregierung gehört, dürfte sich für Linde hier mittelfristig ein attraktives neues Wachstumsfeld erschließen.

Linde traut dem Zukunftsfeld Wasserstoff, das im Zuge der Energiewende eine noch größere Rolle bei der Reduktion umweltschädlicher Treibhausgase und CO2-Emissionen spielen wird, schon jetzt enormes Wachstumspotential zu. Aktuell generiert Linde mit Wasserstoff nach Aussage von CEO Steve Angel bereits jetzt einen Jahresumsatz von gut 2 Mrd. USD. Mittelfristig dürfte sich der Umsatzbeitrag aus diesem Segment angesichts der dynamischen Entwicklungen der Wasserstoffwirtschaft in den kommenden Jahren nach Aussage des Konzernchefs knapp vervierfachen.

Auch operativ konnte Linde zuletzt trotz der Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie im ersten Quartal erfolgreich behaupten. Bei einem leichten Umsatzrückgang verbesserte sich der bereinigte Nettogewinn im Vorjahresvergleich dank höherer Absatzpreise im Vorjahresvergleich um knapp 11%, womit die Konsenserwartungen übertroffen werden konnten. Auch für das Gesamtjahr zeigte sich Linde zuletzt verhalten optimistisch und rechnet ab dem dritten Quartal mit einer deutlicheren Belebung im Kerngeschäft mit Industriegasen. Damit sieht man sich auf Kurs, das zuletzt leicht nach unten revidierte Jahresziel, das eine Verbesserung beim bereinigten Gewinn je Aktie im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich vorsieht, bequem erreichen zu können. Die Experten der Deutschen Bank haben kürzlich die Einstufung mit "Buy" bestätigt und sehen weiterhin ein Kursziel von 210 Euro.

Viele Grüße
Simon Betschinger


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Liebe Leser,

Staaten pumpen Milliarden in die Wirtschaft, um so schnell wie möglich der schweren Corona-Rezession zu entkommen. Umweltpolitische Überlegungen spielen dabei eine große Rolle. Man meint es ernst mit dem Ziel, eine CO2-neutrale Wirtschaft aufzubauen.

Wasserstoff kommt im neuen Konjunkturpaket der Bundesregierung eine Schlüsselrolle zu, um den Klimaschutz voranzutreiben. In Windstrom-Wasserstoff-Projekten sieht die Bundesregierung großes Potenzial.

Windparks auf offener See werden zu Fabriken für grünen Wasserstoff. Die Windturbinen sind mit Elektrolyseuren verbunden und aus Strom und Wasser wird grüner Wasserstoff erzeugt. Der Wasserstoff kann dann mit Hilfe von Schiffen ans Festland transportiert werden.

Die Versorger bekommen wieder eine Wachstums-Perspektive

Für die großen Energieversorger entstehen nun komplett neue Geschäftsfelder. Ein Jahrzehnt lang waren sie die Leidtragenden der Erneuerbare-Energien-Revolution. Hausbesitzer montierten sich Solarmodule aufs Hausdach und der Gesetzgeber zwang die Energie-Riesen dazu, den privat produzierten Solarstrom in die eigenen Netze einzuspeisen. Endlich tritt die Energiewende in eine Phase ein, in der wieder Großprojekte und Anlagen gefragt sind, die nur große Konzerne stemmen können. Aktien wie RWE (ich berichtete letzte Woche darüber) oder Enel (siehe unten) machen wieder mit einem trendstabilen Kurs-Verhalten auf sich aufmerksam.

Enel erzeugt bereits mehr als 50% des Stroms aus regernativen Energiequellen

Aufgefallen ist mir beim Screening der Trendstabilitäts-Ranglisten die Aktie von Enel, die sich derzeit auf Rang 10 der Gesamtauswahl befindet. Der italienische Energieversorger gehört dank milliardenschwerer Investitionen in neue Wind- und Solar-Parks und Wasserkraftwerke mittlerweile zu den weltweit führenden Ökostromanbietern. Knapp 50% der gesamten Erzeugerkapazitäten setzen sich bei Enel aus regenerativen Energiequellen zusammen, womit man im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz einnimmt. Dies ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern macht sich auch positiv bei der Gewinnentwicklung von Enel bemerkbar. Denn mit Ökostrom lassen sich im Vergleich zu Kohle- oder Atomstrom deutlich höhere Margen erzielen.

Dies bescherte dem Energieversorger im ersten Quartal trotz rückläufiger Stromabsätze in Folge der Coronavirus-Pandemie ein leichtes Plus von 3,5% beim operativen Ergebnis. Auch unter dem Strich überzeugte Enel und toppte mit einer Verbesserung beim bereinigten Konzernergebnis von 10,5% die Konsenserwartungen der Analysten. In den kommenden Jahren will Enel die unter dem Dach der Konzerntochter Enel Green Power gebündelten Ökostromkapazitäten durch weitere Milliarden-Investitionen konsequent ausbauen und bis Ende 2022 neue Erzeugerkapazitäten mit einer Gesamtleistung von 14,5 Gigawatt ans Netz bringen. Damit will Enel den Anteil der regenerativen Energiekapazitäten bis Ende 2022 auf rund 60% ausbauen und im Gegenzug die Stromerzeugung aus klimaschädlichen Energieträgern wie Kohle entsprechend reduzieren.

Netzinfrastruktur und Power-to-Gas-Anlagen sorgen für Wachstumsfantasie

Flankiert wird das milliardenschwere Investitionsprogramm durch den Ausbau und die Modernisierung der Netzinfrastruktur, um eine effiziente und nachhaltige Versorgungs-Infrastruktur für die neu entstehenden Wind- und Solarparks und Wasserkraftwerke sicherzustellen. Dabei will Enel nach Aussage von Antonio Cammisecra, CEO der Konzernsparte Enel Green Power, auch auf Grünen Wasserstoff als zentralen Bestandteil der neuen Gesamtstrategie der Ökostrom-Tochter setzen. In diesem Zusammenhang plant Enel den Bau einer Power-to-Gas-Anlage mit einer Gesamtleistung von mehreren hundert Megawatt, die von einem benachbarten Wind- oder Solarpark gespeist wird. Mit der Errichtung der Pilotanlage soll spätestens im kommenden Jahr begonnen werden, wobei man sich derzeit noch nach einem passenden Standort umsieht.

Enel invetiert auch in grünen Wasserstoff

Langfristiges Ziel von Enel Green Power ist ein integriertes Gesamtkonzept, mit dem man vor allem Industriekunden eine CO2-neutrale Stromversorgung aus einer Hand bieten will. Für Unternehmen mit hohem Energieverbrauch bietet Grüner Wasserstoff, der über Fernleitungen transportiert und vor Ort in einem Blockheizkraftwerk in Strom umgewandelt werden kann, auch aus wirtschaftlicher Sicht eine sinnvolle Alternative zu konventionellem Strom. Da die CO2-Abgaben für Industrieunternehmen in den kommenden Jahren im Zuge der Ökostrom-Wende sukzessive steigen werden, bringt die Umstellung auf eine CO2-neutrale Energieversorgung daher enorme Kostenvorteile mit sich. Enel will im Zukunftsfeld künftig eine führende Rolle spielen und dürfte seine Erzeugerkapazitäten für Grünen Wasserstoff in den kommenden Jahren massiv ausbauen, um dem wachsenden Bedarf gerecht zu werden.

Die Experten von Barclays sehen Enel dank des konsequent vorangetriebenen Ausbaus der Erneuerbaren Energien als einen der größten Profiteure der jüngst umgesetzten Klimaverordnungen in der EU, da der Konzern massiv von den beschlossenen Fördermaßnahmen der EU profitieren werde. Entsprechend wurde die Einstufung von "Equal-Weight" auf "Overweight" angehoben und das Kursziel von 6,90 auf 8,50 Euro erhöht.

Viele Grüße
Simon Betschinger


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Liebe Leser,

jahrelang hatte ich nicht über Wasserstoff-Aktien berichtet. Mir fehlte der notwendige Trigger, also die notwendige Initialzündung, die dieses Wirtschaftssegment zum Leben erwecken kann. Als Börsianer, der die Hausse der Solar-Aktien ab 2006 und auch den bitteren Absturz der deutschen Solar-Aktien ab 2009 live mitverfolgen durfte, werde ich hellhörig, wenn Regierungen beginnen, Sektoren zu subventionieren. Subventionen können zum Entstehen neuer Wirtschaftsstrukturen führen, die es ohne sie nicht gegeben hätte.

Ich habe hier als Diplom Volkswirt auch KEINE klare Meinung dazu, ob diese Subventionen für Wasserstoff gut oder schlecht sind. Es ist eine rein politische Fragestellung und die Antwort hängt davon ab, wir stark man die Umweltschäden anderer Technologien bewertet. Wenn man zu dem Ergebnis kommt, dass die Verbrennung fossiler Brennstoffe die Umwelt stark belastet und man eine saubere und gesunde Umwelt zur gesellschaftlichen Wohlfahrt hinzuzählt, dann können Wasserstoff-Subventionen im großen Stil durchaus Sinn ergeben.

RWE ist drittgrößter Anbieter für Wind-, Wasser- und Solarstrom in Europa

In unseren Trendstabilitäts-Ranglisten befindet sich die Aktie von RWE derzeit auf Rang 12 der Gesamtauswahl. Der Energieversorger hat sich zuletzt mit der Übernahme großer Teile der Strom-Erzeugerkapazitäten des Konkurrenten E.ON und der ehemaligen Konzerntochter Innogy neu aufgestellt und seine Ökostromaktivitäten konsequent ausgebaut. Der Essener Energieversorger kommt bei der Neuausrichtung auf regenerative Energien dank milliardenschwerer Investitionen gut voran und avanciert mittlerweile zum drittgrößten Anbieter für Wind-, Wasser- und Solarstrom in Europa.

RWE mischt beim Thema Wasserstoff mit

Gut ins Gesamtkonzept von RWE passt dabei die von der Bundesregierung in ihrem jüngst beschlossenen 130 Mrd. Euro schweren Konjunkturprogramm angekündigte Förderung der Wasserstoffwirtschaft. Der Energieversorger hat das Potential der Wasserstofftechnologie für die Umsetzung eines ganzheitlichen Gesamtkonzepts bei Ökostrom frühzeitig erkannt. Denn für eine zuverlässige Stromversorgung aus überwiegend erneuerbaren Energien müssen – neben intelligenten Netzstrukturen – auch langfristige Speichermöglichkeiten geschaffen werden. Daher investiert RWE bereits seit einigen Jahren in den Bau so genannte Power-to-Gas-Anlagen zur Umwandlung von Wind- und Solarstrom in Grünen Wasserstoff.

Power-to-Gas-Anlage wandelt Windenergie in grünen Wasserstoff um

So entsteht derzeit in Lingen unter der Federführung von RWE eine Power-to-Gas-Anlage mit einer Gesamtkapazität von rund 105 Megawatt. Gespeist wird die im Rahmen eines Konsortiums mit Siemens und den Stadtwerken Lingen entstehende Pilotanlage durch Ökostrom aus einem nahegelegenen RWE-Windpark. Auch im niederländischen Eemshaven will RWE eine ähnliche Großanlage mit einer Gesamtkapazität von rund 100 Megawatt errichten, wobei die hierfür benötigte Energie aus einem unmittelbar angrenzenden Onshore-Windpark der Konzerntochter Innogy stammt. Der aus den Power-to-Gas-Anlagen gewonnene Grüne Wasserstoff wird im Anschluss in Blockheizkraftwerken wieder in Strom und Wärme umgewandelt und soll damit einen wichtigen Beitrag zur ökologisch nachhaltigen Strom- und Wärmeversorgung der angrenzenden Wohn- und Industrieanlagen leisten.

Das integrierte Gesamtkonzept aus Wind- und Solarparks und Power-to-Gas-Anlagen zur Herstellung von Grünem Wasserstoff, der anschließend mittels Blockheizkraftwerken in Strom umgewandelt wird, ist vor allem für die Industrie von enormer Bedeutung. Besonders für Energie-intensive Branchen wie die Stahlindustrie könnte sich dieses Konzept als Game-Changer beim Übergang zu einer ökologisch nachhaltigen Produktion ohne schädliche CO2-Emissionen erweisen.

RWE will Schlüsselrolle bei Wasserstoff-Wirtschaft übernehmen

Entsprechend wird der Übergang zur modernen Wasserstoff-Wirtschaft von der Bundesregierung in den kommenden Jahren mit insgesamt rund 9 Mrd. Euro massiv gefördert, wobei man ausdrücklich auch eine Zusammenarbeit zwischen Produktionsunternehmen und den Herstellern von Grünem Wasserstoff durch entsprechende Beihilfen fördern will. Auch hier will RWE künftig eine Schlüsselrolle übernehmen und hat kürzlich mit dem Stahlhersteller ThyssenKrupp eine entsprechende Vereinbarung für eine Wasserstoffpartnerschaft unterzeichnet. Im Rahmen der Kooperationsvereinbarung wird RWE das Hüttenwerk in Duisburg mit Grünem Wasserstoff versorgen. Gespeist werden sollen die Hochöfen über ein Fernleitungssystem vom nahegelegenen RWE-Windenergiepark im Emsland, der ab Mitte dieser Dekade den Löwenanteil des für die Rohstahlproduktion am Standort Duisburg benötigten Grünen Wasserstoffs aus der aktuell im Bau befindlichen Power-to-Gas-Anlage liefern soll. ThyssenKrupp Steel geht davon aus, dass sich durch die Umstellung der Rohstahlproduktion in Duisburg dank der dadurch erreichten CO2-Emissionseinsparungen rein rechnerisch jährlich rund 50.000 Tonnen klimaneutral erzeugter Stahl herstellen lässt - Genug für die Produktion von rund 50.000 Mittelklassewagen.

Der von RWE forcierte Einstieg in die Herstellung von Grünem Wasserstoff fügt sich gut in die Gesamtstrategie ein, die einen systematischen Ausbau der Ökostromkapazitäten vorsieht. Bis Ende der Dekade will RWE dank jährlicher Investitionen von mehr als 1,5 Mrd. Euro in den Ausbau deer regenerativen Energien mehr als 60% seiner Energie aus Wind-, Solar- und Wasserkraftanlagen abdecken. Bis spätestens 2040 will man eine vollständig CO2-neutrale Energieerzeugung ohne schädliche Emissionen erreichen. Dies ist nicht nur gut für die Klimabilanz, sondern wird sich auch positiv beim Konzernergebnis niederschlagen. Da sich mit Ökostrom deutlich höhere Margen erzielen lassen als mit konventioneller Energie, rechnen Analysten in den kommenden Jahren mit einer nachhaltigen Ergebnisverbesserung bei RWE. Entsprechend haben die Experten von Goldman Sachs kürzlich ihre Einstufung mit "Conviction Buy" bestätigt und das Kursziel auf 37 Euro belassen.

Viele Grüße
Simon Betschinger


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Liebe Leser,        

eine grüne Wasserstoff-Gesellschaft ist der Traum vieler Menschen. Wasserstoff hat das Potenzial unsere Gesellschaft grundlegend zu verändern, nicht nur die Zukunft des Transportwesens, sondern darüber hinaus auch noch viele andere Wirtschaftssegmente. Vom Antrieb für Autos, Züge oder Schiffe bis zum Heizen von Wohnungen ist mit Wasserstoff als Energieträger vieles möglich. Der Vorteil der Wasserstoff-Technologie ist, dass als „Abfallprodukt“ der Energiefreisetzung reines Wasser entsteht. 

Die Wasserstoff-Technologie kann sich ohne politische Unterstützung am freien Markt aber nicht durchsetzen. Sie ist zu ineffizient. Als sich Volkswagen entscheiden musste, ob man auf Batterie-Fahrzeuge oder Wasserstoff-Fahrzeuge setzt, fiel die Entscheidung ganz klar zu Gunsten der Batterie aus. Der Gesamtwirkungsgrad von Wasserstoff-Fahrzeugen wird auf nur 30 % geschätzt im Vergleich zu 76 % beim batteriegetriebenen Fahrzeug:
 


Ob sich die Wasserstoff-Technologie durchsetzen wird, hängt darum von der politischen Abwägung ab wie stark man die externen Umweltwelt-Verschmutzungs-Effekte von anderen Technologien bewertet und wie stark man die Wasserstoff-Gesellschaft zum Schutz der Umwelt anstrebt.

Ich begann letzte Woche über Wasserstoff-Aktien zu schreiben, weil die Bundesregierung sich erstmals klar und deutlich zu einer Wasserstoff-Strategie bekannt hat und die Technologie subventionieren möchte. Das könnte für die gesamte Brache eine Art Startschuss bedeuten, insbesondere dann, wenn andere Länder nachziehen.

Air Liquide ist ein Basis-Investment: Kein Pure-Play, aber überschaubares Risiko

Der französische Industriegase-Hersteller hat sich in den vergangenen Jahren mit der Übernahme des US-Wettbewerbers Airgas zu einem der führenden Player gemausert und rangiert hinter Branchenprimus Linde weltweit auf Rang 2. Aufgrund seiner Expertise im Bereich Anlagenbau ist Air Liquide außerdem gut positioniert, um von den Plänen der Bundesregierung, zur Förderung der Wasserstoff-Technologie profitieren zu können.

Membran-Elektrolyse gilt als besonders effizientes Verfahren zur Wasserstoff-Herstellung

Air Liquide gilt als einer der Protagonisten bei diesem neuen Zukunftstrend und hat mit der so genannten Membran-Elektrolyse ein besonders effizientes Verfahren zur Wasserstoff-Herstellung entwickelt. Die Umwandlung von Strom aus Regenerativen Energien wie Windkraft durch so genannte Power-to-Gas Anlagen in Grünen Wasserstoff gilt als eines der Schlüsselthemen der modernen Wasserstoffwirtschaft. Damit lässt sich Energie beispielsweise aus Offshore-Windparks in Form von Grünem Wasserstoff elegant zwischenspeichern. Im Anschluss kann dieser Grüne Wasserstoff dann mittels Blockheizkraftwerken wieder in Strom oder Wärme umgewandelt werden.

Air Liquide verwendet bei der Membran-Elekrolyse so genannte PEM-Stacks als Membranelemente. Damit lässt sich die Power-to-Gas-Anlage ohne Zeitverzögerung quasi aus dem Stand auf Maximalleistung hochfahren, wobei bei der Umwandlung von Strom aus Erneuerbaren Energien wie Wind- oder Solarenergie in Grünen Wasserstoff im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren keinerlei schädliche Nebenprodukte anfallen.

Bundesregierung will Erzeugerkapazitäten für Wasserstoff ausbauen

Da im Zuge der von der Bundesregierung kürzlich verabschiedeten Nationalen Wasserstoff-Strategie die Wasserstoff-Erzeugerkapazitäten bis 2030 um 5.000 Megawatt ausgebaut werden sollen, sollte Air Liquide von neuen Großaufträge zum Bau moderner Power-to-Gas-Anlagen profitieren.

Air Liquide dürfte vom Aufbau eines Wasserstoff-Tankstellen-Netzes profitieren.

Gute Chancen darf sich Air Liquide auch in Zusammenhang mit der geplanten Förderung von umweltfreundlichen Antriebstechnologien ausrechnen. Auch hier bietet Wasserstoff als Treibstoff für Brennstoffzellenmotoren für Lkw, Nutzfahrzeuge oder Schiffsmotoren eine emissionsfreie und klimaschonende Alternative zu Benzin oder Diesel. Daher will die Bundesregierung den Einsatz von Wasserstoffbrennstoffzellen-Antrieben für den Schwerlastverkehr unter anderem durch den Ausbau des Wasserstoff-Tankstellen-Netzwerks gezielt fördern und zieht auch eine verpflichtende Beimischungsquote für so genannten Grünen Wasserstoff bei Flugbenzin in Erwägung. Air Liquide gilt als einer der technologisch führenden Anbieter von Wasserstoff-Infrastrukturlösungen. Als einer der Schlüsselakteure des Konsortiums H2 MOBILITY Deutschland, dass sich den Aufbau eines flächendeckenden Netzwerks mit Wasserstofftankstellen in Deutschland zur Aufgabe gemacht hat, partizipiert Air Liquide unmittelbar vom geplanten Wasserstofftankstellen-Netzwerkausbau

Operativ solide!

Im operativen Geschäft läuft es bei Air Liquide derzeit ebenfalls rund. So hatte der französische Branchenprimus in Q1, trotz der Coronavirus-Pandemie einen leichten organischen Umsatzanstieg von 0,6% vorzuweisen. Profitiert hatte man hierbei vor allem von der starken Absatzentwicklung bei Industriegasen in Kernmärkten wie Europa und Nordamerika. Für eine Art Sonderkonjunktur sorgte die Coronavirus-Pandemie im Healthcare-Segment Air Liquide gehört nicht nur bei medizinischen Gasen wie Sauerstoff zu den größten Anbietern, sondern ist auch bei Beatmungs- und Inhalationsgeräten für den mobilen und stationären Einsatz mit Modellen wie dem Monnal T60 oder VitalAire präsent. Aufgrund der erhöhten Nachfrage nach medizinischem Sauerstoff und Beatmungsgeräten zur Behandlung von Coronavirus-Patienten verbesserten sich die Umsatzerlöse im Healthcare-Segment um satte 10%. Die Experten der UBS haben kürzlich die Einstufung mit "Buy" bestätigt und sehen weiterhin ein Kursziel von 140 Euro.

Viele Grüße
Simon Betschinger


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