Besser Traden mit System - Der Blog

  • Der Blog hilft Ihnen, immer auf dem aktuellsten Stand zu bleiben. In Wochenberichten und Kommentaren berichtet Simon Betschinger von aktuellen Geschehen an den Kapitalmärkten und lässt Sie auch an seinen persönlichen Einschätzungen teilhaben. Schauen Sie doch ab und zu mal vorbei, um immer up to date zu sein!


 

Liebe Leser,

der Corona-Crash gehört gleich nach der Finanzkrise zu den spannendsten Börsensituationen, die ich jemals mitmachen durfte. Der Corona-Crash verlief jedoch komplett anders als die Finanzkrise 2008 und 2009. Ich befasse mich weiterhin mit der Frage, warum so viele Börsianer derart pessimistisch waren wie ich es noch nie zuvor erlebt hatte. Es war auch neu für mich, dass meine optimistischen Markteinschätzungen nach dem COVID-19-Markteinbruch so viel Gegenwind erzeugten. Eine positive Sicht auf den Aktienmarkt bracht viele Bären regelrecht zur Weißglut. Offenbar hatten sie sich in der festen Überzeugung, dass die Wirtschaftswelt untergehen würde, auf der Shortseite positioniert.

Warum also war das Sentiment derart bärisch?

Ich habe eine Heatmap mit allen Aktien des S&P 500 und der Performance in den letzten 50 Tagen erstellt. Aktien, die in diesem Zeitraum im Plus sind, sind grün eingefärbt. Aktien, die in den letzten 50 Tagen eine negative Performance erzielt haben, sind rot eingefärbt. Die Heatmap ist nach den verschiedenen Sektoren Technology, Healthcare, Consumer Cyclical, Consumer Defensive, Communication Services, Financial Services, Industrials, Utilities, Energy, Real Estate und Basis Materials gegliedert. Insgesamt überwieg nach 50 Tagen die Farbe grün.

Es fällt auf, dass es sehr viele Aktien und Sektoren gibt, die stark zulegen konnten. Viele Unternehmen wurden während der Corona-Pandemie von einer erhöhen Nachfrage regelrecht überrannt. Amazon musste über 100.000 neue Mitarbeiter einstellen, um die Orderflut bewältigen zu können. In Supermärkten wurde die Regale regerecht geplündert. Auch die Aktie des weltweit größten Einzelhändlers Wal Mart notiert am Allzeithoch. Unternehmen schickten ihre Mitarbeiter ins Home-Office und bestellten dafür Hardware und abonnierten Cloud-Dienste. Um die gewaltige Zunahme des Datenverkehrs bewältigen zu können, wurden die Internet-Infrastrukturen und die Rechenzentren-Kapazitäten in Windeseile ausgebaut.

Die Heatmap zeigt diese komplette Zweiteilung des Marktes. Auf der einen Seite stehen die großen Gewinneraktien wie Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Intel, Oracle oder NVIDIA. Auch nahezu alle Titel aus dem Gesundheitssektor haben stark abgeschnitten. Auf der anderen Seite stehen die Branchen und Sektoren, die durch die Corona-Pandemie sehr stark betroffen sind. Das sind vor allem Industrietitel, Tourismus und Banken. Eben all die Firmen, die wegen der Shutdowns ihr Geschäft nur noch schwer betreiben konnten.

Selbst Warren Buffett wurde zum Bären

Ich glaube also, dass Börsianer, die eine bärische Sichtweise einnahmen, in ihrer täglichen Wirklichkeitswelt wohl eher mit den schwachen Wirtschaftssektoren konfrontiert waren. Wer im Tourismus arbeitet oder in einer Autofabrik beschäftigt ist, wo alle Bänder stillstehen, kann vermutlich keine positive Sicht auf die Wirtschaft entwickeln. Auch Warren Warren Buffett, der solche wunderbaren Börsenweisheiten prägte wie „sei gierig, wenn die Anderen Angst haben, und ängstlich, wenn sie gierig sind“, blieb dieses Mal an der Seitenlinie und nutze den Kurssturz nicht zum Positionsaufbau. Man konzentriere sich darauf zu überleben, wurde Charlie Munger zitiert. Buffett sagte, dass der Zug nun komplett neben den Gleisen stehe. Offenbar hatte die Investoren-Legende erneut kein Auge für den boomenden Technologiesektor.

Fazit: Es gibt sehr viele Wirtschaftssektoren, deren Geschäftsaktivität während der Corona-Pandemie deutlich anzog. Es ist wichtig, sich nicht ausschließlich auf die negativen Nachrichten zu konzentrieren.

Viele Grüße
Simon Betschinger


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Kommentar / 27.05.2020 | 15:23:00

Die 3 großen Anlagetrends nach Corona

Liebe Leser,

DAX, Dow Jones und andere Leitindizes schießen nach oben. Die V-förmige Erholung wird Wirklichkeit. Wir durchlaufen den schnellsten Stimmungsumschwung am Aktienmarkt aller Zeiten. Die Bären, die in den letzten Wochen in der Mehrheit waren, reiben sich verwundert die Augen und fragen sich wie sie so falsch liegen konnten. Ich weiß es. Die Bären haben die Welt einfach aus einer Perspektive der irrationalen Angst betrachtet. Die Corona-Pandemie entwickelt sich zum Lehrstück wie Emotionen das eigene Urteilsvermögen trüben können.

Zukunftsvision 1: Die Flugindustrie wird im Jahr 2022 stärker sein als jemals zuvor!

Es gibt immer noch gewaltige Fehleinschätzungen der Zukunftsaussichten – meiner Meinung nach. Viele Anleger und Branchenexperten gehen zum Beispiel davon aus, dass sich der Flugverkehr auf Jahre hinweg nicht mehr spürbar erholen wird. Ich möchte hier das Gegenteil behaupten. Das Passagieraufkommen in der Luftfahrt wird sehr schnell wieder alle Rekordniveaus erreichen. COVID-19 wird die Flugzeuge nicht dauerhaft am Boden halten. Es sind sogar positive Effekte möglich.

Der Trend geht zum Home-Office und das wird den Flugverkehr beflügeln. Beispiel Facebook: Marc Zuckerberg will nun verstärkt Mitarbeiter aus allen Regionen einstellen. Diese arbeiten von zu Hause aus, kommen aber regelmäßig in der Facebook-Zentrale zu Besuch. Die Home-Office-Ökonomie wird damit zum Treiber für Geschäftsflüge. Verstreute Home-Office-Mitarbeiter treten monatlich Geschäftsflüge in die Unternehmenszentralen an. Die Perspektive gefällt mir. Ich bin long in Airbus, MTU und Boeing.

Zukunftsvision 2: Der Durchbruch von Mobilität als Service.

Wir leben ja ohnehin schon im Zeitalter der digitalen Plattformen. Menschen können ihre Konsumbedürfnisse ganz einfach über Websites oder Apps erfüllen. Die Corona-Pandemie hat die Marktanteilsverluste des Einzelhandels gegenüber dem Online-Handel noch einmal beschleunigt. Den Durchbruch werden nun meiner Einschätzung nach auch Mobilitäts-Dienstleister wie Uber Technologies feiern. Ich bin investiert.

In den Großstädten dieser Welt gibt es strenge Auflagen für den öffentlichen Nahverkehr. Wer in der U-Bahn fährt, muss Masken tragen und die Anzahl der Fahrgäste ist beschränkt. Wie werden all die Menschen in den Städten dann von Ort A nach Ort B kommen? Vermutlich sehr häufig über Anbieter wie Uber. Es ist sehr einfach und komfortabel. Ich nehme mein Smartphone, öffne die Uber-App und im Idealfall steht zwei Minuten später ein Uber-Auto an meinem Standort.

Zukunftsvision 3: Das Zeitalter der Batteriezelle

Die Batteriezelle gehört zu den am meisten unterschätzten Technologien. Bei einem Preisverfall von mehr als 80% bei Akkus in den letzten zehn Jahren und einer gleichzeitig steigenden Energiedichte von mehr als 100% im gleichen Zeitraum, nimmt die Innovationsgeschwindigkeit immer mehr zu. Bis 2025 werden sich die Kosten für Batteriezellen voraussichtlich noch einmal halbieren. Gleichzeitig wächst die Energiedichte stetig an. Wer möchte dann noch ein Auto mit Verbrennungsmotor, wenn bezahlbare Elektroautos 1.000 Kilometer am Stück zurücklegen können?

Der Innovationsprozess ist dabei vergleichbar mit den Handys. In den 90er Jahren wollte diese klobigen, mobilen Telefone kaum jemand haben. Die dünnen Hochleistungs-Smartphones von heute, hat mittlerweile fast jeder Mensch. Erst der technologische Fortschritt hat das Produkt „Handy“ massentauglich gemacht. So wird es mit der Batteriezelle auch laufen. Noch in diesem Jahrzehnt wird das Elektroauto das begehrtere Produkt als das Auto mit Verbrennungsmotor sein. Wetten, dass!

Viele Grüße
Simon Betschinger


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Liebe Leser,

wenn man in 10 Jahren mit etwas Abstand auf die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie zurückblicken wird, dann werden Ökonomen vermutlich feststellen, dass Corona den wirtschaftlichen Strukturwandel beschleunigt hat.

Die Einzelhändler verlieren schon seit Jahren Marktanteile gegenüber dem Online-Handel. Es ist kein schönes Wirtschaftsleben, wenn man ein Einzelhandelsgeschäft hat. Corona hat dann den siechenden Niedergang noch einmal beschleunigt.

Online-Händler wie Zalando oder auch Shop Apotheke freuen sich über viele Neukunden, die nun zum ersten Mal online Schuhe, Kleidung oder Arzneimittel kaufen. Treiber ist die Tatsache, dass niemand so richtig Lust hat mit Atemschutzmasken einkaufen zu gehen. Das ist irgendwie eine starke Bremse für das Einkaufserlebnis.

Ich glaube übrigens nicht, dass die Innenstädte verwaisen werden. Ich glaube, dass in Zukunft die Immobilienbesitzer auf einen Großteil ihrer absurd hohen Mietpreise verzichten müssen. Das TraderFox-Büro befindet sich in Reutlingen. Dort kenne ich die Preise für die besten, zentralen Innenstadtlagen. Geschäfte bezahlen hier etwa einen achtfach höheren Mietpreis gegenüber schlecht gelegenen Einkaufsflächen.

Wenn die Mieten je Quadratmeter nur halb so hoch wären, hätten die großen Bekleidungsgeschäfte das Leben deutlich einfacher. Darum gehe ich davon aus, dass sich trotz des Siegeszugs des Online-Handels die Stadtbilder nicht dramatisch verändern werden. Aber die Immobilienbesitzer werden von ihren hohen Mietpreisvorstellungen abrücken müssen. Dann können die Einzelhändler weiter existieren, obwohl sie deutlich weniger Umsatz erzielen.

Eine Aktie, die vom beschleunigten Strukturwandel profitiert ist Zalando. In den Trendstabilitäts-Ranglisten ist die Aktie auf Ranglisten-Platz 9 vorgerückt.

Die Coronavirus-Pandemie hat das Einkaufsverhalten nachhaltig verändert. Um sich nicht im täglichen Einkaufstrubel der Gefahr einer Coronavirus-Infektion auszusetzen, bestellen viele Verbraucher ihre Waren lieber über das Internet und lassen sich die Bestellungen nach Hause liefern. Dies gilt nicht nur für Nahrungsmittel und andere Produkte des täglichen Bedarfs, sondern auch für Mode und Bekleidung.

Zu den Profiteuren dieses neuen Shopping-Trends gehört vor allem der Online-Modehändler Zalando, der dank seines gut sortierten Angebots mittlerweile zu den beliebtesten Online-Marketplaces bei Mode, Schuhen und trendigen Accessoires in Europa gehört. Passend ergänzt wird das Portfolio bei Zalando durch das stetig weiter ausgebaute Partnerprogramm, unter dem bekannte Marken und lokale Einzelhändler ihre Produkte in eigenen eCommerce-Shops auf der Zalando-Plattform anbieten können.

Das lockt dank der wachsenden Markenvielfalt nicht nur neue Besucher auf die Zalando-Webseite, sondern beschert dem Online-Händler dank umsatzabhängiger Provisionen ein lukratives Zusatzgeschäft. Da Zalando mittlerweile über mehr als 32 Millionen aktive Nutzer verfügt, ist das Partnerprogramm für bekannte Modeanbieter wie American Eagle Outfitters trotz der fälligen Verkaufsprovisionen, die bis zu 20% des Warenumsatzes ausmachen, attraktiv. Allein am Osterwochenende wurden über das Partnerprogramm mehr als eine Million Artikel abgesetzt, womit der Absatz gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt werden konnte.

Dank seines attraktiven Gesamtkonzepts kommt Zalando gut durch die aktuelle Krise. Während die Modebranche vor allem im stationären Einzelhandel bedingt durch die Quarantänemaßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie teilweise hohe zweistellige Umsatzeinbußen hinnehmen musste, überraschte Zalando im ersten Quartal mit einem satten Umsatzplus von 10,6%. Da der Bruttowarenumsatz nach einem leichten Rückgang im März seit Anfang April wieder prozentual zweistellig wächst und die Modenachfrage mit dem Ramp-Up der Wirtschaft langsam wieder anzieht, sollte Zalando seine ambitionierten Jahresziele sicher erreichen können.

Für 2020 rechnet Zalando mit einem Umsatzplus von 10 bis 20% gegenüber dem Vorjahr, wobei viele Analysten dank des weiter forcierten Ausbaus des Zalando-Partnerprogramms von einer positiven Überraschung ausgehen. Entsprechend optimistisch meldeten sich zuletzt die Experten vom Analystenhaus Bernstein zu Zalando zu Wort, wobei das Kursziel von 47 auf 62 Euro angehoben und die Einstufung mit "Outperform" bestätigt wurde.

Viele Grüße
Simon Betschinger


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Kommentar / 20.05.2020 | 15:20:00

Die 3 großen Denkfehler der Bären

Liebe Leser,

seit dem starken Corona-Markteinbruch stehe ich als Bulle da und argumentiere, warum die Aktienmärkte steigen und die Wirtschaft sich sehr schnell erholen dürfte. Ich bekomme mit dieser Ansicht teilweise sehr viel wütenden Gegenwind, vor allem in Social-Media. Viele Leute haben eine gewisse Lust am Untergang und reagieren regelrecht verärgert, weil dieser ganz offensichtlich nicht stattfindet. Die Wiedereröffnung der Volkswirtschaften weltweit verläuft bislang erfolgreich. In den Kommentaren auf Social-Media erkenne ich häufige Denkfehler, die von den Bären immer und immer wieder gemacht werden. Darauf möchte ich heute eingehen:

Denkfehler Nr. 1 der Bären
Die schlechten Wirtschaftsdaten heute als Argument für fallende Kurse heranziehen

Wenn FED-Chef Jerome Powell ausführt, dass die US-Wirtschaft im laufenden Quartal um 30 % einbrechen dürfte und dass die Arbeitslosenquote vermutlich auf 20 bis 25 Prozent ansteigen wird, dann ist das eine gute Erklärung für die Marktturbulenzen, die bereits stattgefunden haben. Diese Tatsachenbeschreibungen der aktuellen Wirtschaftslage sind jedoch nicht dazu geeignet, um weitere Kursverluste abzuleiten. Im Gegenteil: Wenn die Konsensmeinung besteht, dass die US-Wirtschaft in Q2 um 30 % einbrechen wird, dann sehe ich eher Überraschungspotenzial nach oben. Sprich: Es wird nicht so schlimm kommen wie erwartet. Der faire Wert einer Firma ist der Gegenwartswert ihrer zukünftigen Cashflows. Warum sollte ich als Aktionär eine Firma zu tiefen Preisen verschenken, nur weil es zwei schlechte Quartale gibt? Es gibt keinen Grund so zu handeln.

Denkfehler Nr. 2 der Bären
Historische Zäsur in der Geldpolitik ignorieren

Letzte Woche hat die amerikanische Notenbank zum ersten Mal private Schulden aufgekauft. Zusammen mit der Ankündigung, Staatsanleihen in jedem notwendigen Umfang zu erwerben, ergibt sich ein historischer Tabubruch in der Geldpolitik. Ich habe den Eindruck, dass die Befürworter der „Modern Monetary Policy“ immer mehr die Oberhand gewinnen. Nach dieser Theorie, die unter Ökonomen seit etwa 10 Jahren intensiv diskutiert wird, sollte die Notenbank direkt den Staat finanzieren. Wenn Inflation entsteht, soll der Staat die überschüssige Geldmenge über Steuern wieder abschöpfen. Vielleicht sehen wir derzeit den ersten Vorstoß, diese neue Form der Geldpolitik ernsthaft zu probieren. Das würde in der Praxis bedeuten, dass die amerikanische Zentralbank nun sehr viel stärker in die Realwirtschaft interveniert, um die Staatsausgaben zu finanzieren, als jemals zuvor in ihrer Geschichte. Ich glaube, dass genau das gerade passiert.

Denkfehler Nr. 3 der Bären
Die ganzen Gewinnerbranchen nicht wahrhaben wollen

Ich habe die Finanzkrise 2008 und 2009 als Trader quasi live miterlebt. Der Aktienmarkt glich einem Schlachtfeld. Es gab so gut wie keine Gewinner. Dieses Mal ist es anders. Der Aktienmarkt ist voll von Firmen, die gute Geschäfte machen und deren Aktien auf neue Allzeithochs streben. Amazon, Shop Apotheke und Zalando übernehmen Umsätze, die der Einzelhandel verliert. Unternehmen wie Microsoft, Bechtle, NVIDIA und Zoom profitieren von der neuen Cloud-Ökonomie. Essenslieferdienste wie Hellofresh oder DeliveryHero versorgen die Menschen mit Lebensmitteln. Firmen wie Netflix, Activision Blizzard, Nintendo oder Electronic Arts stellen digitale Unterhaltungsprodukte bereit. Die Baumarkt-Kette Home Depot profitiert vom Heimhandwerker-Boom, genauso wie Pool.com, die von einer hohen Nachfrage nach Swimming-Pools überrannt werden. Und dann gibt es noch den Gesundheitssektor. Pharmafirmen, Biotechs und Medizintechnik-Hersteller machen gute Geschäfte. Die Ausgaben im Gesundheitswesen steigen und sogar komplett neue Geschäftsfelder wie Videosprechstunden werden von Firmen wie Teladoc oder Compugroup erschlossen. Facebook möchte den zahlreichen Einzelhändlern neue Online-Absatzwege aufzeigen und startet eine Shop-Plattform. Ich habe gekauft, das dürfte funktionieren. Ich könnte diese Aufzählung noch lange fortsetzen. Es gibt sehr viele Firmen, die an ihren Allzeithochs notieren, weil die Geschäfte gut laufen. Die Bären scheinen die ganzen Unternehmen, die gute Geschäfte machen, irgendwie komplett zu ignorieren.

Sehr gut entwickeln sich auch Aktien rund um erneuerbare Energie wie Solaredge, Enphase Energy oder auch Tesla. In den Trendstabilitäts-Ranglisten fällt mir zu diesem Thema wieder die Aktie von Varta auf, die sich auf Ranglisten-Platz Nr. 7 befindet.

Varta: 60 % Marktanteil bei Mikrobatterien

Der Batteriehersteller hat sich in den vergangenen Jahren als Premium-Anbieter bei sogenannten Mikro- und Knopfzellenbatterien einen Namen gemacht. Mit einem Marktanteil von mehr als 60% dominiert man mit seinen qualitativ hochwertigen und langlebigen Modellen den Markt für Hörgeräte-Batterien. Als eigentlicher Wachstumstreiber kristallisieren sich seit geraumer Zeit Mikrobatterie-Lösungen für so genannte Bluetooth-Kopfhörer heraus. Vor allem bei jüngeren kaufkräftigen Konsumenten stehen die kabellosen Kopfhörer-Modelle hoch im Kurs, was den Absatz von passenden Lithium-Ionen-Akkus bei Varta ankurbelt. Dies belegen die kürzlich veröffentlichten Q1-Zahlen eindrucksvoll, da Varta in diesem Segment erneut ein sattes Umsatzplus von 75% vorzuweisen hatte. Auch auf Konzernebene überzeugte Varta mit einem deutlich besser als erwarteten Jahresauftakt. Bei einem satten Umsatzplus von 170% konnte der operative Gewinn mit 51,7 Mio. Euro fast verdreifacht werden, womit man die Konsenserwartungen deutlich übertraf.

Übernahme öffnet den Marktzugang zu neuen Segmenten

Neben der dynamischen Entwicklung im Kerngeschäft erwies sich auch die zu Jahresbeginn abgeschlossene Übernahme der Consumer-Battery-Sparte des US-Konzerns Energizer als strategisch richtige Entscheidung. Damit komplettiert Varta nicht nur sein Produktportfolio, sondern positioniert sich auch bei Premium-Haushaltsbatterien, Ladegeräten und so genannten Powerbanks für Smartphones und andere mobile Endgeräte als einer der führenden Anbieter. Dank eines verbesserten Produkt-Mix erwies sich der Zukauf im ersten Quartal mit einem Umsatzbeitrag von knapp 80 Mio. Euro und einer operativen Marge von 13,7% als profitable Ergänzung für das Varta-Portfolio.

Varta profitiert auch vom Absatz von Bluetooth-Headsets

Auch mittel- bis langfristig bleiben die Perspektiven für Varta vielversprechend. Da Branchengrößen wie Samsung, Bose, Sennheiser, Bang & Olufsson, Sony oder Jabra seit Jahren zum Kundenkreis von Varta gehören und dem Vernehmen nach auch Branchenprimus Apple Varta-Mikrobatterien für seine neue Air-Pod-Generation verwendet, wird sich die dynamische Absatzentwicklung weiter fortsetzen. Dank der für 2021 geplanten Erweiterung der Produktionskapazitäten auf 200 Millionen Lithium-Ionen-Akkus pro Jahr ist Varta für den anhaltenden Absatzboom bei Bluetooth-Headsets und so genannten Ear-Buds gerüstet. Die Experten von Markets&Markets trauen diesem Segment bis 2025 jährliche Zuwachsraten von durchschnittlich 18,6% zu. Angesichts der vielversprechenden Wachstumsaussichten im Kerngeschäft sehen Analysten bei Varta nach dem starken Jahresstart weiter Luft nach oben. So haben die Experten vom Analystenhaus Mainfirst das Kursziel für Varta nach dem unerwartet starken Abschneiden im Auftaktquartal von 99 auf 104 Euro angehoben und die Einstufung mit "Buy" bestätigt.

Viele Grüße
Simon Betschinger


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Liebe Leser,

an diesem Dienstag, den 12. Mai, wurde der große Tabubruch der Geldpolitik erstmals vollzogen. Die amerikanische Notenbank FED kaufte zum ersten Mal in ihrer Geschichte Unternehmensanleihen und damit private Schulden. Das Kaufprogramm fokussiert sich zunächst auf ETFs, die einen Korb von Unternehmensanleihen bündeln. Später will die US-Zentralbank auch Einzeltitel direkt erwerben.

Was bedeutet das konkret? Anleger, die zuvor Unternehmensanleihen in ihren Depots hielten und diese zum Verkauf stellen, halten nun auf einmal Barbestände. Die FED tauscht quasi Anleihen, die sie in ihre Bilanz nimmt, gegen frisch gedrucktes Geld.

Goldmarkt und Aktien sind die bevorzugten Assetklassen

Ich denke schon seit Wochen darüber nach, was mit dieser neu erschaffenen Liquidität passieren wird und ich komme immer wieder zu dem Schluss, dass das Geld bevorzugt in den Goldmarkt und in den Aktienmarkt wandern wird.

2009 nach der Finanzkrise waren die Anleihemärkte und Immobilien die bevorzugten Kaufobjekte. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Geschichte angesichts der hohen Immobilienpreise wiederholen wird. Auch Anleihen sind mit ihren mickrigen Zinsen nicht gerade sexy.

Das erste Mal seit über 15 Jahren halte ich mit Newmont Corp wieder eine Goldaktie im Depot. Ich berichtete darüber bereits vor zwei Wochen. Es handelt sich dabei um den weltweit größten Goldproduzenten. Die Aktie bewegt sich in einem schönen Aufwärtstrend und ich erkenne hier eine zutreffende Sachlogik hinter den Preisbewegungen, denn die Ausweitung der Zentralbank-Bilanzen im Jahr 2020 dürfte selbst die Interventionspolitik während der Finanzkrise deutlich in den Schatten stellen.

Warum ich Aktien für günstig halte

Die meisten Börsianer sind bärisch. Ich diskutiere meine bullische Sichtweise regelmäßig mit Kollegen und lenke die Diskussion dann meist auf Einzeltitel und frage mein Gegenüber dann, ob die Aktie eher teuer oder eher günstig ist.

Versicherungskonzern Travelers mit KGV von 9

Im Dow Jones notiert der große amerikanische Versicherungskonzern Travelers mit Jahresumsätzen von 31,58 Milliarden USD im letzten Jahr. Der Gewinn je Aktie betrug 9,92 USD und das KGV liegt bei 9. Gewiss, in diesem Jahr gibt es wegen COVID-19 einen Gewinneinbruch, aber schon 2021 erwarten Analysten im Konsens einen Gewinn je Aktie von 10,50 USD. Das KGV würde dann auf 8,5 absinken. Ist ein Dow Jones Wert und Versicherungsgigant mit einem KGV von 8,5 wirklich zu teuer bewertet? Ich denke eher nicht.

DAX-Aktie Bayer mit KGV von 7

Und auch wenn ich mir einzelne DAX-Aktien näher anschaue, dann erscheinen mir einzelne Titel eher zu günstig als zu teuer. Nehmen wir zum Beispiel den Bayer-Konzern mit der Ausrichtung auf die Bereiche Gesundheit und Agrarwirtschaft. Das Geschäft ist durch die Corona-Pandemie kaum negativ betroffen. Analysten erwarten im Konsens für nächstes Jahr einen Gewinn je Aktie in Höhe von 8,04 €. Das KGV würde dann bei 7 landen. Die Risiken aus Rechtsstreitigkeiten nach der Monsanto-Übernahme sind hier berücksichtigt.

Der Aktienmarkt scheint eine länger andauernde Konjunkturdelle bereits einzupreisen

Wenn ich mir also nun die zahlreichen Bewertungen anschaue, dann sieht es danach aus, dass der Aktienmarkt eine länger andauernde, wirtschaftliche Talfahrt bereits eingepreist hat.

Ich glaube nach wie vor daran, dass die Konjunkturerholung ab Juni sehr schnell stattfinden wird. Der Mai steht im Zeichen der langsamen Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Aktivität. Im Juni sollten sich dann die positiven Schlagzeilen häufen und das Schlimmste dürfte dann überstanden sein. Und darauf kommt es an der Börse an: Dass sich die Dinge zum Besseren wenden.

Die Regierungen weltweit haben sich in dieser Krise vorbildlich im Sinne einer keynesianischen Konjunkturpolitik verhalten. In Deutschland gibt es Kurzarbeit und sogar in den USA bekommen Arbeitslose dank der Notpakete der US-Regierung 600 USD je Woche vom Staat. Das heißt, dass die Konsumentenkaufkraft relativ stabil bleibt. Eine Art Startschuss, der das Konsumentenvertrauen wiederherstellt, kann die Wirtschaft schnell beflügeln. Und derzeit habe ich das Vertrauen in die Politik, dass sie einen solchen Startschuss im Juni oder Juli auslösen wird.

Viele Grüße
Simon Betschinger


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