Besser Traden mit System - Der Blog

  • Der Blog hilft Ihnen, immer auf dem aktuellsten Stand zu bleiben. In Wochenberichten und Kommentaren berichtet Simon Betschinger von aktuellen Geschehen an den Kapitalmärkten und lässt Sie auch an seinen persönlichen Einschätzungen teilhaben. Schauen Sie doch ab und zu mal vorbei, um immer up to date zu sein!


 

Liebe Leser,

im letzten Blog-Beitrag hatte ich 3 Gründe genannt, warum die Aktienmärkte trotz des Handelskonflikts zwischen USA und China durchstarten könnten. Die 3 Gründe waren:
 

  1. Zuliefererketten müssen außerhalb China neu aufgebaut werden. Das wird die Investitionsgüter-Nachfrage ankurbeln.
  2. Europa könnte der lachende Dritte sein, wenn sich USA und China weiter bekriegen.
  3. Für US-Firmen ist es angesichts der Zölle wohl günstiger, in Europa als in China einzukaufen.


Ich habe das Gefühl, dass Mr. Market letzte Woche wohl hier im Blog mitgelesen hat, denn relativ genau seit meinem Beitrag starten deutsche Industrieaktien zu fulminanten Erholungsbewegungen. Der Markt spielt jetzt offenbar das Szenario, dass die Investitionsgüter-Nachfrage wieder deutlich anziehen wird. Hier ist die Wochenperformance einiger Aktien aus dem deutschen Industriesektor: Jungheinrich (+13,6%), Krones (+12,6%), König + Bauer (+11,3%), Leoni (+10,8%), Traton (+10,70%) und ElringKlinger (+10%). Wahnsinn wie schnell sich das Blatt gewendet hat.

Diese startende Rallyebewegung wurde dann gestern noch einmal von der EZB verstärkt. Die EZB beschloss unter anderem, den Strafzins für Bankeinlagen von 0,4 Prozent auf 0,5 Prozent anzuheben und ab dem 1. November auch wieder die Anleihe-Kaufprogramme zu aktivieren mit einem Umfang von monatlich 20 Milliarden Euro. Diese EZB-Entscheidungen bedeuten übersetzt, dass es vermutlich bald auch für die Besitzer privater Girokonten zu Negativzinsen kommen wird. 

Die EZB ist nicht anderes als die Feuerwehr, die versucht den Flächenbrand zu verhindern

Es hagelte von allen Seiten heftige Kritik auf die EZB und insbesondere auf Mario Draghi ein. Die Kritik scheint mir aber genauso logisch zu sein, wie wenn ich die anrückende Feuerwehr für einen Brand verantwortlich mache, den sie eigentlich nur löschen will.

Welche Wahl hat die EZB denn? Die Zentralbank wird mit folgender Situation konfrontiert:
 

  1. Die großen europäischen Länder fahren in ihrer Fiskalpolitik komplett andere Strategien. Deutschland setzt auf Schuldenabbau und Frankreich und Italien geben weiterhin munter Geld aus.
  2. In Italien droht mit einer Verschuldung von 132,2% zum BIP der Schuldenkollaps. Ohne die Intervention der EZB würden die italienischen Anleihemärkte einbrechen.
  3. Europas Konzerne können gegen US-Konzerne kaum noch konkurrieren. US-Firmen werden von niedrigen Steuersätzen und geringer Regulierung beflügelt. Mit einem niedrigen EUR-/USD-Wechselkurs, den die Zinspolitik bedingt, kann die EZB hier noch ein wenig gegensteuern.


Die EZB weiß, dass Inflation notwendig ist, damit Staaten wie Italien oder Frankreich von ihren hohen Staatsschulden herunterkommen. Die Inflationierung der Schulden ist für eine Zentralbank eigentlich eine einfache Aufgabe. Sie kann mit Hilfe eines niedrigen Leitzinssatzes und mit Käufen von Staatsanleihen den Zinssatz von Staatsanleihen absenken. Wenn dann Inflation entsteht, wird der Schuldenstand im Verhältnis zum BIP entwertet.

Es gibt eine sehr eindrucksvolle historische Referenzsituation für eine solche Strategie. Nach dem 2. Weltkrieg war die USA im Jahr 1946 mit über 120% zum BIP verschuldet. 1970 betrug die Verschuldung weniger als 50% zum BIP. Mit Hilfe der hohen Inflationsraten gelang es den Amerikanern vom hohen Schuldenstand herunterzukommen.

Fazit: Wenn ich EZB-Chef wäre, würde ich sogar noch offensiver vorgehen, um die Inflation anzukurbeln und von 1% auf 2% zu bringen. Ich würde die Anleihekäufe stärker forcieren. Wenn es keinen sicheren Zinssatz mehr gibt, müssen die reichen Menschen Europas ihr Geld in reale Wirtschaftsprojekte investieren. Das würde dann irgendwann zu Inflationsdruck führen.

Viele Grüße
Simon Betschinger


     Verpassen Sie mit unserem WhatsApp-Service keine Trading-Chance mehr!

Liebe Leser,

die Leichtigkeit des Aktienmarktes auf dem Weg nach oben ist schön anzusehen. Nachdem es Mitte August noch so aussah, dass die Eskalation im Handelskrieg den Markt wieder unter Druck bringt, haben nun die Bullen wieder die Oberhand gewonnen. All meine Depotwerte im realen 100.000 € Trendfolge-Depot sind im Plus, während ich diese Zeilen schreibe. Aber die Nachrichtenlage ist alles andere als rosig. Die deutsche Industrie befindet sich in einer Rezession. Seit 7 Monaten sinken die Bestellungen. Im Juli verzeichnete der Industriesektor saison- und kalenderbereinigt 2,7 Prozent weniger Bestellungen als noch ein Jahr zuvor und sogar 5,6 Prozent weniger Orders als im Vormonat. Die Rezession wütet. Es ist heftig.

Wenn der Aktienmarkt trotz dieser schlechten Nachrichten steigt, dann wohl, weil die Börsianer große Zuversicht haben, dass die Wirtschaft bald wieder anziehen wird und dass in einem halben Jahr die Datenlage wesentlich besser aussieht. Ich habe mich gefragt, woher diese Zuversicht kommt. Hier sind 3 Gründe für einen weiter steigenden Aktienmarkt trotz des Handelskrieges.
 

  1. Zuliefererketten müssen außerhalb China neu aufgebaut werden. Das wird die Investitionsgüternachfrage ankurbeln.
    Die Strategie der US-Administration im Handelskrieg mit China ist es, US-Konzerne dazu zu bewegen, neue Zuliefererketten außerhalb Chinas aufzubauen. Länder wie Thailand, Indien, Vietnam profitieren. Sie müssen in neue Produktionskapazitäten investieren. Davon wird weltweit die Investitionsgüterindustrie profitieren.
  2. Europa könnte der lachende Dritte sein, wenn sich China und USA weiter bekriegen. In jedem größeren Unternehmen in China sitzen Mitglieder der kommunistischen Partei in einer Art Aufsichtsrat und entscheiden bei wichtigen Fragen mit bzw. können ein Veto einlegen. Chinesische Firmen werden sich bei der Auftragsvergabe wohl eher für europäische Firmen anstatt für US-Firmen entscheiden. Die Handelsströme zwischen China und USA dürften zulegen.
  3. Für US-Firmen ist es angesichts der Zölle wohl günstiger, in Europa einzukaufen.
    Ein 35%iger Strafzoll für Lieferungen aus China in die USA kann sich dauerhaft nicht rechnen. US-Konzerne werden in Zukunft diverse Vorprodukte eher auch aus Europa beziehen, statt bei Geschäften mit chinesischen Firmen die hohen Strafzölle zu bezahlen. Europäische Firmen würden einen erhöhten Auftragseingang verzeichnen.


Fazit: Kurse machen Nachrichten. Aber immerhin hilft es dabei, große Bewegungen nicht zu verpassen, wenn man sie zumindest für plausibel hält. Die obige Argumentation sagt mir, dass ich bullischen Bewegungen durchaus folgen muss. Für unser reales 100.000 € Trendfolge-Depot haben solche fundamentalen Überlegungen allerdings keine Bedeutung. Hier entscheidet erstens die Marktampel darüber, ob neue Aktien gekauft werden, und zweitens das Regelwerk darüber, welche Aktien im Depot landen!

Was gibt es Neues in den Trendstabilitäts-Ranglisten?

Beiersdorf kaufte weitere Marken zu!

Aufgefallen ist mir beim Screening die Aktie von Beiersdorf, die sich derzeit auf Rang 5 der Trendstabilitäts-Rangliste im DAX 30 befindet. Der Traditionskonzern ist mit starken Marken wie Eucerin, Nivea oder Hansaplast einer der bekanntesten deutschen Anbieter im Bereich Personal Care und Kosmetikprodukten und baut sein Portfolio durch neue Produkte und geschickte Zukäufe konsequent aus. Mit der Übernahme der zu Bayer gehörenden Sonnenschutz-Marke Coppertone für rund 560 Mio. USD hatte sich Beiersdorf Mitte Mai im wichtigen US-Markt verstärkt und sich damit eine gute Ausgangsbasis im weltweit größten Absatzmarkt für Sonnenschutzmittel gesichert. Gut ins Konzept passt auch der Ausbau der Premium-Kosmetikmarke La Prairie, die dank neuer hochpreisiger Anti-Aging-, Pflege- und Make-Up-Produkte vor allem in Emerging Markets wie China mit einem satten organischen Umsatzplus von 26,8% zur starken Ergebnisentwicklung im ersten Halbjahr beigetragen hatte. Auch das zweite Kerngeschäftsfeld von Beiersdorf, die Klebstoffsparte Tesa, lieferte in der ersten Jahreshälfte ein solides Umsatz- und Ergebnispuls ab. Entsprechend optimistisch zeigte sich Beiersdorf beim Ausblick für das Gesamtjahr und peilt weiterhin ein organisches Umsatzplus von 3 bis 5% bei einer operativen Marge von 14,5% an. Hier sehen die Experten von JPMorgan Spielraum nach oben. In einer kürzlich veröffentlichten Analyse rechnen die Experten mit einer Beschleunigung des Umsatzwachstums in der Consumer-Sparte von Beiersdorf und halten eine Anhebung der Margenprognose für möglich. Beiersdorf wurde in diesem Zusammenhang auf die " "European Best Equity Overweight List" von JPMorgan gesetzt, wobei das Kursziel von 118 Euro mit der Einstufung "Overweight" bestätigt wurde.

VINCI verdient als Betreiber von 46 Flughäfen kräftig mit

Beim Screening der Trendstabilitäts-Ranglisten ist mir auch die Aktie von Vinci aufgefallen, die sich aktuell auf Rang 11 der Gesamtauswahl befindet. Der französische Mischkonzern profitiert als einer der führenden Anbieter bei der Umsetzung von Hoch- und Tiefbauprojekten von hohen Infrastrukturinvestitionen der öffentlichen Hand in die Modernisierung und den Neubau von Straßen oder Brücken. Als eigentlicher Ergebnistreiber erweist sich das Konzessionsgeschäft vor allem bei Flughäfen. Aktuell ist Vinci an 46 Flughäfen in Europa, Nord-, Süd- und Lateinamerika sowie in Asien beteiligt. Mit der im Mai erfolgten Mehrheitsübernahme am britischen Flughafen Gatwick konnte man sich in diesem Segment zuletzt bedeutend verstärken. Damit ist Vinci gut positioniert, um vom internationalen Touristik-Boom und weiter anziehenden Passagierzahlen profitieren zu können. Zuletzt trug das Flughafen-Segment mit einer Erlössteigerung von 12% maßgeblich zur besser als erwarteten Entwicklung im ersten Halbjahr bei. Angesichts der starken Wachstumsaussichten in den Kerngeschäftsfeldern haben die Analysten von JPMorgan zuletzt die Einstufung mit "Overweight" bestätigt und das Kursziel von 106 auf 114 Euro angehoben.

Viele Grüße
Simon Betschinger


     Verpassen Sie mit unserem WhatsApp-Service keine Trading-Chance mehr!

Liebe Leser,

es ist ein merkwürdiges Marktumfeld. Entlang einer Sorgenmauer zittern sich die Kurse nach oben. Die ersten Bullenaktien beenden ihre Korrekturbewegungen und erzielen neue Hochs. Neu ist, dass es nun auch verstärkt zu Anschlussgewinnen kommt. Aber die Gewinne sind hart erkauft. Man braucht Nerven aus Stahl.

Als ich letzte Woche die Turbo-Long-Position auf Puma (WKN DF1LAH) und die Turbo-Long-Position auf Dialog (WKN DF1245) eröffnete, ging es erstmal steil bergab. Ich hätte meinen Kopf am liebsten in den Sand gesteckt und das Depot nicht weiterverfolgt, wenn ich ehrlich bin. Aber als Trader muss man halt auch solche Anblicke ertragen können, wenn das Timing nicht ganz optimal war.

Heute sieht die Welt schon wieder besser aus. Die gehebelte Puma-Position ist 9 % im Gewinn und die gehebelte Dialog-Position ist nur noch -3 % hinten. Ich bin nun recht zuversichtlich, denn der Markt insgesamt zeigt heute Stärke über alle Branchen und Sektoren hinweg. Sogar die hart gebeutelten Industrie- und Autoaktien können in der Breite zulegen.

Das sind die derzeit 10 trendstabilsten Aktien!
> Hier finden Sie die Trendstabilitäts-Ranglisten, täglich aktualisiert

Enel: Wachstumsaktie mit Dividendenrendite 4,9 %

Kaum jemand hat mitbekommen, dass einzelne europäische Energieversorger mittlerweile wieder sexy geworden sind. Nach Jahren der Flaute gelingt es den großen Konzernen nun, in den stark fragmentierten Märkten für erneuerbare Energie wieder Marktanteile gut zu machen. Der Trend zu den eigenen Solarzellen auf dem Hausdach hat an Schwung verloren und die Großkraftwerke der Energiekonzerne gewinnen an Bedeutung. In einer Kaufstudie rechnet Goldman Sachs damit, dass Enel bis 2050 den Gewinn je Aktie jährlich um 7 % wird steigern können. Die für 2019 erwartete Dividendenrendite beträgt 4,9 %. Aus meiner Sicht ist das eine sehr schöne Kombination von Wachstum und Value. Die Aktie befindet sich in meinem realen 100.000 € Trendfolge-Depot. Nicht wegen meiner Meinung, sondern weil die Aktie die führende trendstabile Aktie in Europa ist und damit laut Regelwerk natürlich ins Depot muss.

Dialog: Profitiert der Apple-Zulieferer etwa vom Handelskonflikt?

Ich bin froh, dass Dialog gemäß dem Trendfolge-Regelwerk nun ebenfalls wieder im Depot gelandet ist und ich in dem Wert investiert bin. Auffällig ist, dass die Aktie seit dem Ausbruch des Handelskonflikts steil ansteigt. Sie geht von Hoch zu Hoch und scheint komplett immun gegen die politischen Störfeuer zu sein. Ich möchte folgende Überlegung in den Raum stellen. Amerikanische Firmen wurden von US-Präsident Trump dazu aufgefordert, Produktions- und Lieferketten außerhalb Chinas aufzubauen. Dialog Semiconductor gehört seit Jahren zu den Stammlieferanten von Apple. Die Beziehungen der beiden Firmen gelten als exzellent. Wenn Apple die Wertschöpfungsstufen außerhalb von China erhöhen will, bietet es sich doch an, mit den bestehenden Zulieferern aus Amerika und China zusammenarbeiten, spekuliere ich. Davon könnte auch Dialog profitieren, wenn mein Gedanke richtig ist.

Viele Grüße
Simon Betschinger


     Verpassen Sie mit unserem WhatsApp-Service keine Trading-Chance mehr!

Liebe Trendfolge-Trader,

über 4 Jahre dauert nun schon die laufende Seitwärtsphase im DAX. Wer es nicht glauben möchte, der schaue bitte auf einen Chart. Es ist wahr: Bereits Anfang 2015 notierte der DAX bei über 12.000 Punkten. Nun steht der deutsche Leitindex mit 11.600 Punkten deutlich darunter. Es spricht für unsere Trendfolge-Regelwerk, dass es sich in dieser langen Seitwärtsphase nicht schon selbst gegen die Wand gefahren hat, denn trendlose Seitwärtsphasen sind eigentlich der Alptraum jedes Trendfolge-Ansatzes. Wenn die Märkte deutlich fielen, würde uns die Marktampel schützen. Wenn die Märkte dann nach einer gesunden Bereinigung wieder durchstarteten, wäre der optimale Zeitpunkt gekommen, um auf trendstabile Aktien zu setzen. Aber unterm Strich ist in 4 Jahren fast gar nichts passiert. Für die gesamte Volkswirtschaft gesprochen könnte man höchstens konstatieren, dass Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit in den wichtigsten Branchen mit wunderbarer Gelassenheit verspielt. Leider.

Im letzten Beitrag habe ich darüber philosophiert, wie der niedrige Zinssatz zu interpretieren ist: Wir haben einfach keine Ideen für neue Innovationen mehr, lautete die Schlussfolgerung. Mit „wir“ sind nicht nur die deutschen Firmen gemeint, sondern auch der deutsche Staat, der seit 2010 mit einer eisernen Sparpolitik die Staatsverschuldung von 81 % des BIP auf aktuell etwa 62 % reduzierte. Das bedeutet natürlich, dass die Nachfrage des Staates nach Geld sehr niedrig ist und ohne Nachfrage nach Geld entsteht ebenfalls nur schwer ein positiver Zinssatz. Also eigentlich muss sich niemand wundern, dass es keine risikolosen Zinsen mehr gibt. Selbst bei Infrastruktur-Projekten wie dem Aufbau eines 5G-Netzes langt der Staat den Telekomanbietern noch mit hohen Lizenzgebühren in die Tasche. Dass Firmen wie United Internet dieses Geld nun für den Aufbau eines Netzes fehlt, spricht nicht dafür, dass die Datenübertragung den Mobilfunknetzen perspektivisch besser funktionieren wird als heute. 

Als Ökonom wache in diesen Tagen mit Bauchweh auf und gehe mit Kopfweh ins Bett und das alles nur, weil ich das aktuelle Zeitgeschehen in der Zeitung verfolge. Die niedrigen Zinsen möchten die ersten Politiker mit einem Verbot von Nullzinsen bekämpfen. Mögen die Urheber dieses Vorschlags doch bitte beispielhaft vorangehen, denke ich, und ihre eigenen Hauskredite bei der Bank mit dem höchsten Kreditzinssatz abschließen, damit diese Bank anschließend genügend Marge hat, um positive Guthabenzinsen zu bezahlen. Die Idee des Nullzinsverbotes ist fast so gut wie der in Berlin vorgestellt Masterplan, die Wohnungsnot und die hohen Mietpreise zu bekämpfen. Nein, wir bauen nicht etwas mehr Wohnungen durch schnelle und unkomplizierte Bauverfahren und unter Aufhebung der Höhenbeschränkungen beim Bauen. Der Plan ist wirklich, die Mietpreise so sehr zu deckeln, dass jedem Bauherrn und jedem Vermieter sofort die Lust am Wohnungsbau in Berlin vergeht.

Um den Kreis zu schließen: Irgendwie ist die DAX-Entwicklung nichts anderes als ein Spiegelbild von all den Dingen, die aus wirtschaftlicher Sicht in diesem Land gerade falsch laufen.

 

Was gibt es Neues in den Trendstabilitäts-Ranglisten? Enel: 5,1 % Dividendenrendite und bestens positioniert bei regenerativen Energien

Aufgefallen ist mir beim Screening der Trendstabilitäts-Rangliste mein Realgeld-Depotwert Enel, der sich mittlerweile auf Rang 1 der Gesamtauswahl vorgeschoben hat. Der italienische Energieversorger überzeugte Anfang August mit einem starken Halbjahresergebnis wobei man die Konsenserwartungen beim operativen Gewinn mit einem deutlichen Plus von 13,4% leicht übertreffen konnte. Neben höheren Stromabsatzpreisen vor allem in Brasilien und Südamerika überzeugte man vor allem im Bereich regenerativer Energien mit einem starken Ergebniszuwachs. Da Energie aus Wind-, Solar- und Wasserkraft deutlich höhere Margen abwirft, als konventionell erzeugter Strom aus Kohle- oder Atomenergie, investiert Enel massiv in den Ausbau seiner regenerativen Energiekapazitäten. In den kommenden Jahren will die Ökostromtochter von Enel weitere Projekte mit einer Gesamtkapazität von 7 Gigawatt fertigstellen. Nach erfolgter Inbetriebnahme der im Bau befindlichen Wind- und Solarenergieparks erwartet man einen Ergebnisbeitrag in Höhe von rund 1 Mrd. Euro pro Jahr beim operativen Ergebnis. Da Enel bei der Umsetzung seiner Kostensenkungsmaßnahmen gut vorankommt sieht sich der Energie- und Erdgasversorger auf Kurs, sein profitables Wachstum auch in den kommenden Jahren fortsetzen zu können. Davon werden auch die Aktionäre profitieren. Laut Konsens wird Enel die Dividende in 2019 auf 0,33 Euro je Aktie anheben, womit Enel eine auch im Branchenvergleich stattliche Dividendenrendite von knapp 5,1% aufweist. Die Experten der UBS haben kürzlich das Kursziel für Enel von 6,10 auf 6,80 Euro angehoben und die Einstufung mit "Buy" bestätigt.

Viele Grüße
Simon Betschinger


     Verpassen Sie mit unserem WhatsApp-Service keine Trading-Chance mehr!

Liebe Leser,

an der Börse ist selbst das möglich, was alle Experten für unmöglich halten. Als der Bund-Future im Zeitraum von 2014 bis 2016 haussierte und ein Zinsniveau von annähernd 0 % signalisierte, wurde der Bund-Future in vielen Trader-Foren als sicherer Short bezeichnet. Denn negativ kann ja die Verzinsung einer Staatsanleihe nicht werden, lautete die einhellige Meinung. Pustekuchen, genau das ist jetzt passiert. Am Mittwoch konnte Deutschland eine 30-jährige Staatsanleihe mit einer Verzinsung von -0,11 % platzieren. Und auch der Bund-Future läuft von Allzeithoch zu Allzeithoch. Das noch vor wenigen Jahren Undenkbare ist passiert! Der Staat leiht Geld und muss am Ende der Laufzeit weniger Geld zurückzahlen.

Wenn der deutsche Finanzminister mit ein wenig mehr schwarzem Galgenhumor ausgestattet wäre, würde er neues Geld mit Negativzinsen aufnehmen und sofort in zinsbringende italienische Staatsanleihen investieren. Denn dass Italien von der EZB und den anderen Euro-Staaten fallen gelassen wird, ist eher unwahrscheinlich.

Zinsen entstehen durch Innovationen

Was bedeutet es eigentlich, wenn der Zins so niedrig steht? Die manipulative Einwirkung der EZB ist natürlich ein Grund, aber nicht der ausschlaggebende Grund. Denn auch an den Märkten für Unternehmensanleihen entstehen kaum positive Realzinsen, was darauf hindeutet, dass schlichtweg die Nachfrage nach Geld niedrig ist. Es fehlen die Ideen für Investitionsprojekte.

Joseph Schumpeter gab mit seiner Konjunkturtheorie eine klare Antwort auf die Frage wie Zins entsteht. In einer Volkswirtschaft entsteht eine positive Realverzinsung dann, wenn es genügend Innovationen gibt, die von Unternehmen verwirklicht werden. Der Zins entsteht in Prosperitätsphasen gleichauf mit den Produktivitätsverbesserungen des gesamtwirtschaftlichen Produktionsapparates und tendiert in rezessiven Phasen wieder zu verschwinden, wenn die Innovationstätigkeit zum Erlahmen kommt und alte Strukturen aus dem Wirtschaftssystem verschwinden. Unternehmen sind nur dann bereit einen positiven Zins zu zahlen, wenn der aufgenommen Kredit so investiert werden kann, dass sich in Zukunft ein höherer Betrag als die ursprüngliche Investitionssumme verdienen lässt.

Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das niedrige Zinsniveau auch: Deutsche Unternehmen haben in der Summe keine weitreichenden Innovationen entwickelt, in die es sich zu investieren lohnt. Es fehlt an Ideen, es fehlt an aussichtsreichen Zukunftsprojekten.

Cancom ist eine trendstabile Aktie in Deutschland!

Auf Rang 4 der Trendstabilität-Rangliste im TecDAX befindet sich die Aktie von Cancom. Das IT-Systemhaus hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der führenden Anbieter von Hardware und Managed Service-Lösungen für kleine und mittelständische Unternehmenskunden gemausert. Besonders gefragt sind die Private Cloud-Lösungen von Cancom, die Unternehmen ein Höchstmaß an Sicherheit für sensible Unternehmensdaten bieten. Kombiniert mit der passenden Software und umfangreichen Service-Leistungen und Hosting-Applikationen bietet Cancom seinen Kunden gegen entsprechenden Aufpreis individuell konfigurierbare Cloud-Lösungen für jeden Bedarf. Die Cloud-Sparte von Cancom trug mit einem Umsatzplus von knapp 25% und einem neuen Spitzenwert von 25,9% bei der bereinigten operativen Marge maßgeblich zum starken Halbjahresergebnis bei. Entsprechend optimistisch zeigte sich das Konzern-Management von Cancom für das laufende Fiskaljahr. So geht man bei Umsatz und Ergebnis von einem „sehr deutlichen Anstieg“ für 2019 aus nachdem man hier zuvor einen deutlichen Anstieg prognostiziert hatte. Auch von Analystenseite zeigt man sich weiter optimistisch für Cancom, wobei HSBC zuletzt das Kursziel von 51 auf 55 Euro erhöht und die Einstufung mit „Buy“ bestätigt hatte.

Viele Grüße
Simon Betschinger


     Verpassen Sie mit unserem WhatsApp-Service keine Trading-Chance mehr!