Besser Traden mit System - Der Blog

  • Der Blog hilft Ihnen, immer auf dem aktuellsten Stand zu bleiben. In Wochenberichten und Kommentaren berichtet Simon Betschinger von aktuellen Geschehen an den Kapitalmärkten und lässt Sie auch an seinen persönlichen Einschätzungen teilhaben. Schauen Sie doch ab und zu mal vorbei, um immer up to date zu sein!


 

Liebe Leser,

in meinen ersten Jahren als Börsianer ab 1998 gab es an den jungen Technologiebörsen das Herbst-Crash-Phänomen, das damals vor allem auch nach der Asienkrise  in aller Munde war. Es bezog sich auf den alten Zyklus, im Mai die Börse zu verlassen und dann im Herbst wieder einzusteigen, optimalerweise nach einem schönen Oktobercrash. Mein persönlicher Eindruck der Marktentwicklung in Deutschland und Europa ist, dass es in diesem Jahr wieder auf diesen Zyklus hinauslaufen könnte mit einem Kurstief im Oktober und einer anschließenden Jahresendrallye.

Gestern habe ich mir mal die Zeit genommen, fast alle Aktien-Charts am deutschen Markt  durchzuklicken. Es ist wirklich beachtlich, wie stark einige Titel, vor allem Zykliker, in den letzten Wochen bereits abverkauft wurden. Ich war zuletzt als Trader sehr stark am US-Markt aktiv und habe den deutschen Aktienmarkt weitgehend sich selbst überlassen. Und das war gut so, denn wir sehen bei Aktien aus der zweiten Reihe crashartige Zustände, gemessen an den Verlusten vom Jahreshoch. Osram hat -54% verloren, Ceconomy wurde um -50% abgestraft, Leoni geriet um -47% unter Druck und Dürr und Wacker Chemie liegen -37% unter ihren Hochs. 

Beim Betrachten dieser Verluste bin ich wieder einmal froh, dass wir bei diesem Depot-Event nur auf trendstabile Aktien setzen, und auch nur dann, wenn das Marktumfeld freundlich ist (Marktampel zeigt grünes Licht). Dadurch blieben mir in den letzten Monaten nicht nur heftige Verluste erspart, sondern ich konnte sogar den Markt deutlich schlagen.

Nachdem die Korrekturen am deutschen Markt teilweise schon sehr weit fortgeschritten sind, spricht vieles dafür, dass die Tiefs bald gefunden sein könnten und der Markt dann ab Oktober wieder zu einer Jahresendrallye ansetzt. Im realen 100.000 € Trendfolge-Depot werden dann wieder Positionen aufgebaut, sobald die wichtigen Indizes ihre 200er Gleitenden Durchschnitte überwunden haben.

Beim Screening der Trendstabilitäts-Ranglisten ist mir heute Rocket Internet aufgefallen, die aktuell auf Rang 5 der Gesamtauswahl rangiert. Die Internet-Beteiligungsgesellschaft hat einen beeindruckenden Track-Record bei IPOs vorzuweisen und konnte in den vergangenen Monaten mit Delivery Hero, HelloFresh und dem Online-Möbelhändler Home24 gleich drei überaus erfolgreiche Neuemissionen platzieren. Mit dem Online-Möbelhändler Westwing steht nun der nächste IPO-Kandidat in den Startlöchern, Westwing bietet über seinen eCommerce-Shop Möbel, Accessoires und Textilien bekannter Designer aber auch Eigenmarken in elf europäischen Ländern an und generierte im abgelaufenen Fiskaljahr Umsatzerlöse von knapp 266 Mio. Euro. Der Zeitpunkt für das IPO ist gut gewählt, da Online-Möbelhändler wie Wayfair oder Williams Sonoma in den USA zu den Top-Performern gehören. Da der Online-Möbelhandel laut einer Analyse von Statista bis 2022 mit jährlichen Zuwachsraten von knapp 12% zu den attraktivsten eCommerce-Segmenten gehört, ist ein erfolgreicher Börsengang sehr wahrscheinlich. Für Großaktionär Rocket Internet mit seiner 32%igen Beteiligung an Westwing wäre dies ein weiterer schöner Erfolg.

Bei der Durchsicht der Trendstabilitäts-Ranglisten können auch weiterhin die Ölaktien überzeugen. Ein Blick auf die Entwicklung der Ölpreisnotierungen zeigt, warum das so ist. Brent Crude Oil befindet sich seit knapp zwei Jahren in einem intakten Aufwärtstrend und steht unmittelbar vor dem Ausbruch auf ein neues Jahreshoch. Gute Aussichten also für Schwergewichte wie den italienischen Ölmulti ENI, der sich mittlerweile auf Rang 3 der Trendstabilitäts-Rangliste im EURO STOXX 50 vorgearbeitet hat. Im 2. Quartal gelang dem italienischen Mineralölkonzern ein unerwartet deutlicher Anstieg beim bereinigten Nettogewinn von 66% auf 767 Mio. Euro. Der positive Ergebnistrend sollte sich dank des Ölpreisanstiegs und der jüngsten Zukäufe in Afrika bei ENI weiter fortsetzen, zumal man die Prognose bei der Ölproduktion für das laufende Fiskaljahr von 3,5 auf 4% angehoben hat. Dies sollte auch den Aktionären zugutekommen, da die starke Ergebnisentwicklung Spielraum für weitere Dividendenerhöhungen bietet. Mit einer Dividendenrendite von aktuell 5% gehört ENI ohnehin zu den attraktivsten Werten im Ölsektor. Die Experten der HSBC sehen hier weiteres Aufwärtspotential und haben das Kursziel kürzlich von 19,00 auf 19,40 Euro angehoben und ihr Buy-Rating bestätigt.

Viele Grüße
Simon Betschinger


     Systematisch investieren mit unseren Themenwelten

Liebe Leser,

die wichtigen, chinesischen Indizes CSI-300 und Hang Seng befinden sich nun offiziell in einem Bärenmarkt. Seit den Hochs haben die beiden Indizes mehr als 20 Prozent verloren. So wie in China ergeht es den meisten Indizes in anderen Weltregionen. Auch in Europa und in Deutschland hat sich ein Verhalten etabliert, das dem eines Bärenmarktes ähnelt. Ich habe vorhin einmal die Anzahl neuer Hochs mit der Anzahl neuer Tiefs vergleichen, die im breiten deutschen Aktienmarkt in den letzten 10 Tagen erzeugt wurden. In den letzten 10 Handelstagen gab es 43 neue Jahreshochs und 120 neue Jahrestiefs. Der leichtere Weg für die Aktienpreise zeigt gerade offensichtlich direkt nach unten.

Aus diesen weltweit vorherrschenden Bärenmärkten sticht der amerikanische Aktienmarkt positiv hervor. Amerikanische Aktien haussieren. Und es ist nicht nur das Technologie-Segment, das die Kurse treibt. Unter den 2000 größten amerikanischen Aktien befinden sich über 600 Titel, die in von ihrem 52-Wochenhoch nicht weiter als 5% entfernt sind. Tja, was soll ich dazu sagen. Der Handelskrieg scheint der US-Wirtschaft zu helfen. Vermutlich ist die Interpretation von Trump richtig, dass die Amerikaner in den letzten beiden Jahrzehnten vor allem im Handel mit China eingezahlt haben. Allein 2017 betrug das Handelsbilanzdefizit zwischen den USA und China 566 Milliarden US-Dollar. Warum? Unter anderem weil China die eigene Währung gezielt nach unten manipulierte und amerikanischen Firmen den Markteintritt verwehrte. Es macht also für die Amerikaner durchaus Sinn weiterhin an einer Verkleinerung der Handelsungleichgewichte zu arbeiten. Die Wall Street belohnt es und zeigt uns, dass diese Strategie die richtige ist.

Aufgefallen ist mir beim Screening der Trendstabilitäts-Ranglisten die Aktie von Fresenius Medical Care, die sich im DAX 30 auf Rang 6 vorarbeiten konnte. Ein Grund für mich, die Aktie näher unter die Lupe zu nehmen. FMC ist einer der weltweit führenden Anbieter von Dialysebehandlungen und hat sich in den vergangenen Jahren dank strategisch kluger Zukäufe vor allem in den USA und Europa eine dominierende Stellung aufgebaut. Gut ins Bild passt die Übernahme von NxStage, mit der Fresenius Medical Care nach Abschluss der Übernahme m zweiten Halbjahr 2018 zum Weltmarktführer bei Heimdialysebehandlungen aufsteigen wird.

Heimdialyse ist für die betroffenen Patienten wesentlich komfortabler, als Dialysebehandlungen in stationären Zentren, ist aber auch mit höheren Kosten verbunden, da NxStage als erster Anbieter weltweit auch die Zulassung für Dialysebehandlungen, die nachts durchgeführt werden, erhalten hat, eröffnen sich für FMC vielversprechende Perspektiven in diesem margenstarken Segment. Weil die Zahl der Patienten, die eine Dialysebehandlung benötigen, weltweit immer weiter zunimmt, gehen die Experten von Market Research Engine bis 2024 von einem durchschnittlichen Wachstum des weltweiten Dialysemarktes um jährlich 6% aus. Davon sollte FMC als einer der Marktführer mit seinen mehr als 3.900 Dialysezentren stark profitieren. Die Experten von Morgan Stanley sehen bei FMC weiteres Aufwärtspotential und haben kürzlich die Einstufung mit "Overweight" und einem Kursziel von 97,90 Euro bestätigt.

Viele Grüße
Simon Betschinger


    Systematisch investieren mit unseren Themenwelten

Liebe Trendfolge-Trader,

als ich im Juli 2017 das Depot bei meiner Volksbank mit 100.000 € kapitalisierte, um das Geld nach unserem Regelwerk in trendstabile Aktien zu investieren, ahnte ich natürlich noch nicht, dass eine nervige Seitwärtsphase vor uns stehen würde. Seit mehr als einem Jahr läuft der DAX nun seitwärts. Starke Trends, die ganzen Branchen und Märkte beflügeln, sucht man in ganz Europa vergebens. Seit dem Depotstart verlor der DAX um mehr als -3 %. Die Performance meiner Depotwerte lag seitdem immerhin bei +5 %. Also zum Jammern besteht kein Grund.

Viele Trendfolge-Konzepte scheitern daran, dass sie in Seitwärtsphasen zu viel Geld in den Markt einbezahlen. Das wird bei unserem Trendfolge-Modell durch die Marktampel derzeit recht zuverlässig verhindert. Wenn die Marktampel auf rot steht, kann ich keine neuen Depotwerte aufnehmen. Bestehende Depotwerte werden verkauft, wenn sie Trendstabilität verlieren und in den Trendstabilitäts-Ranglisten unter Ranglistenplatz 3 abrutschen. Dieses einfache Risikomanagement-Konzept hat mein Depot in den letzten Monaten vor stärkeren Verlusten bewahrt.

Der Markt insgesamt kann weiterhin keinerlei bullische Ambitionen entwickeln. Und so steht auch der heutige Umschichtungstermin im Depot wieder unter dem Vorzeichen der Passivität. Heute Abend nach Börsenschluss werde ich überprüfen, ob es in meinem Depot zu Umschichtungen kommt. Aber derzeit stehen die Marktampeln von allen 3 relevanten Indizes DAX, MDAX und EuroStoxx50 auf rot. Das bedeutet, dass keine Positionen neu aufgenommen werden können.

Ich schreibe daher erneut über meine bestehenden Depotwerte. Hier gibt es Neuigkeiten.

Mein Realgeld-Depotwert Deutsche Börse AG (+5,87%) hat sich mittlerweile auf Rang 1 im DAX30 vorgearbeitet. Ich bin über einen Mini-Future (WKN DGQ7TE) long.  Was die Deutsche Börse interessant macht, ist die konsequent umgesetzte Strategie des neuen Vorstandschefs Theodor Weimer. Dabei liegt der Fokus neben mehr Effizienz und einem konsequent umgesetzten Sparkurs vor allem auf der Erschließung neuer Wachstumsfelder. In diesem Zusammenhang wurde kürzlich eine neue Kooperation mit dem Anbieter HQLAx geschlossen. Gemeinsam wollen beide Anbieter eine Blockchain-basierte Lösung für den Nachhandelsbereich entwickeln. Diese soll einen standardisierten Wertpapier-Leihemarkt schaffen. Für die Erschließung neuer margenträchtiger Segmente will CEO Weimer notfalls auch tief in die Tasche greifen, wenn sich eine passende Möglichkeit bietet. Laut einem kürzlich veröffentlichten Interview erklärte Weimer, dass man aus eigener Kraft Zukäufe im Gesamtwert von 1 Mrd. Euro stemmen könne. Einer Megafusion der Deutschen Börse mit einem anderen Internationalen Börsenbetreiber erteilte Weimer jedoch erneut eine Absage. Bei der Analystengemeinde kommt die langfristig ausgerichtete Strategie gut an, wobei unter anderem die UBS ihr Kursziel zuletzt mit 135 Euro und der Einstufung "Buy" bestätigt hatte.

Stark präsentiert sich weiterhin die Aktie von MTU Aero Engines, die mittlerweile auf Rang 2 der Gesamtauswahl der Trendstabilitätsrangliste zu finden ist. Ich bin über ein Discount-Zertifikat (WKN DDE905) long.  Der Triebwerksspezialist sieht sich nach Aussage des Finanzchef Peter Kameritsch gut aufgestellt, um vom weltweiten Passagierwachstum in den kommenden Jahren überdurchschnittlich stark profitieren zu können. Große Hoffnungen setzt MTU dabei auf die neu entwickelte Triebwerksfamilie Geared Turbofan (GTF), die unter anderem bei der spritsparenden Version des Airbus-Verkaufsschlagers A320NEO zum Einsatz kommt. Nach Abschluss der Investitionsphase für die neue Getriebefan-Generation sieht MTU Aero Engines Spielraum für höhere Dividendenerhöhungen. Demnach soll die Ausschüttungsquote in den kommenden drei Jahren von derzeit rund 30% des bereinigten Nettoergebnisses in Richtung 40% angehoben werden. Auch Analysten sind weiterhin optimistisch, was die Aussichten des Triebwerksherstellers angeht, wobei die Commerzbank kürzlich das Kursziel mit 198 Euro und der Einstufung "Buy" bestätigt hatte.


Viele Grüße
Simon Betschinger


     Systematisch investieren mit unseren Themenwelten

Liebe Trendfolge-Trader,

ich komme nicht darum herum, auch heute wieder die eklatante Schwäche des deutschen Aktienmarktes zu thematisieren. Für mein Depot ist die Marktschwäche derzeit kein großes Problem, denn die Marktampeln für den DAX und für den EuroStoxx50 stehen seit Wochen auf Rot. Mein Cashbestand beträgt damit fast 80 %. Fast täglich baut mein Depot seine Outperformance gegenüber dem DAX aus. Damit kann ich leben. Es ist derzeit einfach nicht das passende Marktumfeld für ein Trendfolge-Konzept. Immerhin schützen mich die Marktampeln vor Verlusten. Mit meinen Trades in TAG Immobilien und Deutsche Börse AG bin ich sogar bei den wenigen Aktien über Derivate investiert, die in diesem schwierigen Umfeld zulegen können. Die Aktienauswahl nach Trendstabilität zeigt hier wieder einmal ihre Vorteile.

Es ist aber so, dass mir die Schwäche des DAX und der europäischen Märkte gegenüber den US-Märkten Sorge bereitet. Denn sie hat etwas zu bedeuten. In Amerika hat unter Trump eine neue Phase des Superkapitalismus begonnen. Trump hat Steuern gesenkt und Regulierungen abgebaut. Die amerikanische Wirtschaft erblüht, angetrieben von einem starken Bankensektor.

Wenn es um die Regulierung des Bankensektors geht, dann setzt bei den meisten meiner Gesprächspartner im privaten Umfeld immer sofort der Reflex ein: Gut so. Aber das ist zu kurz gedacht, denn wenn Banken kaum noch in der Lage sind, Kredite für ungewöhnliche private Investitionen oder unternehmerische Wagnisse zu vergeben, dann ist jeder einzelne Kunden negativ davon betroffen. Auch die Tatsache, dass in Deutschland so gut wie keine Start-Ups mit Anschlussfinanzierungen im siebenstelligen Millionenbereich möglich sind, ist in letzter Konsequenz auf eine starke Regulierung des Bankensektors zurückzuführen, welche die Kreditvergabe für Risikoprojekte kaum möglich macht. Ein starker Finanzsektor begünstigt unternehmerische Innovationen. Die Amerikaner haben das verstanden. Sie lassen ihren Banken wieder mehr Spielraum, setzen aber gleichzeitig höhere Eigenkapital-Anforderungen voraus als zu Zeiten vor der Finanzkrise. Aus meiner Sicht ein guter Weg.

Superkapitalismus ist ein Begriff, der bei mir positiv besetzt ist. Kapitalismus ist die Wirtschaftsform, die auf Privateigentum setzt und Unternehmertum zulässt. Wenn ich vom Superkapitalismus spreche, dann mein ich damit in erster Linie ein super Umfeld für unternehmerische Aktivitäten. Und genau das ist es was wir in den USA gerade sehen. Amerikanische Technologiefirmen bringen in atemberaubenden Tempo neue Produktinnovationen auf den Markt. Apple und Amazon haben die Marke von 1 Billionen USD Börsenwert überschritten. Microsoft dürfte bald folgen. Es ist eine Dominanz des amerikanischen Unternehmertums, dem deutsche und europäische Firmen kaum noch etwas entgegensetzen zu haben. Amerikanische Konzerne, die in direkter Konkurrenz zu deutschen Konzernen stehen, können sich derzeit in einem perfekten Umfeld gut entfalten. Und ich glaube, dass die große Performance-Schere, die sich zwischen DAX und Dow Jones auftut, auf solche Entwicklungen zurückzuführen ist.

Es ist übrigens nicht nur die erste Reihe der amerikanischen Technologiefirmen, die überzeugt. Auch in der zweiten Reihe rollen neue eCommerce-Unternehmen wie Wayfair (Online-Möbelkauf, unterstützt durch Virtual Reality), Carvana (Online-Kauf von Autos mit Lieferung nach 1 Tag) oder Etsy in einem atemberaubenden Tempo ihre Märkte auf.

Fazit: Ich habe heute einen Erklärungsversuch für das Trauerspiel unternommen, das der deutsche Aktienmarkt gerade zeigt. In meiner nächsten Kolumne werde ich verschiedene Szenarien durchspielen wie es weitergehen kann und wann im realen 100.000 € Trendfolge-Depot wieder eine Investitionsphase erfolgen könnte.


Viele Grüße
Simon Betschinger


     Systematisch investieren mit unseren Themenwelten

Liebe Leser,

manchmal kapiere ich Kursbewegungen nicht. Immer wenn eine neue Runde im Handelskonflikt zwischen USA und China eingeleitet wird, gehen die europäischen Aktienmärkte auf Talfahrt. Insbesondere auch der DAX. Die US-Märkte hingegen bleiben stark und lassen sich kaum beeindrucken. Ich habe hier ein Verständnisproblem. Es gibt Handelsströme zwischen Europa und den USA und zwischen Europa und China. Warum der Markt immer einen größeren Schaden für Europa antizipiert, wenn die Amerikaner neue Zölle gegen China erlassen wollen, hat sich mir noch nicht so richtig erschlossen. Mir ist klar, dass China weniger Vorleistungen aus Europa importieren muss, wenn die chinesische Exportwirtschaft insgesamt leidet. Aber warum der Schaden für Europa größer sein soll, gemessen an den Marktreaktionen, als für die USA, die direkt von den Gegenmaßnahmen der Chinesen betroffen sind, geht mir nicht in den Kopf. Wenn Sie hier die springende Erkenntnis haben, liebe Leser, dann schreiben Sie mir bitte.

Vor etwa einem Monat habe ich hier darüber philosophiert, ob es auch im Sommer 2018 als Trader nicht sinnvoll wäre, eine Auszeit zu nehmen, weil in den Sommermonaten in den letzten Jahren regelmäßig kaum etwas zu holen war. Das Ergebnis steht jetzt fest: Eine Trading-Auszeit am US-Markt hätte sehr viel Geld gekostet. Hier befinden sich viele Technologie-Aktien wie AMD oder Amazon immer noch in entfesselten Rallyläufen. Am deutschen Aktienmarkt hätte eine Trader-Auszeit über die Sommermonate auch dieses Jahr wieder gutgetan. Gute Storys waren Fehlanzeige. Die meisten Aktien dümpelten langsam nach unten.

Aktuell bin ich im realen 100.000 € Trading-Depot, das einem klaren Regelwerk folgt, sehr defensiv positioniert. Der Grund hierfür ist, dass die roten Marktampeln beim DAX und beim EuroStoxx50 neue Käufe verhindern. Wenn der Markt stärker fallen würde, käme mir das gelegen, denn ich halte hohe Cashbestände und nach einer starken Korrektur wäre ein neuer schöner Bullenlauf wahrscheinlicher. Aber ich möchte es nicht beschreien. Meine persönliche Zukunftseinschätzung ist, dass sich die USA mit China bald einigen werden ähnlich wie vollkommen überraschend zwischen Mexiko und USA ein neues Handelsabkommen geschlossen wurde. Das Überraschungspotenzial sehe ich also zu Gunsten der Bullen.

Aufgefallen ist mir beim Screening der Trendstabilitäts-Ranglisten die Aktie von SAP, die sich mittlerweile auf Rang 3 im DAX vorgearbeitet hat. Als Trader interessieren mich die fundamentalen Treiber bei der Aktie, weshalb ich mich näher mit dem Walldorfer Software-Unternehmen beschäftigt habe. Hier das Ergebnis: SAP ist bekanntlich einer der führenden Anbieter betriebswirtschaftlicher Standardsoftware. Nun will CEO Bill McDermott auch in das Segment mit Kundenmanagement-Software-Lösungen einsteigen. Diesem Segment trauen die Experten der Societe Generale in den kommenden Jahren ein explosives Wachstum zu, da immer mehr Unternehmen auf so genannte CRM-Lösungen für mehr Effizienz im Vertrieb oder bei der Kundenbetreuung setzen. SAP will nun mit der neuen C/4HANA-Suite den Markt aufrollen und verzeichnete im zweiten Quartal nach Aussage von CFO Luka Mucic mit dieser neuen Produktfamilie bereits einen beachtlichen Umsatz von mehr als 300 Mio. Euro. Im Vergleich zu herkömmlicher CRM-Software, können die neuen CRM-Lösungen von SAP via Cloud auf beliebige andere Datensätze des Unternehmens zugreifen, was erhebliche Vorteile gegenüber den Stand-Alone-Lösungen der Konkurrenz verspricht. Damit wollen die Walldorfer mittelfristig Marktführer Salesforce vom Thron stoßen, der mit knapp 20% über deutlich mehr Marktanteile verfügt, als SAP (6,5%). Die Experten der Societe Generale haben kürzlich das Kursziel mit Verweis auf die starken Aussichten im CRM-Markt von 109 auf 117 Euro angehoben und die Einstufung mit „Buy“ bestätigt.

Adidas ist eine weitere Aktie, die sich in den Trendstabilitäts-Ranglisten nach vorne arbeitet. Mittlerweile hat sich der Wert auf Rang 7 im DAX30 gesetzt. Ein Grund mehr für mich, der Sache auf den Grund zu gehen. Zuletzt präsentierten die Herzogenauracher dank der Fußball-WM ein Rekordergebnis. Trotz hoher Werbeausgaben gelang es, den bereinigten operativen Gewinn um knapp 25% auf 590 Mio. Euro zu verbessern und damit die Konsenserwartungen deutlich zu übertreffen. Auch beim Konzernumsatz toppte man mit einem wechselkursbereinigten Plus von satten 10% auf 5,26 Mrd. Euro die Schätzungen. Profitieren konnte man erwartungsgemäß vom Rekordabsatz bei WM-Trikots und Fußballschuhen, aber auch von der Konsumlaune in Fernost. Mit einem Umsatzplus von 19% verzeichnete die Region Asien/Pazifik ein erneut ein kräftiges Plus, wobei China mit einem Umsatzanstieg von 27% herausstach. Adidas ist damit ein typischer Profiteur des Konsumhungers der sportbegeisterten Mittel- und Oberschicht im Reich der Mitte. Dank Preiserhöhungen und Kostensenkungsmaßnahmen konnte Adidas auch bei der Profitabilität eine Schippe drauflegen und sieht sich auf Kurs, die Jahresprognose, die ein wechselkursbereinigtes Umsatzplus von 10% sowie einen Anstieg beim Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft von 13 bis 17% vorsieht, zu erreichen. Die Experten von Mainfirst sehen bei Adidas daher weiteres Aufwärtspotential und haben kürzlich das Kursziel von 240 auf 260 Euro angehoben.

Viele Grüße
Simon Betschinger


     Systematisch investieren mit unseren Themenwelten