Besser traden mit System - Der Blog

 

Liebe Leser,

in den letzten Wochen habe ich mich intensiv mit den deutschen Internetaktien rund um Scout24, HelloFresh, Delivery Hero und Rocket Internet befasst. Bei der Beschäftigung mit dem Thema sind einige Erinnerungen an meine ersten Tage als Börsianer wach geworden. Damals im Jahr 2000, als die Internetaktien ins Unendliche zu steigen schienen, wurden die Geschäftsmodelle der Internetfirmen rege diskutiert.

Die Kritiker der Internetfirmen – ja, es gab damals wirklich Leute, die glaubten, dass das Internet nur eine gehypte Modeerscheinung sei – legten immer wieder folgendes Argument auf den Tisch: Im Internet ist die Konkurrenz nur einen Mausklick weit entfernt. Es würde den Internetfirmen also nicht gelingen, eine Stammkundschaft aufzubauen. Das Erstaunliche ist, dass es komplett anders kam. Die etablierten Internetkonzerne wie Google, Facebook, Amazon und auch kleinere Online-Shops wie Zooplus zeichnen sich durch extrem hohe Wiederkehrraten aus. Ein Kunde, der bei Amazon ein Konto hat, kommt immer wieder zu Amazon zurück, wenn er etwas kaufen möchte. Im Einzelhandel gilt hingegen nun ein anderes Dogma: Wenn du eine Saison das falsche Produktsortiment hast, bekommst du ernstzunehmende Probleme. Diese Erfahrung muss gerade H&M machen. So kann es gehen. Die Kritiker lagen komplett falsch.

Am Montag wird es vermutlich zu einer Neuaufnahme in meinem regelbasierten 100.000 € Trendfolge-Depot kommen. Die Marktampel im MDAX steht wieder auf Grün. Dann entscheidet die Trendstabilitäts-Rangliste, welche Firma neu im Depot landet. Derzeit befindet sich Scout24 auf Ranglistenplatz 2 und Rocket Internet auf Ranglistenplatz 3 der Trendstabilitäts-Rangliste zum MDAX. Der Spitzenreiter im MDAX ist nach wie vor TAG Immobilien und diese Aktie befindet sich ja bereits in meinem Trendfolge-Depot.

Ansonsten haben die bestehenden Depotwerte gerade einen guten Lauf. Mit der Deutsche Börse AG habe ich einen der stärksten DAX-Titel im Depot. Der seit Ende 2017 amtierende Vorstandschef Theodor Weimer scheint endlich die richtige Strategie gefunden zu haben, um die Deutsche Börse wieder auf Wachstum zu trimmen. Neben Kostensenkungsmaßnahmen und mehr Effizienz durch Digitalisierung beginnt der Börsenbetreiber endlich damit, seine Marktposition auszuspielen. Erstmals seit mehr als zehn Jahren wurden die Gebühren für den Marktdaten-Feed angehoben. Weimer will dieses margenträchtige Segment, das aktuell lediglich 5% zum Konzernumsatz beisteuert, durch Zukäufe weiter ausbauen, was Sinn macht.

Kreativ ist der neue Vorstandschef auch bei der Erschließung neuer Geschäftsfelder. Dabei macht sich Weimer die Regulierungswut der Aufsichtsbehörden zunutze. Denn Banken sind gesetzlich verpflichtet, Daten zur Identifizierung ihrer Kunden zu erheben, um regulatorische Vorgaben (Stichwort Markttransparenz und Geldwäsche) zu erfüllen. Hier will die Deutsche Börse als Dienstleister die passenden Daten zur Verfügung stellen, was bei einem Pool von 2.200 den an den "Regulatory Reporting Hub" angeschlossenen meldepflichtigen Geschäftsbanken interessante Chancen verspricht. Bei den Analysten kommt der neue Strategiekurs von Weimer gut an. Kürzlich hob die HSBC das Kursziel von 125 auf 131 Euro an und bestätige die Einstufung mit „Outperform“.

Im MDAX rückt gerade die Aktie von Airbus in der Trendstabilitäts-Rangliste stetig nach vorne. Ein voller Erfolg war die Luftfahrtmesse in Farnborough für den Flugzeughersteller. Mit 431 Neuaufträgen konnte Airbus einen starken Auftragseingang einfahren. Die Aussichten, dass sich das positive Auftragsmomentum fortsetzen wird, stehen gut. Denn der weltweite Touristikboom und das steigende Passagieraufkommen vor allem in Asien sorgen dafür, dass Airlines ihre Kapazitäten weiter aufstocken müssen. Boeing sieht hier in den kommenden 20 Jahren Bedarf für mehr als 43.000 neue Maschinen. Gute Aussichten also für Airbus, zumal der europäische Branchenprimus mit seiner spritsparenden NEO-Technologie über einen bedeutenden Wettbewerbsvorteil verfügt. Bei den Airlines kommt die NEO-Variante gut an, was eine Volumenorder eines nicht genannten Käufers über 100 Maschinen vom Typ A320neo und A321neo in Farnborough beweist. Die Experten der Citigroup zeigten sich optimistisch zu den weiteren Aussichten bei Airbus und hoben die Einstufung von "Neutral" auf "Buy" an. Das Kursziel wurde ebenfalls deutlich von 104 auf 134 Euro angehoben.

Viele Grüße
Simon Betschinger


     Systematisch investieren mit unseren Themenwelten

Liebe Leser,

heute lacht mein Trendfolge-Herz endlich mal wieder. Meine Depotwerte im realen 100.000 € Trendfolge-Depot, das ich nach einem klaren Regelwerk führe, sind auf dem Weg nach Norden. Der Mini-Future auf die Deutsche Börse AG ist 14,22% im Plus. Der Endlos-Turbo auf TAG Immobilien notiert bei +25,35% und heute springt auch die Aktien-Position in ASML an, die nun Gewinne von 7,84% aufweisen kann. Schon zum nächsten Umschichtungstermin am Montag könnte die Marktampel grünes Licht geben und der Weg wäre dann frei für neue Long-Positionen. Ich würde das begrüßen, denn meine Marktbeobachtung ist, dass wir unmittelbar vor dem Start einer neuen Rallyebewegung in den großen Leitindizes stehen könnten. Wie komme ich zu dieser Meinung?

Die Märkte haben auf die jüngsten Strafzoll-Androhungen von Trump nicht mehr reagiert. Dieser hatte weitere Strafzölle auf chinesische Waren in Höhe von 250 Mrd. USD angekündigt, wenn bis August kein gutes Verhandlungsergebnis erzielt wird. Ein Markt, der auf negative Nachrichten kaum noch reagiert, ist ein bullischer Markt.

Ich wage heute eine Prognose: Die Chinesen werden im Handelskonflikt bald nachgeben und ihre Märkte öffnen. Das wird dann für die Märkte einem großen Befreiungsschlag gleichkommen und ich erwarte im Anschluss eine starke Rallyebewegung. China exportierte im vergangenen Jahr Waren in Höhe von rund 505 Mrd. USD in die USA. Aus den USA wurden hingegen nur Produkte im Wert von 130 Mrd. USD nach China geliefert. Den Chinesen gehen die Handlungsoptionen aus. Die Fakten zeigen eindeutig, dass China ein Interesse haben sollte, die eigenen Märkte auch für US-Unternehmen stärker zu öffnen. Der chinesische Hang Seng Index ist seit dem Ausbruch der Handelsstreitigkeiten stark unter Druck gekommen. Von 31.500 Punkten ging es auf nun noch knapp über 28.000 Punkten nach unten. China leidet unter dem Handelskonflikt stärker als die USA. Das ist genau die Vermutung, die auch die Handelsbilanz erwarten lässt. Ich denke also, dass die nächste Verhandlungsrunde sehr konstruktiv verlaufen wird.

Europäische und deutsche Firmen profitieren jetzt bereits vom Druck, den Trump auf China aufgebaut hat. BASF darf in Shanghai 10 Mrd. Euro in große Chemiewerke investieren und diese zu 100% in Eigenregie betreiben. Das ist ein Novum. China öffnet sich und das ist gut so.

Bei meinen Depotwerten kann heute insbesondere ASML überzeugen. Der Chip-Equipment-Hersteller überraschte mit besseren als den erwarteten Q2-Zahlen. Bei einem Umsatzplus von 30% auf 2,74 Mrd. Euro verbesserte sich der Nettogewinn deutlich von 466 Mio. Euro auf 584 Mio. Euro, womit die Analystenerwartungen getoppt wurden. Als Treiber erwies sich die starke Nachfrage nach der neuen EUV-Lithographiesystem-Generation von ASML. Hier wurden im 2. Quartal vier Systeme an Kunden ausgeliefert, während ASML im Vorfeld von lediglich drei Verkäufen ausgegangen war. Mit der neuen EUV-Technologie von ASML lassen sich Chips und Halbleiter nicht nur schneller, sondern auch deutlich kostengünstiger herstellen. ASML ist mit einem Marktanteil von fast 90% der unangefochtene Weltmarktführer. Das niederländische Unternehmen profitiert damit vom Boom der Chipbranche, die von Technologien wie Künstliche Intelligenz, autonom fahrende Autos oder Virtual Reality beflügelt wird.

Ich bin froh, dass ich ASML im Depot habe. ASML ist seit Monaten eine der trendstabilsten Aktien im EURO STOXX 50 und nun zeigt sich, dass die hohe Trendstabilität wieder einmal Vorbote einer guten fundamentalen Entwicklung war.

Fazit: Unser Trendfolge-Konzept konnte in den Seitwärtsmärkten der letzten Monate keinen Blumentopf gewinnen. Aber nun wird der Markt wieder freundlicher und die Zeichen mehren sich, dass die Märkte bald wieder in eine Rallyephase eintreten könnten.

Viele Grüße
Simon Betschinger


     Systematisch investieren mit unseren Themenwelten

Liebe Trader,

einer der stärksten Märkte weltweit ist weiterhin die amerikanische Technologiebörse Nasdaq. Der Nasdaq Composite Index kann ungeachtet des Handelskrieges ein Allzeithoch nach dem nächsten markieren. Firmen wie Apple, Microsoft, Alphabet, Facebook, NVIDA, Intel oder Netflix dominieren die digitale Welt. Deutsche Konzerne sind hier lediglich die Zuschauer auf verlorenem Posten.

Welche Aktien laufen gerade in Deutschland und Europa gut? Unsere Trendstabilitäts-Ranglisten geben darüber Aufschluss. Als Bulle kristallisiert sich der Luftfahrtsektor mit den Aktien MTU und Airbus heraus. Beide Titel sind auf Rang Nr. 5 und 6 der Trendstabilitäts-Rangliste im MDAX vorgerückt.

Was wird gespielt? Zunächst ist wichtig zu wissen, dass die Luftfahrtbranche ein Wachstumsmarkt ist. Das weltweite Passagieraufkommen steigt, getrieben von den Asiaten und dank der florierenden Touristikindustrie Jahr für Jahr an, was zusätzliche Kapazitäten notwendig macht. Airbus schätzt, dass bis 2037 weltweit mehr als 37.000 neue Passagiermaschinen in Dienst gestellt werden. Gute Aussichten also für den europäischen Branchenprimus. Dann kommt noch ein kurzfristiger Kurstreiber hinzu, der das Geschäft von Airbus und MTU beflügeln könnte.

Angesicht des eskalierenden Handelsstreits zwischen USA und China wäre es nicht verwunderlich, wenn Airbus bei bedeutenden Großaufträgen den Vorzug gegenüber seinem Erzrivalen Boeing erhält. Schon jetzt läuft es bei Airbus prächtig, was eine Order von 60 Maschinen vom Typ A220 der US-Billigfluglinie JetBlue beweist. Auf der Flugzeugmesse im britischen Farnborough ab 16. Juli dürfte Airbus weitere milliardenschwere Aufträge an Land ziehen. Entsprechend optimistisch zeigte sich zuletzt das US-Analystenhaus Merrill Lynch, wobei man Airbus mit einem Kursziel von 137 Euro auf die „Europe 1 List“ aufnahm. Der Airbus-Aktie gelang in dieser Woche auch der Ausbruch auf neue Allzeithoch. Charttechnisch ist der Weg nach oben frei. 

Wie Airbus profitiert auch MTU Aero Engines als Turbinenhersteller vom Boom in der Luftfahrtbranche. Mit moderner Hochleistungs-Triebwerks-Technologie die Kerosineinsparungen von bis zu 16% erlaubt, ist MTU Aero Engines ein gefragter Partner für Airbus und Boeing. Da man wie der gesamte europäische Luftfahrtsektor von der Euro-Schwäche profitiert, erwarten die Experten von JPMorgan wohl zurecht starke Halbjahreszahlen und sehen auch bei der Jahresprognose Luft nach oben. Entsprechend wurde das Kursziel mit 190 Euro bestätigt und die Einstufung weiter auf "Overweight" belassen.

Aufgefallen ist mir beim Screening der Trendstabilitäts-Ranglisten zudem die Aktie von Symrise, die sich auf Rang 10 der Gesamtauswahl vorgearbeitet hat. Auch diese Firma ist ein einem langfristigen Wachstumsmarkt tätig. Symrise als Duft- und Aromenhersteller ist ein typischer Profiteur des weltweiten Bevölkerungswachstums und der wachsenden Produktvielfalt. Symrise ist bei Düften und Aromen breit aufgestellt und deckt alle Produkt-Kategorien von Nahrungsmitteln über Kosmetika bis hin zu Tiernahrung ab. Eine solide Story, die gut zur aktuellen Stärke bei defensiven Sektoren wie Nahrungsmittel und Konsum passt. Zuletzt wusste Symrise mit einem starken organischen Umsatzplus von 7,5% im Auftaktquartal zu überzeugen. Charttechnisch bewegt sich die Aktie am Allzeithoch und macht damit einen deutlich stärkeren Eindruck als der restliche Markt.

Fazit: In Zeiten des Handelskrieges muss man die eigenen Investments sorgfältig wählen. Es bietet sich an, auf Aktien zu setzen, die nicht unter dem Handelskrieg leiden. In den letzten Blog-Beiträgen hatte ich die deutschen Internetaktien wie Scout 24, Rocket Internet, Zalando oder HelloFresh herausgearbeitet. Heute habe ich mit MTU, Airbus oder Symrise weitere Titel vorgestellt, die trotz Handelskonflikt weiter nach oben laufen.

Viele Grüße
Simon Betschinger


     Systematisch investieren mit unseren Themenwelten

Liebe Trader,

es sind spannende Zeiten. Die internationalen Beziehungen und Handelsregeln zwischen den großen Wirtschaftsmächten werden neu ausgelotet. Unser Trendfolge-System zieht sich nun wieder zurück und erhöht den Investitionsgrad, denn die Marktampeln stehen für alle 3 Indizes auf Rot. Am Montag war wieder Stichtag für die neuen Depotumschichtungen. Neue Aktien können nicht ins Depot aufgenommen werden, wegen der roten Marktampel. Aber bestehende Depotwerte, die unter Rang 3 fallen, werden verkauft. Mein Depotwert Infineon befindet sich nicht mehr unter den Top-3 der trendstabilsten Aktien im DAX. Also ich habe ich bei meiner Volksbank eine Verkaufsorder für die Position aufgegeben.



Die Performance unseres Trading-Systems ein Jahr nach dem Start beträgt knapp 4 %. Das ist nicht sehr eindrucksvoll, aber auch der DAX hat stagniert, von daher ist die Performance auch nicht tragisch. Seit mehr als einem Jahr läuft der Gesamtmarkt seitwärts. Es gibt keine nachhaltigen Trends, die sich ausbilden. Unserem Trendfolge-Konzept sind somit die gewissermaßen die Hände gebunden.

Der Ausgang des Handelskonflikts ist ungewiss. Für den Fall, dass China nicht nachgibt und den eigenen Markt öffnet, hat Trump heute weitere Strafzölle in Höhe von 200 Mrd. USD auf chinesische Importe angekündigt. Der DAX hat sofort mit Kursverlusten reagiert. Ähnlich kritisch sieht es bei den deutsche-amerikanischen-Wirtschaftsbeziehungen aus. Trump fordert Deutschland dazu auf, die Verteidigungsausgaben auf 2 % des BIPs zu erhöhen. Wenn sich Deutschland weigert, könnte die Antwort Strafzölle auf Autoimporte sein. Es bleibt festzuhalten, dass der Markt innerhalb von Minuten durch politische Statements massiv bewegt werden kann.

Die Lage mag verworren erscheinen, jedoch gilt die Regel: Je länger ein Markt konsolidiert hat, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass wieder stabile, neue Trends entstehen können. Das ist dann auch meine Hoffnung für den Herbst 2018. In meiner perfekten Wunschwelt hat China dann den eigenen Markt für ausländische Konzerne geöffnet und Europa hat dem Trump-Vorschlag einer G7-Freihandelszone zugestimmt. Dann könnte die Weltwirtschaft voll an Fahrt aufnehmen. Und dann würde auch wieder ein Marktumfeld vorherrschen, das für unser Trendfolge-Konzept vielversprechend ist.

Bis dahin macht es für Trader Sinn, sich auf Aktien zu konzentrieren, die vom Handelskrieg kaum betroffen sind. Die Internet-Portal-Aktien rund um Hellofresh, Zalando, Rocket Internet oder Scout 24 hatte ich bereits genannt.

Kaum betroffen sein dürfte auch das Luxusgütersegment. Strafzölle haben hier kaum negative Auswirkungen. Wer sich eine Luxus-Uhr, sündhaft teuren Schmuck oder die neueste Haut-Couture für die Frau Gemahlin für umgerechnet mehrere tausend Euro leisten kann, für den sind höhere Importzölle kein Hindernis. LVMH profitiert mit seinen mehr als 70 Marken überdurchschnittlich vom Luxus-Boom. Die Aktie im Euro Stoxx 50 derzeit auf Rang 2 unserer Trendstabilitäts-Rangliste. Laut einer Studie von Bain Capital ist vor allem die kaufkräftige jüngere Generation in China für den globalen Absatzboom bei hochpreisigen Luxusartikeln verantwortlich. Dabei nutzen junge kaufkräftige Chinesen laut Bain Capital bevorzugt Urlaubstrips, um im Ausland bei Luxusartikeln auf Shopping-Tour zu gehen.

Fazit: Im Seitwärtstrend der letzten Monate konnte unser Trendfolge-System keinen Blumentopf gewinnen. Wir Trendfolger müssen auf einen stabilen Markt mit klaren Trends warten.

Viele Grüße
Simon Betschinger


     Systematisch investieren mit unseren Themenwelten

Liebe Leser,

darf ich das Wort „hassen“ in einem Artikel verwenden? Wenn ja, dann möchte ich folgendes sagen: Ich hasse politische Börsen. Politische Börsen sind für uns Trader kaum richtig einzuordnen. Im Moment ist es besonders heikel, denn ich bin mir relativ sicher, dass die nächste Runde im Zollstreit zwischen USA, Deutschland und China im DAX für eine Minus-200-Punkte-Eröffnung gut ist. Wenn ich abends nach einem erfolgreichen Trading-Tag ansonsten mit einem zufriedenen Lächeln ins Bett gehen würde, weiß ich in diesen Tagen nicht, ob sich über Nacht alles ändert. So war es zum Beispiel diese Woche mit Micron, eine US-Aktie, in der ich eine Long-Position halte. Alles sah gut aus. Die Zahlen waren hervorragend, die Gewinne sprudelten, aber dann begann die Aktie auf einmal scharf zu fallen. Wenige Tage später kam des Rätsels Lösung für das Verhalten der Aktie über die Nachrichtenticker. Ein Gericht in China hat offenbar, so berichten einige Medien, wegen Patentverletzungen einen Stopp für viele Produkte von Micron verhängt. Ich bin mir relativ sicher, dass das kein Zufall ist, sondern dass das Patentrecht ein scharfes Schwert im Handelskrieg ist.

Gut zum aktuell bullischen Trend bei Internet-Werten wie Scout24 passt, dass sich Rocket Internet im Trendstabilitäts-Ranking weiter nach oben gearbeitet hat. Die Berliner Start-Up-Schmiede hat zuletzt einige erfolgreiche IPOs an die Börse gebracht. Neben Delivery Hero und meinem persönlichen Favoriten bei den Online-Lieferdiensten, HelloFresh, notiert auch Home24 wenige Wochen nach dem IPO knapp 30% über dem Ausgabekurs.

Was wird gespielt? Home24 ist im Online-Möbelhandel aktiv, einem Segment, dem die Marktforscher von WhiseGuyReports bis 2022 jährliche Zuwachsraten von mehr als 15 bis 16% zutrauen. Home24 vertreibt seine mehr als 100.000 Artikel online und verzichtet auf teure Filialen, Weitsichtig sind die von Home24 forcierten Investitionen in den Aufbau AR-basierte Showrooms. Das erleichtert die Auswahl der passenden Möbel enorm. Denn Tische, Stühle, oder die neue Couch lassen sich einfach über die Smartphone-Kamera virtuell in den eigenen vier Wänden platzieren, beliebig anordnen oder durch ein anderes Modell ersetzen. Was hier möglich ist, zeigt US-Konkurrent Wayfair, der mit diesem Konzept in wenigen Jahren zur Nummer Eins auf dem US-Markt avancierte.

Virtual Reality kann das Online-Möbelgeschäft in komplett neue Größenordnungen führen, denke ich. Ich bin jemand, der nicht gerne ins Möbelhaus geht. Aber online bestelle ich Möbel auch nicht. Einfache Grafiken der Möbel sind eben nicht vergleichbar mit dem realen Erleben im Möbelhaus. In Zeiten von Virtual Reality wird sich das ändern – davon bin ich überzeugt. Dann kann ich in einem Raum stehen, die VR-Brille aufziehen und ich sehe die Möbelstücke direkt vor mir, richtig im Raum platziert. Dann wird aus einem Online-Geschäftsmodell auf einmal ein disruptives Geschäftsmodell, das die gesamte Branche umkrempeln kann.

Über HelloFresh hatte ich am Mittwoch berichtet. Heute zieht die Aktie mit +5 % nach oben und folgt dem positiven Trend der Online-Portale-Aktien rund um Rocket Internet, Scout24 und Delivery Hero. Die Börsianer fokussieren sich derzeit ganz offensichtlich auch auf die Aktien, deren Geschäftsmodelle vom Export kaum abhängig sind. HelloFresh kann der Handelsstreit relativ egal sein. Ich überlege mir nun eine Position zu eröffnen. Charttechnisch brodelt die Aktie. Inmitten eines schwachen Marktes zieht sie auf neue Hochs. Vielleicht sollten wir darüber nachdenken, ob wir hier bei diesem Depot-Event das Regelwerk modifizieren und die Aktien, die für eine Depotaufnahme in Frage kommen können, etwas weiter fassen.

Mit meinem regelbasierten Trendfolge-System kann ich derzeit nicht viel holen. Die Marktampeln stehen auf Rot. 4 Positionen sind noch im Depot. TAG Immobilien und die Deutsche Börse AG sind deutlich im Plus. Infineon und ASML aber im Minus. Es ist ein Nullsummenspiel. Aber jeder andere Ausgang wäre in diesem politischen Markt auch verwunderlich. Als Trendfolge-Trader brauche ich starke Trends, die sich entwickeln und denen ich folgen kann.

Viele Grüße
Simon Betschinger


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