Der menschliche Faktor / 08.03.2017 | 08:59:07 Werbung

Alles eine Sache der Wahrnehmung

DZ BANK AG
Autor DZ BANK AG

Die DZ BANK AG Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank, ist Spitzeninstitut der Genossenschaftlichen FinanzGruppe.

Stichtagsbezogen im Vergleich zu unserer letzten Kolumne steht der DAX fast unverändert im Bereich um 11.950 Punkte da. Doch in der Zwischenzeit ist einiges passiert. Nachdem zunächst einige Marktteilnehmer Risiko herausgenommen und den Index wieder deutlich unter die psychologisch wichtige 12.000 Punkte-Marke gedrückt hatten, zeigte sich im Anschluss erneut ein dynamischer Kursimpuls, der den Markt auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahren hievte.

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Die DZ BANK AG Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank, ist Spitzeninstitut der Genossenschaftlichen FinanzGruppe.

Dieser Kurssprung war dem Vernehmen nach vor allem der ersten Rede von Donald Trump vor dem US-Kongress geschuldet, fand die Kursbewegung doch exakt im Nachgang seines Auftritts statt. Doch wer nun gedacht hat, dass der neue US-Präsident nach seinen vollmundigen Versprechungen bezüglich der geplanten Steuersenkungen, des Infrastrukturprogramms oder der Deregulierung endlich einmal konkrete Zahlen zur Ausgestaltung oder Finanzierung vorlegen würde, der sah sich getäuscht - umso verwunderlicher muss der anschließende Kursschub erscheinen.

 

Nun denn - dieser ist ja bereits zum Großteil wieder verpufft - und zwar sowohl dies- als auch jenseits des Atlantiks. Da mag man sich schon fragen, was denn als nächstes kommen muss, um die Kauflaune der Marktteilnehmer weiter bei der Stange zu halten.

 

Aus verhaltensorientierter Sicht dürfte es jedenfalls mit weiterer substanzieller Nachfrage schwierig werden. Im Betrachtungszeitraum, d.h. in den letzten beiden Wochen, haben die deutschen Marktteilnehmer ihre Absicherungen bei per Saldo etwa unverändertem DAX zurückgefahren. Die sinkende Put/Call-Ratio für die DAX-Indexoptionen signalisiert eine zunehmende Nachlässigkeit, die sich unter den Investoren einschleicht. Zwar spricht diese prinzipiell nicht gegen die Herausbildung eines weiteren DAX-Bewegungshochs in den kommenden Tagen. Doch das Spiel wird zunehmend gefährlicher, denn die Erosion im „strategischen Bias“ schreitet weiter voran.

 

Der „strategische Bias“ drückt die Sechsmonats-Erwartungshaltung zum DAX aus und wird von sentix jeweils einmal wöchentlich (freitags) erhoben. Auf diese Weise kann ermittelt werden, wie sich die „Wertwahrnehmung“ in Bezug auf den Index verändert. Ein steigender „strategischer Bias“ bedeutet beispielsweise, dass aufgrund der damit assoziierten positiven Wertwahrnehmung latent Kaufbereitschaft unter den Investoren besteht. In einer solchen Situation kann der Markt Konsolidierungen grundsätzlich leichter wegstecken und so einen stabilen Aufwärtstrend herausbilden.

 

Aktuell liegt jedoch eine genau gegenteilige Lage vor: Der „strategische Bias“ ist seit Jahresbeginn in acht von neun Wochen gefallen und befindet sich derzeit in einem dynamischen Sturzflug. Die damit einhergehende rückläufige strategische Kaufbereitschaft von Seiten der Marktteilnehmer macht den DAX anfällig für negative Überraschungen. Durch den „Gewöhnungseffekt“, der durch die beständige „Buy-the-Dips“-Konditionierung entstanden ist, haben sich die Marktteilnehmer allmählich einlullen lassen. Ein wie auch immer geartetes „negativ interpretierbares Ereignis“ kann da den Anstoß geben, in stärkerem Ausmaß Risiko vom Tisch zu nehmen.

 

Ob ein solches aus der Fed-Ecke („Zinserhöhungszyklus in den USA“) stammt oder durch politische Sorgen (Wahlen in Frankreich und den Niederlanden) getragen wird, ist dabei zweitrangig. Sendet der DAX ein negatives Preissignal aus (Unterschreiten des wichtigen Reaktionstiefs um rund 11.700 Punkte), dürfte sich die allgemeine Wahrnehmung wieder verstärkt auf die Risiken denn auf die Chancen richten und zu einem durch einen markanten Kursrutsch ausgelösten „sentiment-technischen Bereinigungsprozess“ führen.

 

Fazit: Während die Investoren versuchen, die DAX-Zitrone auf der Oberseite bis auf den letzten Tropfen auszupressen, lauert auf der Unterseite ein nicht zu unterschätzendes mittelfristiges Kursrückschlagrisiko, welches unter Chance/Risiko-Aspekten eigentlich verbietet, derzeit im Index investiert zu sein. Wer es schafft, frei von kurzfristigem Performancedruck gegen den Strom zu schwimmen und sein Pulver trocken zu halten, dürfte daher im Zeitablauf mit einer weitaus lukrativeren Kaufgelegenheit belohnt werden.

 

Sentiment: Kurzfristig ist die Angst weg - die mittelfristige Überzeugung aber auch…

Quellen: DZ BANK, sentix

 

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