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01.07.2019 | 08:35:03 (dpa-AFX)
GOLD IM FOKUS: Handelsstreit, Iran und Niedrigzinsen schicken Gold auf Höhenflug

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Goldpreis hat seit Anfang Juni einen rasanten Höhenflug hingelegt. Zur Mitte der Woche ist er über die Marke von 1400 US-Dollar gestiegen - erstmals seit dem Jahr 2013.

Internationale Konflikte, die Aussicht auf weltweit noch niedrigere Zinsen und ein schwacher Dollar beflügeln den Preis des Edelmetalls. Zwar hat der Preis in den vergangenen Tagen etwas nachgegeben, doch das Umfeld für Gold bleibt laut Ökonomen gut.

Die Gründe für den Höhenflug sind vielfältig: Zunächst hat der allgemeine Nachteil von Gold, keine Zinsen oder Dividenden abzuwerfen, an Gewicht verloren. So hat die US-Notenbank Fed signalisiert, dass sie ihre Leitzinsen senken wird. Auch in der Eurozone wird die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik vermutlich weiter lockern.

"Die Aussicht auf eine geldpolitische Wende der beiden großen Notenbanken, ist der Hauptgrund für den Preisanstieg", sagte Daniel Briesemann, Edelmetallexperte bei der Commerzbank <DE000CBK1001>. "Die Attraktivität von Anleihen ist so gefallen und dies macht Gold für Anleger interessanter." Tatsächlich sind in vielen Ländern die Renditen von Staatsanleihen auf Rekordtiefstände gesunken.

"Zudem haben die jüngsten Aussagen von US-Notenbankchef Jerome Powell auch den Dollar unter Druck gebracht", meint Briesemann. Niedrigere Zinsen belasten tendenziell eine Währung. Der US-Dollar ist zuletzt zu einer ganzen Reihe von Währungen unter Druck geraten. In der Tat stand der jüngste Anstieg des Goldpreises im engen Zusammenhang mit den Kursverlusten des Dollar. Gold aber wird in Dollar gehandelt. So wird das Edelmetall für Anleger in anderen Währungsräumen günstiger und die Nachfrage steigt. Dies gilt vor allem für die Schwellenländer, wo Gold für die Schmuckproduktion wichtig ist.

Das Edelmetall gilt zudem in heiklen Zeiten als "sicherer Hafen". Und die Krisenherde rund um den Globus haben zuletzt deutlich zugenommen. Der Handelskrieg der USA mit China droht nicht nur kurzfristig eine Belastung für die Weltwirtschaft zu werden. Sollte auf dem G20-Gipfel in Japan keine Einigung erreicht werden, könnte die Weltwirtschaft nachhaltig zu Schaden kommen.

Und wäre das alles nicht genug, kommt obendrein der Konflikt zwischen den USA und dem Iran dazu. Eine militärische Auseinandersetzung ist dort längst nicht mehr ausgeschlossen, da die Spannungen nach dem Abschuss einer amerikanischen Drohne durch den Iran noch zugenommen haben. Der Iran aber lehnt Gespräche mit den USA weiter ab - und US-Präsident Donald Trump verschärfte seine Drohungen. Einen Befehl zum Angriff auf das Land zog er erst in letzter Minute zurück.

Goldexperte Andreas Speer von der Landesbank BayernLB relativiert hingegen etwas die Wirkung von politischen Ereignissen auf den Goldpreis. "So bedarf es schon einer extremen Krise wie derjenigen des Euroraums zu Beginn dieses Jahrzehnts, um einen spürbaren Effekt sehen zu können." Gleichwohl könnten Ereignisse wie der Iran-Konflikt und Handelsstreitigkeiten bestehende Trends verstärken, insbesondere wenn sie auch Auswirkungen auf die Zinsen und den Dollar hätten.

"Tatsächlich hat der Konflikt zwischen dem Iran und den USA am Goldmarkt lange keine Rolle gespielt", sagte Commerzbank-Experte Briesemann. Seitdem jedoch die Kriegsgefahr zugenommen hat, treibt der Konflikt zunehmend auch den Goldpreis.

Können sich Gold-Fans nun auf weitere Gewinne freuen? Das nächste wichtige Ereignis ist das Treffen von Trump mit dem chinesischen Präsident Xi Jinping auf dem G20-Gipfel in Osaka ab diesem Freitag. Wird der Handelsstreit beigelegt, könnte der Goldpreis unter Druck geraten, während er bei einer Verschärfung zulegen dürfte.

"Sollte es auf dem Gipfel zu einem großen Wurf kommen, dann würde die Risikoneigung an den Finanzmärkten deutlich steigen", sagte Briesemann. Dies würde das als sicher geltende Gold weniger attraktiv machen. Er erwarte jedoch keine baldige Lösung des Handelskonfliktes.

BayernLB-Experte Speer geht allerdings von einer langfristigen Trendwende nach oben beim Goldpreis aus. Die jüngsten Entwicklungen hätten das schon vorher positive Grundszenario bestätigt./jsl/DP/stk/fba

---Von Jürgen Sabel, dpa-AFX---

16.07.2019 | 13:14:24 (dpa-AFX)
ROUNDUP 2: Keine Entspannung bei Bayer trotz reduzierter Glyphosat-Strafe

(neu: Das Stück wurde neu gefasst.)

SAN FRANCISCO/LEVERKUSEN (dpa-AFX) - Eine geringere Strafe für Bayer <DE000BAY0017> in einem Glyphosat-Prozess in den USA sorgt in Leverkusen nicht unbedingt für Freudensprünge. Zwar reduzierte ein US-Richter den von Geschworenen geforderten Schadenersatz um rund 55 Millionen US-Dollar auf etwas mehr als 25 Millionen Dollar (rund 22,2 Mio Euro), am grundsätzlichen Problem für Bayer ändert das aber nichts. Bayer und der 2018 von dem Dax <DE0008469008>-Konzern gekaufte Saatgutriese Monsanto sind in den USA weiterhin mit mehr als 13 400 Klagen wegen möglicher Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter konfrontiert. Und die aktuelle Entscheidung des Richters Vince Chhabria wird die Kläger und ihre Anwälte kaum entmutigen.

"Auf Basis der im Prozess vorgelegten Beweise, verdient Monsanto eine Bestrafung", schrieb Chhabria in seiner Urteilsbegründung. Sie unterstützten die Schlussfolgerung der Geschworenen, dass Monsanto mehr auf ein Herunterspielen von Sicherheitsbedenken bedacht gewesen sei, als die Sicherheit des Produktes zu gewährleisten.

Am eigentlichen Schadenersatz von gut fünf Millionen Dollar für den Kläger Edwin Hardeman hielt Chhabria denn auch fest. Den Strafschadenersatz, der im US-Recht als Zusatzsanktion bei besonders schweren Entschädigungsfällen verhängt werden kann, senkte der Richter allerdings von 75 auf 20 Millionen Dollar - aber vor allem, weil das Verhältnis von regulärem zu Strafschadenersatz sonst den verfassungsrechtlich angemessen Rahmen überschritten hätte.

Genau diese Entscheidungen verdeutlichen laut dem Analysten Michael Leacock vom Investmenthaus Mainfirst die eigentliche Crux für Bayer. So könne der Konzern weiterhin offenbar nicht beweisen, dass Glyphosat sicher sei, was im Umkehrschluss Geschworene zur Annahme verleiten könnte, dass das Produkt unsicher sei. Auch in weiteren Prozessen könnten die Geschworenen daher zugunsten der Kläger entscheiden.

Bayer betont indes weiterhin die Sicherheit von Glyphosat und verweist auf zahlreiche wissenschaftliche Studien. In einer Mitteilung bezeichnet ein Unternehmenssprecher die Verringerung der Strafe zwar als einen "Schritt in die richtige Richtung". Gleichzeitig zweifeln die Leverkusener aber die Entscheidung über einen Schadenersatz grundsätzlich an, da sie nicht durch die vorgelegten Beweise gestützt werde und im Widerspruch zu wissenschaftlichen Erkenntnissen stehe. Bayer kündigte daher an, bei einem Berufungsgericht Widerspruch einzulegen.

Hardeman war der zweite Fall, der verhandelt wurde, und den Bayer dann im März verloren hatte. Auch beim ersten Fall aus dem Jahr 2018 wurde die Strafe später stark verringert. Im jüngsten Fall im Mai hatte eine US-Jury einem an Krebs erkrankten Rentnerehepaar insgesamt sogar umgerechnet gut zwei Milliarden Dollar zugesprochen. Allerdings kündigte Bayer auch hier umgehend an, das Urteil anzufechten.

Der Leverkusener Konzern hatte Monsanto im vergangenen Jahr für rund 63 Milliarden Dollar übernommen, was sich als sehr riskant entpuppte und von vielen Investoren harsch kritisiert wird. Die Aktionäre verweigerten Bayer-Chef Werner Baumann auf der Hauptversammlung Ende April sogar die Entlastung. Von einer "Schande" und einem "Scherbenhaufen" war mit Blick auf den Monsanto-Kauf da die Rede. Wenn auch ohne rechtliche Folgen, war es mehr als nur eine gelbe Karte, nachdem Bayers Börsenwert angesichts der hohen drohenden Rechtslasten zwischenzeitlich sogar unter den Monsanto-Kaufpreis gefallen war. Trotz der jüngsten Kurserholung notieren der Papiere immer noch fast 36 Prozent tiefer als vor der ersten Prozessschlappe vor knapp einem Jahr.

Für viele Analysten sind die erwarteten finanziellen Belastungen durch die vielen Tausend Glyphosat-Klagen damit aber über Gebühr in den Kurs eingepreist. Laut Gunther Zechmann von Bernstein Research sind es mittlerweile schon Kosten von fast 30 Milliarden Euro, die vom Aktienkurs reflektiert würden. Das liegt deutlich über den pessimistischen Expertenschätzungen.

Mainfirst-Expert Leacock etwa rechnet mit rund 10 Milliarden Euro für den Fall eines Vergleichs mit der Klägerseite. Einen Vergleich hält er für das wahrscheinlichste Szenario, "egal wie schwierig dies für Wissenschaftler zu verdauen wäre."

Bis es soweit ist, dürfte aber noch viel Zeit vergehen. Zwar werden solche Massenklagen in den USA früher oder später meist mit einem großen Vergleich beigelegt, nach bislang erst drei Gerichtsschlappen und noch keinem einzigen Berufungsprozess dürfte Bayer dazu aber wohl noch nicht bereit sein, glaubt ein Händler.

Richter Chhabria, bei dessen Gericht in San Francisco mehrere Hundert Klagen gebündelt sind, drängt die Streitparteien allerdings bereits zu einer gütlichen Einigung und setzte daher unlängst einen weiteren als Musterfall gedachten Prozess auf unbestimmte Zeit aus. Zuletzt war daher der US-Staranwalt Ken Feinberg als Schlichter bestellt worden. Und immerhin: Bayer hatte zumindest angekündigt, sich konstruktiv in die Mediation einbringen zu wollen.

Druck dürfte dabei aber auch von anderer Seite kommen. So mischt der für sein aggressives Gebaren bekannte US-Milliardär und Investor Paul Singer mit seinem Hedgefonds Elliott inzwischen bei Bayer mit. Elliott ist mit insgesamt 1,1 Milliarden Euro an den Leverkusenern beteiligt.

Als die Beteiligung Ende Juni offiziell wurde, gab sich Elliott zwar zahm und lobte die jüngsten Schritte, mit denen Bayer die Glyphosat-Klagewelle bewältigen will. So hatte Bayer einen Aufsichtsratsausschuss gegründet, der die Causa Glyphosat vorantreiben soll, etwa durch Beratung des Vorstands und Vorschläge zur Prozessstrategie. Wie lange Singer ruhig bleiben wird, ist allerdings offen./mis/hbr/eas/jha/

16.07.2019 | 13:12:38 (dpa-AFX)
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    08.07.2019

    08.07.2019 Webinar Teil 25: The BIG Picture - Technische Marktanalyse

    Die Themen des Webinar sind:
    Technische Marktanalyse - Strategische und taktische Einschätzung der Finanzmärkte. Mit Franz-Georg Wenner (Feingold Research).

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