Neues auf dzbank-derivate.de / 24.04.2020 | 11:43:22 Werbung

Noch keine Kauflaune in Sicht

Marcus Landau
Autor Marcus Landau

Senior Manager Public Distribution bei der DZ BANK

Seit Anfang der Woche dürfen erste Läden wieder öffnen, doch ob die Deutschen gleich wieder in Kauflaune sind, ist fraglich. Aktuelle Umfragen, wie z.B. der GfK-Konsumklimaindex, machen wenig Hoffnung.

Marcus Landau
Autor Marcus Landau

Senior Manager Public Distribution bei der DZ BANK

Konsumklima im freien Fall

Vor wenigen Tagen haben in den meisten Bundesländern Läden bis zu einer Größe von 800 m² ihre Türen wieder geöffnet. Viele Geschäftsinhaber hoffen auf Nachholeffekte aufgrund der mehrwöchigen Schließung. Doch nach den anfänglichen Hamsterkäufen zu Beginn der Krise scheint bei vielen Menschen derzeit wenig Lust auf Shopping zu bestehen. Laut einer Umfrage des Insa-Instituts für die „Bild“-Zeitung sagten 57% der Befragten, dass sie in den nächsten Wochen keine Produkte über 250,- Euro kaufen wollen. Nur 17% können sich vorstellen, mehr als die genannte Summe auszugeben.

Wie schlecht die Stimmung in der Bevölkerung ist, zeigt der gestern veröffentlichte GfK-Konsumklimaindex. Die Nürnberger Marktforscher führen monatlich 2.000 Telefoninterviews durch und befragen Verbraucher nach ihren Wünschen, Sorgen und Meinungen. So tief wie zur Corona-Krise stand das Stimmungsbarometer noch nie. Für den Monat Mai prognostizieren die Marktforscher einen Einbruch des Index um 25,7 Zähler auf minus 23,4 Punkte. Vor allem die Sorgen vor Einkommenseinbußen und Arbeitsplatzverlust lässt die Menschen zögern, Neuanschaffungen in der nächsten Zeit zu tätigen. Ebenfalls eingebrochen ist der Index für die Einkommenserwartungen. Gegenüber dem Vormonat fiel der Index um 47,1 Punkte auf minus 19,3 Zähler - noch nie wurde seit der Beginn der Erhebungen im Jahr 1980 ein tieferer Wert gemessen. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass die Umfragen zwischen dem 1. und 14. April erfolgten. Mit großer Wahrscheinlichkeit dürften die Ergebnisse nach den zuletzt verkündeten Lockerungsmaßnahmen inzwischen besser ausfallen.

Eine interessante Studie aus unserem Haus zu dem Thema „Corona und Konsum“ finden Sie hier.

 

Einkaufsmanagerindizes zeichnen ein düsteres Bild

Die Zurückhaltung der Konsumenten bekommen auch der Dienstleistungssektor und das verarbeitende Gewerbe zu spüren. Gemäß den Vorabergebnissen der Umfrage von IHS Markit unter den europäischen Einkaufsmanagern liegt der Composite-Einkaufsmanagerindex im April nur noch bei 13,5 Punkten, nach 29,5 Zählern im März. Ein historischer Tiefststand! In Deutschland sieht das Bild nicht viel anders aus. Auch hier fiel der Composite-Einkaufsmanagerindex deutlich - von 35,0 auf 17,1 Punkte.

Werte über 50 Punkten weisen in der Regel auf eine Zunahme der gesamtwirtschaftlichen Produktion hin. Wann dieses Niveau wieder erreicht wird, ist ungewiss und von verschiedenen Faktoren abhängig. Laut Stefan Bielmeier, Bereichsleiter Research und Chefvolkswirt der DZ BANK AG, ist unter anderem ausschlaggebend, wie lange der Shutdown noch dauert und ob bei einer Lockerung eine zweite Pandemiewelle verhindert werden kann. Denn wenn der europaweite Shutdown bald ausreichend gelockert werden kann, ohne dass die Infektionszahlen wieder durch die Decke schießen, kann es gelingen, dass das Licht im Euro-Raum nicht vollends ausgeht und die wirtschaftliche Erholung wieder Fahrt aufnimmt.

Der heute Morgen veröffentliche ifo- Geschäftsklimaindex bestätigt die schlechte Stimmung innerhalb der deutschen Wirtschaft. Der wichtige Frühindikator hat seinen Absturz fortgesetzt und ist im April von 85,9 auf 74,3 Punkte gefallen. Hierbei handelt es sich um den bis dato stärksten Rückgang und gleichzeitig tiefsten Stand seit Beginn der Erhebung.

 

Weitere aktuelle Informationen zur Corona-Krise erhalten Sie täglich auf Stefan Bielmeiers Blog. Lesen Sie die Essenz aus der täglichen Datenflut und machen Sie sich das Expertenwissen zunutze.

  •  
  •  
  •  
  •  
(Bewertungen: 3)

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Jede Woche gibt es die dzbank-derivate-Newsletter für angemeldete Nutzer per E-Mail direkt auf Ihren Bildschirm: das Neueste zum Marktgeschehen an den internationalen Börsenplätzen mit Markt- und DAX-Analysen, einem speziellen Strategieteil und der Knowhow-Rubrik dzbank-derivate-Expertenlounge.