Neues auf dzbank-derivate.de / 17.03.2020 | 12:30:58 Werbung

Corona-Krise - wie geht es weiter?

Marcus Landau
Autor Marcus Landau

Senior Manager Public Distribution bei der DZ BANK

Die Welt hält den Atem an! Rund um den Globus kommt in vielen Ländern das öffentliche Leben zum Erliegen. Unser Bereichsleiter Research und Chefvolkswirt Stefan Bielmeier analysiert in seinem Blog die aktuelle Lage und erläutert, welche Auswirkungen das Coronavirus möglicherweise auf Wirtschaft und Börse hat.

Marcus Landau
Autor Marcus Landau

Senior Manager Public Distribution bei der DZ BANK

EZB und Bundesregierung handeln

Außerhalb Chinas steigt die Zahl der Corona-Infizierten dynamisch an. Inzwischen gilt Europa als Epizentrum des Virus. Aktuell vergeht kein Tag, an dem die Sicherheitsvorkehrungen und die Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionskrankheit nicht verschärft werden. Inwieweit sich die getroffenen Vorkehrungen positiv bemerkbar machen, lässt sich derzeit nicht sagen. Um die Folgen für die Wirtschaft zu reduzieren, passt die EZB ihre geldpolitischen Maßnahmen an und die Bundesregierung leistet finanzielle Hilfe.

Stefan Bielmeier begrüßt diese Beschlüsse. Die EZB hat das Einzige getan, was in ihrer Macht steht. Sie stellt durch die Bereitstellung günstiger und ausreichender Liquidität sicher, dass Banken dank adäquater Refinanzierung ihrer Aufgabe, die Realwirtschaft mit Krediten zu versorgen, nachkommen können. Von staatlicher Seite sind dagegen fiskalpolitische Maßnahmen für die Bevölkerung und vor allem für Unternehmen angekündigt worden. Die jetzigen Maßnahmen bestehen aus flexibleren Regeln für Kurzarbeitergeld, steuerlichen Liquiditätshilfen und einem „Schutzschild“ für Unternehmen sowie Mitteln zur Stärkung des europäischen Zusammenhaltes. Mittelfristig soll es auch noch ein Konjunkturpaket geben, das dann notwendige Wachstumsimpulse geben soll.

 

Die Corona-Rezession wird kommen

Vermutlich werden die Konjunkturdaten trotz dieser Maßnahmen in den Keller rauschen. Laut unserem Chefvolkswirt wird sich eine Rezession nicht vermeiden lassen. Konjunkturdaten aus China vermitteln einen ersten Eindruck. So ist die Industrieproduktion in der Volksrepublik im Februar um ein Viertel gegenüber dem bereits schwachen Vormonat geschrumpft. Der Output lag im Januar und Februar zusammengenommen mehr als 13% unter dem Niveau desselben Zeitraums von 2019. Die Einzelhandelsumsätze sind zeitgleich sogar um mehr als 20% gegenüber dem Vorjahr eingebrochen. Berücksichtigt man die aktuell hohe Inflation, dürften sie in realer Rechnung sogar um rund ein Viertel eingeknickt sein. Auch die Bautätigkeit verbucht Verluste von knapp einem Viertel gegenüber dem Vorjahr.

Wie tief die Rezession in Deutschland bzw. Europa ausfällt, lässt sich aus jetziger Sicht noch nicht sagen. Dies hängt letztendlich von den endgültig getroffenen Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus ab. Aber eine tiefe Rezession in H1 ist laut Stefan Bielmeier nahezu unausweichlich. Der wirtschaftliche Verlauf in H2 2020 hängt zurzeit davon ab, ob die Einschränkungen anhalten oder zum Sommer hin gelockert oder aufgehoben werden. Viel wird hier von der Entwicklung wirksamer Medikamente abhängen. Sobald diese vorliegen, ist der begrenzende Faktor - die Zahl der Intensivbetten - nicht mehr so relevant, da man dann einen Großteil der Risikopatienten behandeln könnte und eine Intensivbehandlung vermieden werden kann. In diesem Fall dürfte sich das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in H2 wieder normalisieren und die Wirtschaft sich spürbar erholen. Staatliche Investitionsprogramme sollten hier unterstützend wirken.

 

Aktienmärkte bleiben unter Druck

Die Sorgen und die Unsicherheit, die durch das Coronavirus ausgelöst wurden, haben sich in den letzten Wochen und Tagen auch auf den Aktienmarkt übertragen. Innerhalb kürzester Zeit rauschten die Märkte weltweit in die Tiefe. Ein Ende dieser Turbulenzen ist laut Stefan Bielmeier vorerst nicht zu erwarten. Seiner Meinung nach sollten die Märkte in den kommenden Wochen noch eine Achterbahnfahrt vor sich haben, hin- und hergerissen zwischen schlechten wirtschaftlichen Nachrichten und aufkeimender Hoffnung. Zudem glaubt er, dass es möglicherweise zu früh ist, auf eine nachhaltige Kurserholung zu setzen, die Tiefpunkte an den Aktienmärkten könnten noch vor uns liegen.

Allerdings sieht er Deutschland relativ gut aufgestellt, weshalb wir relativ gut durch die Krise kommen könnten. Umso mehr ist es auch wichtig, dass sich Deutschland für den Zusammenhalt in Europa und der EU einsetzt. Ein stabiles Europa ist die Voraussetzung für eine stabile gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden Jahren.

Mehr zu diesem und vielen anderen Themen erfahren Sie auf Stefan Bielmeiers Blog. Lesen Sie die Essenz aus der täglichen Datenflut und machen Sie sich das Expertenwissen zunutze.

Des Weiteren sind in unseren letzten Webinaren die Referenten umfangreich auf die aktuelle Marktsituation eingegangen.

 

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