Neues auf dzbank-derivate.de / 27.03.2020 | 10:10:08 Werbung

Corona-Krise lässt Wirtschaftsindikatoren einbrechen

Marcus Landau
Autor Marcus Landau

Senior Manager Public Distribution bei der DZ BANK

Dass der Ausbruch der Coronavirus-Epidemie die Wirtschaft belastet, ist in den letzten Wochen allen bewusst geworden. Wie groß der Schaden möglicherweise werden könnte, zeigen die in dieser Woche veröffentlichten Konjunkturindikatoren.

Marcus Landau
Autor Marcus Landau

Senior Manager Public Distribution bei der DZ BANK

Wirtschaftsindikatoren auf historischen Tiefständen

Anfang der Woche wurden die vorläufigen Ergebnisse der Befragung der Einkaufsmanager im Euroraum durch IHS Markit veröffentlicht. Der umfassende Composite-Index für die Eurozone brach im Vergleich zum Februar um 20,2 Punkte auf 31,4 Punkte ein. Das ist der größte monatliche Rückgang der Geschäftstätigkeit seit der ersten Erhebung vergleichbarer Daten im Juli 1998. Gleichzeitig ist es der niedrigste jemals gemessene Wert. Der vorherige Tiefststand wurde während der Finanzkrise im Februar 2009 mit 36,2 Punkten erreicht. Besonders hart traf es diesmal den Dienstleistungssektor, insbesondere die konsumorientierten Branchen wie den Reise- und Tourismussektor sowie das Gaststättengewerbe. Der entsprechende Index fiel von 52,6 Punkten im Februar um etwas mehr als 24 Punkte auf 28,4 Punkte und übertraf damit den vorherigen Tiefststand der Umfrage von 39,2 Punkten (im Februar 2009) bei weitem.

Ähnlich düster sehen die Mitte der Woche veröffentlichten Zahlen des ifo-Geschäftsklimaindex aus. Mit fast zehn Prozentpunkten - von 96,0 auf 86,1 - brach der Index so stark ein wie noch nie seit dem Jahr 1991. Der aktuelle Stand ist der niedrigste Wert seit Juli 2009. Während sich der Rückgang bei der Einschätzung der aktuellen Lage noch in Grenzen hält, sind die Geschäftserwartungen der Unternehmen massiv eingebrochen. Laut dem in München ansässigen Institut steht die deutsche Wirtschaft unter Schock. Allein für Deutschland erwarten die ifo-Experten eine mindestens zwei Quartale lange schwere Rezession. Je nach Länge des Shutdowns ist mit einem BIP-Einbruch von -5% bis -20% zu rechnen.

Die Hoffnung, dass der Binnenkonsum einen Teil der wegfallenden Umsätze auffangen kann, ist spätestens mit den bundesweiten Ausgangsbeschränkungen gestorben. Der aktuelle Konsumklimaindex des Marktforschungsinstituts GfK belegt dies deutlich. So ist die Verbraucherstimmung in Deutschland mit 2,7 Punkten so niedrig wie seit der Finanzkrise nicht mehr. 

 

Hilfs- und Investitionsprogramme machen Hoffnung

Laut Stefan Bielmeier, Bereichsleiter Research und Chefvolkswirt der DZ BANK AG, ist eine tiefe Rezession im Euroraum aufgrund der Corona-Krise nicht mehr zu vermeiden. Um eine Pleitewelle bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen zu verhindern, fordert er die Staaten und Notenbanken auf, schnelle, zielgerichtete und ausreichende Hilfe zu leisten.

Inzwischen ist in diesem Bereich auch einiges geschehen. So haben die beiden großen Notenbanken Fed und EZB bereits große Hilfsprogramme zur Stützung der Finanzmärkte angekündigt. Die Regierungen wiederum kümmern sich darum, dass die Liquiditäts- und Kapitalversorgung der Unternehmen und privaten Haushalte gesichert ist. Gleichzeitig werden großvolumige Investitionsprogramme angekündigt, die die notwendigen Wachstumsimpulse geben sollen.

Infolge dieser Maßnahmen sind die Aktienmärkte diese Woche stark gestiegen. Kurzfristig rechnet Stefan Bielmeier jedoch nicht damit, dass die Euphorie an den Finanzmärkten anhält. Seiner Ansicht nach sind viele positive Nachrichten und Hoffnungen nun erstmal eingepreist. Allerdings betont er auch, dass man sich auch vergegenwärtigen muss, dass es zurzeit für rund 2,6 Mrd. Menschen eine Art Ausgangssperre gibt. Das gesamte Ausmaß der wirtschaftlichen Folgen wird erst allmählich sichtbar und es dürfte sich immer wieder Ernüchterung einstellen. Stefan Bielmeier prognostiziert daher noch einige Zeit ein kräftiges Auf und Ab bei den Kursen. Was bei der Dimension dieser Krise auch ein ganz normaler Verlauf wäre.

 

Weitere aktuelle Informationen zur Corona-Krise erhalten Sie täglich auf Stefan Bielmeiers Blog. Lesen Sie die Essenz aus der täglichen Datenflut und machen Sie sich das Expertenwissen zunutze.

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