Neues auf dzbank-derivate.de / 20.03.2020 | 10:08:04 Werbung

Corona-FAQ - Welche Auswirkungen hat das Virus auf die Wirtschaft?

Marcus Landau
Autor Marcus Landau

Senior Manager Public Distribution bei der DZ BANK

Der Ausbruch des Coronavirus hat die Weltwirtschaft an den Rand des Abgrunds gebracht. Der Bereichsleiter Research und Chefvolkswirt der DZ BANK AG Stefan Bielmeier analysiert in seinem Blog täglich die aktuelle Lage und erläutert, welche Auswirkungen die Infektionskrankheit möglicherweise auf die Konjunktur hat. Die wichtigsten Fragen und Antworten haben wir für Sie zusammengefasst.

Marcus Landau
Autor Marcus Landau

Senior Manager Public Distribution bei der DZ BANK

1. Warum hat die Ausbreitung des Coronavirus so große Effekte auf die Weltwirtschaft?

Stefan Bielmeier geht in seinem Blog ausführlich auf die fortschreitende Corona-Krise und ihre Auswirkungen auf die Weltwirtschaft ein:

Zu Beginn der Corona-Krise wurden in China und im angrenzenden asiatischen Raum zahlreiche Betriebsabläufe gestört bzw. fielen ganz aus. Dies führte zu massiven Störungen bei den globalen Lieferketten. Da die Produktion als Erstes betroffen war, beschränkte sich die Krise anfangs auf das Angebot. Doch durch die gesellschaftlichen Einschränkungen und die breitflächigen Quarantänemaßnahmen wird daraus nun eine nachfragegetriebene Krise.

Für die europäische Industrie kommt die Corona-Krise zur Unzeit, da sie sich gerade erst von einer Schwächephase schrittweise erholt. Nun drohen der Industrie angebotsseitige Engpässe aufgrund fehlender Vorprodukte und krankheitsbedingter Produktionsausfälle. Zudem werden das Transport-, Hotel- und Gaststättengewerbe deutliche Umsatzeinbußen verzeichnen. Absagen von Großveranstaltungen und das Stornieren von Reisen belasten den Tourismussektor. Zusätzlich bremsen die dämpfenden Effekte entlang der Wertschöpfungsketten über die EWU-Ländergrenzen hinweg.

Aktuell sind in den USA die wirtschaftlichen Folgen des Virus noch nicht so drastisch zu spüren wie hierzulande. Mit dem weiteren Anstieg der Infektionszahlen wird aber auch dort aller Voraussicht nach in Kürze das öffentliche Leben eingeschränkt, was die Kauflaune der Verbraucher deutlich einbrechen lassen sollte.

Ein weiteres Risiko geht vom Bankensektor aus, welcher bislang noch nicht ernsthaft betroffen war. Sollte es allerdings zu einer breiten Insolvenzwelle kommen, wären die Belastungen auch bei den Banken deutlich spürbar und könnten hier wiederum eine Bankenkrise auslösen. In diesem Fall würde der kriselnde Bankensektor als eine Art Brandbeschleuniger wirken und die Rezession vertiefen und verlängern.

 

2. Droht uns eine Corona-Rezession?

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise lassen sich weiterhin nur schwer abschätzen. Laut Stefan Bielmeier ist eine tiefe Rezession im ersten Halbjahr nahezu unausweichlich. Der wirtschaftliche Verlauf im zweiten Halbjahr 2020 hängt zurzeit davon ab, ob die Einschränkungen anhalten oder zum Sommer hin gelockert oder aufgehoben werden. Viel wird hier von der Entwicklung wirksamer Medikamente abhängen. Sobald diese vorliegen, ist der begrenzende Faktor - die Zahl der Intensivbetten - nicht mehr so relevant, da man dann einen Großteil der Risikopatienten behandeln könnte und eine Intensivbehandlung vermieden werden kann. In diesem Fall dürfte sich das gesellschaftliche Leben im zweiten Halbjahr wieder normalisieren und sich die Wirtschaft spürbar erholen. Staatliche Investitionsprogramme sollten hier unterstützend wirken.

 

3. Wie stark wird die Rezession ausfallen?

Noch sind die Folgen der Corona-Krise nicht in den realwirtschaftlichen Daten sichtbar, aber die ersten Wachstumsprognosen werden bereits diskutiert. Die Auswirkungen des aktuellen „Shutdown“ in Europa lassen sich nur schwer greifen. Stefan Bielmeier und sein Team haben daher versucht, die Effekte zu berechnen. Dabei haben sie nicht die Nachfrageseite analysiert, sondern die Entstehungsseite des Bruttoinlandsprodukts. Wenn man die aktuellen Ankündigungen zusammennimmt, kann man mit einem Rückgang des BIP von rund 2% pro Monat rechnen. Wenn der aktuelle Zustand also 1 Jahr anhält, würde das deutsche BIP um etwa 25% fallen. Diese Zahl alleine zeigt, dass dies selbst die deutsche Volkswirtschaft nicht verkraften würde. Hier muss es daher eine andere Lösung geben. Stefan Bielmeier geht aktuell davon aus, dass das wirtschaftliche Leben etwa im Mai langsam wieder in den Normalzustand übergeht. Unter dieser Annahme kann man für dieses Jahr in Deutschland mit einem BIP-Rückgang von etwa 5% rechnen. Im Euroraum dürfte die Rezession sogar noch tiefer ausfallen.

 

4. Folgt nach dem wirtschaftlichen Abschwung auch wieder ein Aufschwung?

Noch schwieriger als die Tiefe der Rezession ist laut Stefan Bielmeier der anschließende Aufschwung abzuschätzen. In den letzten Tagen wurde eine Vielzahl an Fiskalprogrammen angekündigt. Diese können leicht mehr als 15% des Welt-BIP ausmachen. Die positive Wirkung auf die Konjunktur hängt dabei natürlich vom zeitlichen Rahmen der Implementierung ab, aber man kann bei dem bis jetzt angekündigten Umfang der Programme von einem mehrjährigen positiven Impuls ausgehen. Dies will natürlich auch finanziert werden. Das Angebot an Anleihen der Länder dürfte also kräftig steigen und damit wohl auch die Renditen. Mittelfristig sollten laut Stefan Bielmeier auch die Aktienmärkte profitieren.

 

Weitere aktuelle Informationen zur Corona-Krise erhalten Sie täglich auf Stefan Bielmeiers Blog. Lesen Sie die Essenz aus der täglichen Datenflut und machen Sie sich das Expertenwissen zunutze.

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