Einblick / 20.10.2017 | 10:19:54 Werbung

Zukunftstrends: Künstliche Intelligenz

Steffen Droemert
Autor Steffen Droemert

Wirtschaftsjournalist bei menthamedia, wo er u. a. die Bereiche Technische Analyse und strukturierte Produkte betreut.

Fluch oder Segen? Kaum ein Thema wird so kontrovers diskutiert wie künstliche Intelligenz (KI, oder auch artifizielle Intelligenz, AI). Während die einen sich von der neuen Technologie Hilfe und Fortschritt in vielen Bereichen erhoffen, fürchten die anderen nicht weniger als das Ende der Menschheit. Unumstritten ist aber, dass künstliche Intelligenz immer mehr in unseren Alltag einziehen wird und unser Leben maßgeblich beeinflussen kann.

Steffen Droemert
Autor Steffen Droemert

Wirtschaftsjournalist bei menthamedia, wo er u. a. die Bereiche Technische Analyse und strukturierte Produkte betreut.

Was ist künstliche Intelligenz? Eine genaue Definition für diesen Begriff existiert nicht, und auch unter Wissenschaftlern und Experten ist umstritten, ab wann eine Maschine als intelligent bezeichnet werden kann. Vereinfacht gesagt, sollen bei der künstlichen Intelligenz bestimmte Aspekte des menschlichen Denkens auf Computer und Maschinen übertragen werden, die dann letztendlich eigenständig Probleme bearbeiten können. Zudem lernt das System aus seinen Fehlern und passt sein Handeln dementsprechend an. Es wird unterschieden zwischen der starken KI und der schwachen KI. Die starke KI ähnelt dem menschlichen Verhalten und ist in der Lage, selbstständig intelligent zu agieren. Die schwache KI beschränkt sich dagegen nur auf konkrete Anwendungsprobleme und simuliert intelligentes Verhalten mittels mathematischer Algorithmen und gigantischer Datenbanken. Während die starke KI noch eine reine Zukunftsvision ist, ist die schwache KI heutzutage schon häufig anzutreffen, beispielsweise in Computerspielen, Bilderkennungssoftware oder in persönlichen Computerassistenten wie Siri und Alexa. In Zukunft könnte der Einsatzbereich nahezu grenzenlos sein, vor allem in Verbindung mit dem Internet of Things sind zahlreiche Anwendungen denkbar.  Aber auch in der Automobilbranche - Stichwort „Autonomes Fahren“ - wird künstliche Intelligenz eine wichtige Rolle spielen, z.B. um Verkehrsschilder zu erkennen oder Gefahrensituationen selbstständig einzuschätzen.

 

KI sorgt für Wachstum

Künstliche Intelligenz wird viele Industrien und Geschäftsfelder verändern und für einen Wachstumsschub sorgen. Laut einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens McKinsey könnte allein in Deutschland durch den Einsatz intelligenter Roboter und selbstlernender Computer das Bruttoinlandsprodukt bis zum Jahr 2030 um 4% ansteigen. Verantwortlich hierfür sind eine höhere Produktivität, geringere Kosten und ein effizienterer Einsatz der Belegschaft. McKinsey prognostiziert  beispielsweise in der Fertigungsindustrie eine um 20% verbesserte Anlagennutzung sowie eine um ebenfalls 20% höhere Produktivität. Zudem können die freigewordenen Kapazitäten vermehrt für wertschöpfende und interessante Aufgaben eingesetzt werden.

 

Zu den größten Profiteuren der künstlichen Intelligenz gehören laut einer Studie des Beratungsunternehmens Accenture voraussichtlich die IT- und Kommunikationsbranche, die produzierende Industrie und der Finanzdienstleistungssektor. Bis 2035 rechnen die Experten in diesen Bereichen mit einem jährlichen Wachstumspotenzial von rund 4,5%. Neben den bekannten Global Playern aus den jeweiligen Branchen werden sich in den nächsten Jahren vermutlich zahlreiche neue Unternehmen anschicken, einen Teil des großen Kuchens zu ergattern. Investoren und Anleger, die sich hier positionieren, können an der Entwicklung der Unternehmen partizipieren.

 

Skepsis gegenüber der neuen Technologie

Trotz aller Euphorie für eine neue Technologie gibt es auch zahlreiche Stimmen, die sich skeptisch gegenüber der künstlichen Intelligenz äußern. Bei einer durch die Kommunikationsagentur Syzygy AG durchgeführten Befragung von jeweils 2.000 Menschen in Deutschland, Großbritannien und den USA zu diesem Thema äußerten sich 25% besorgt und fürchteten, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre 30% der Arbeitsplätze durch den Einsatz künstlicher Intelligenz verloren gehen. 41% sehen in der intelligenten Technik sogar eine Bedrohung für die Menschheit - eine Meinung, die sie mit so mancher prominenten Persönlichkeit teilen. 2015 hatten tausende renommierte IT-Experten und Wissenschaftler, darunter Tesla-Gründer Elon Musk und Astrophysiker Stephen Hawking, vor künstlicher Intelligenz in der Waffenindustrie gewarnt. Ihrer Ansicht nach sind die Risiken autonomer Waffensysteme zu groß. Zudem besteht die Gefahr, dass sich intelligente Systeme und Maschinen - ähnlich einem Science-Fiction-Szenario - irgendwann gegen ihren menschlichen Schöpfer erheben könnten. Aus diesen Gründen fordern die Kritiker strengere Regulierungen durch Regierungen. Nichtsdestotrotz sieht die Mehrheit der befragten Menschen Vorteile in der neuen Technologie. Allein in Deutschland erhoffen sich über 50% eine Erleichterung in Arbeit und Alltag durch den Einsatz künstlicher Intelligenz.

 

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