Einblick / 02.06.2017 | 11:52:08 Werbung

Zukunftstrends: Internet der Dinge

Steffen Droemert
Autor Steffen Droemert

Wirtschaftsjournalist bei menthamedia, wo er u. a. die Bereiche Technische Analyse und strukturierte Produkte betreut.

Der Kaffee ist bereits fertig, wenn wir aufstehen, der Kühlschrank meldet dem Supermarkt, wann die Milch zu Ende geht, und der Autoreifen schickt eine Nachricht auf das Handy, wenn das Profil abgefahren ist - noch mag das wie Zukunftsmusik klingen, doch bald könnte dies und noch vieles mehr Realität sein. Bereits heute sind wahrscheinlich schon mehr Dinge mit dem Internet und untereinander vernetzt als Menschen auf der Erde leben. Einer Studie des Research- und Beratungshauses Gartner zufolge kommen jeden Tag über fünf Millionen neue Geräte hinzu. Wie kaum eine Entwicklung zuvor hat das Internet der Dinge das Potenzial, das Privatleben, die Arbeit und Produktivität sowie das Konsumverhalten von Milliarden von Menschen nachhaltig zu verändern.

Steffen Droemert
Autor Steffen Droemert

Wirtschaftsjournalist bei menthamedia, wo er u. a. die Bereiche Technische Analyse und strukturierte Produkte betreut.

Die Vernetzung der Dinge wird als dritte Welle in der Geschichte des Internets gesehen. Als erste Welle wird das in den 90er Jahren entstandene stationäre Internet auf Rechnern und PCs bezeichnet. Damals wurden rund eine Milliarde Menschen auf diesem Weg vernetzt. Als Nächstes folgte das mobile Internet auf Laptops, Smartphones und Tablets. Dadurch verdoppelte sich die Anzahl der Nutzer auf rund zwei Milliarden. Auch wenn diese Zahlen schon beeindruckend sind, gegenüber dem Potenzial des Internets der Dinge sind sie verschwindend klein. Das Analystenhaus Machina Research schätzt, dass bis zum Jahr 2025 rund 25 Milliarden Dinge miteinander kommunizieren werden. Ausgehend von sechs Milliarden vernetzten Gegenständen im Jahr 2015 wäre dies eine Wachstumsrate von rund 16% pro Jahr. 2025 wird nach Schätzungen von Machina Research allein das Internet der Dinge Daten von über zwei Zettabyte (eine 1 mit 21 Nullen) produzieren.

 

Unendliches Potenzial

In Zukunft werden immer mehr Maschinen und Gegenstände wie beispielsweise Autos und Haushaltsgeräte mit dem Internet verbunden sein. Schon heute gehören internetfähige Überwachungskameras, Babyphones oder ferngesteuerte Heizungen und andere sogenannte Smart-Home-Anwendungen mehr oder weniger zum Alltag. Vor allem im Konsumentenbereich ist das Potenzial nahezu unendlich, aber welche Entwicklungen von den Verbrauchern letztendlich akzeptiert werden und sich durchsetzen können, wird sich erst im Laufe der Jahre zeigen.

 

Nahezu unbegrenzt sind auch in der Industrie die Möglichkeiten der Vernetzung von Maschinen und Bauteilen. Während allerdings im Privatbereich das Internet der Dinge in erster Linie das Leben vereinfachen soll, ist in der Industrie das Ziel, die Effizienz und Produktivität zu steigern sowie die Kosten zu senken. 

 

Bei aller Euphorie - das Internet der Dinge birgt auch zahlreiche Gefahren. Waren in der Vergangenheit hauptsächlich Computer von Hackerangriffen bedroht, könnte bald sogar die internetfähige Zahnbürste von außen ferngesteuert werden. Sobald ein Gerät über eine eigene IP-Adresse verfügt und der Zugang nur unzureichend geschützt ist, können Außenstehende Schadsoftware installieren. Was im privaten Bereich schon sehr ärgerlich sein kann und zahlreiche Funktionen im Haus möglicherweise beeinträchtigt, kann in der Industrie zu Produktionsausfällen, fehlerhaften Produkten und Verlusten führen.

 

In die Zukunft investieren

Obwohl das Internet der Dinge inzwischen den Kinderschuhen entwachsen ist, machen die oben genannten Wachstumszahlen deutlich, welches Potenzial noch darin steckt. BI Intelligence rechnet in ihrer jüngsten Studie mit Investitionen in die Zukunftstechnologie von rund 4,8 Billionen US-Dollar auf die nächsten fünf Jahre verteilt. Zum Vergleich: Das weltweite Bruttoinlandsprodukt betrug im letzten Jahr laut Internationalem Währungsfonds (IWF) knapp über 75 Billionen US-Dollar.

 

Welche Unternehmen letztendlich von dieser Entwicklung am meisten profitieren, kann heute noch nicht gesagt werden. In vielen Konzernen könnte das Internet der Dinge zu deutlichen Produktivitätssteigerungen und niedrigeren Kosten führen. Zudem gehören sicherlich Technologieunternehmen zu den Nutznießern. In den nächsten Jahren wird sich vor allem soft- und hardwareseitig einiges verändern. So werden beispielsweise Sensoren und Kameras eine immer größere Rolle spielen, und auch die Sicherheitsrisiken und die unglaublichen Datenmengen gilt es in den Griff zu bekommen. Ferner werden auch zahlreiche neue Geschäftsmodelle entstehen, von denen wir heute noch nicht zu träumen wagen.

 

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