Einblick / 29.09.2017 | 11:49:53 Werbung

Zukunftstrends: Die Blockchain

Steffen Droemert
Autor Steffen Droemert

Wirtschaftsjournalist bei menthamedia, wo er u. a. die Bereiche Technische Analyse und strukturierte Produkte betreut.

Aktuell gibt es über 1.000 Kryptowährungen und es werden wöchentlich mehr, die bekanntesten Vertreter sind Bitcoin, Ether und Ripple. Den digitalen Währungen wird eine große Zukunft bescheinigt - zahlreiche Experten erwarten, dass sie unser Papiergeld immer weiter verdrängen und am Ende sogar überflüssig machen könnten. Möglich macht dies eine Technologie, die allerdings noch viel mehr kann und unser Leben in so manchen Bereichen verändern könnte: die Blockchain.

Steffen Droemert
Autor Steffen Droemert

Wirtschaftsjournalist bei menthamedia, wo er u. a. die Bereiche Technische Analyse und strukturierte Produkte betreut.

Den Begriff Blockchain haben vermutlich schon viele gehört, vor allem diejenigen, die sich näher mit dem Phänomen Bitcoin & Co. beschäftigen, doch was wirklich dahintersteckt, wissen die wenigsten.

 

Was ist die Blockchain?

Im Grunde ist die Blockchain eine Art dezentrale Datenbank, d.h. sie liegt nicht wie eine klassische Datenbank auf einem Server, sondern ist auf viele Rechner verteilt. In dieser Datenbank werden Transaktionen in Blöcken, welche zu einer Kette verbunden sind - daher auch der Name -, abgespeichert. Die Transaktionen sind dabei nicht auf finanzielle Transaktionen beschränkt, sondern können auch jede andere Art von Information beinhalten. Mit der Anzahl der Transaktionen wächst auch die Blockchain. Jeder neue Block ist mit den vorherigen Blöcken verbunden und enthält deren Transaktionshistorie in Form einer Prüfsumme. Dadurch wird jeder Block authentifiziert und versiegelt. Auf diese Weise können die Transaktionen im Nachhinein nicht verändert werden. Die Erstellung eines Blocks sowie dessen Verschlüsselung werden als Mining bezeichnet. Hierfür muss der Miner ein mathematisches Problem lösen, welches je nach Länge der Blockchain immer schwieriger wird und mehr Rechenleistung und somit auch mehr Strom benötigt. Im Falle der Bitcoin-Blockchain erhält der Miner für seine Tätigkeit eine Entlohnung in Form von Bitcoins.

 

Vorteile der Blockchain

Die Blockchain gilt als nahezu 100% sicher. Um sie zu manipulieren, müsste der Angreifer mindestens 50% des Netzwerkes unter seine Kontrolle bringen. Dies ist aber fast unmöglich, da hierfür eine riesige Rechenleistung nötig ist. Selbst die derzeit 500 weltweit leistungsstärksten Rechner würden es zusammen nicht einmal auf 0,01% der Rechenleistung des Bitcoin-Netzwerkes bringen.

 

Gegenüber klassischen Datenbanken und Cloud-Lösungen hat die Blockchain zahlreiche Vorteile. In erster Linie ist hier ihre dezentrale Natur zu nennen. Fällt beispielsweise bei einer Datenbank der Server aus, ist ein Zugriff nicht mehr möglich. Ähnlich sieht es bei Hackerangriffen auf Cloud-Technologien aus. Bei einer Blockchain fallen ein oder mehrere Ausfälle nicht ins Gewicht, da die übrigen Knoten weiter funktionsfähig sind.

 

Ebenfalls ein Pluspunkt ist, dass die Blockchain im Gegensatz zu den klassischen Lösungen keine große Infrastruktur benötigt. Die in der Blockchain getätigten und gespeicherten Transaktionen sind real und werden automatisch verifiziert, es wird somit keine Art Mittelsmann zur Verwaltung und Beglaubigung benötigt. In Zukunft könnte dies zahlreiche Geschäftsmodelle deutlich vereinfachen, z.B. den Zahlungsverkehr oder den Wertpapierhandel.

 

Anwendungsmöglichkeiten der Blockchain

Bis dato sind die Anwendungen, welche auf Basis einer Blockchain funktionieren, überschaubar. Den größten Anteil machen im Moment ganz klar die Kryptowährungen aus. In Zukunft könnte sich dies allerdings ändern.

 

Die Blockchain ermöglicht beispielsweise sogenannte Smart Contracts. Dies sind Verträge, welche ohne eine dritte Partei, wie beispielsweise einen Notar, zustande kommen könnten und trotzdem rechtssicher wären. So tritt der Vertrag bei Erfüllung von bestimmten Bedingungen - ähnlich einer „Wenn-Dann-Bedingung“ - in Kraft. Vorstellbar wäre dies beispielsweise bei einem Autokauf: sobald der vereinbarte Kaufbetrag auf dem Konto eingegangen ist, wird das Auto für den neuen Besitzer freigeschaltet. Ebenfalls denkbar wäre auch ein Grundbuch auf Basis der Blockchain-Technologie.

 

Interessant könnte die Blockchain auch für das Internet of Things sein, wenn Millionen von Geräten miteinander kommunizieren und evtl. sogenannte Mikrozahlungen (Micro Payments) untereinander ausgetauscht werden müssen. Denn Kryptowährungen können nahezu beliebig gestückelt werden.

 

Betrachtet man die Vielzahl der Möglichkeiten, steckt die Blockchain-Technologie derzeit noch in den Kinderschuhen. Ob sie in den nächsten Jahren erwachsen wird, wird sich zeigen, aber nicht wenige Experten trauen ihr zu, eine ähnliche Revolution auszulösen wie das Internet.

 

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