Einblick / 16.06.2017 | 09:42:13 Werbung

Zukunftstrends: Autonomes Fahren

Steffen Droemert
Autor Steffen Droemert

Wirtschaftsjournalist bei menthamedia, wo er u. a. die Bereiche Technische Analyse und strukturierte Produkte betreut.

In Kalifornien gehören sie bereits zum Straßenbild, und auch bei uns werden wir in den nächsten Monaten und Jahren immer öfter Autofahrer sehen, die die Hände vom Lenkrad nehmen. Dem selbstfahrenden Auto gehört die Zukunft - es gilt als größte Innovation in der Autoindustrie seit der Einführung des Fließbandes.

Steffen Droemert
Autor Steffen Droemert

Wirtschaftsjournalist bei menthamedia, wo er u. a. die Bereiche Technische Analyse und strukturierte Produkte betreut.

Noch klingt es wie Zukunftsmusik: einsteigen, das Ziel bestimmen, zurücklehnen und ohne eigenes Zutun die Fahrt genießen. Doch geht es nach dem Beratungsunternehmen Roland Berger, könnte diese Fiktion in absehbarer Zeit Realität werden. Bereits 2020 rechnet das Münchner Unternehmen mit ersten hochautomatisierten Fahrzeugen auf Autobahnen. Fünf Jahre später soll die neue Generation der Autos auch in Städten unterwegs sein und ab 2030 prognostiziert Roland Berger völlig selbstständig fahrende Autos, in welchen der Fahrer keine aktive Rolle mehr übernimmt.

 

Schneller, bequemer und sicherer ans Ziel

Die Erwartungen an das selbstfahrende Auto sind enorm und die Veränderungen, die es eventuell mit sich bringt, könnten tiefgreifend sein. Schon heute werden in der Landwirtschaft autonome Fahrzeuge mit großem Erfolg eingesetzt. Laut McKinsey sind dadurch Arbeitskosteneinsparungen von bis zu 90% und eine CO2-Vermeidung bis 60% möglich. Daran wird deutlich, welches Potenzial beispielsweise in der Logistik und im Fernverkehr steckt. In Zukunft könnten autonome LKW Güter viel effizienter und kostengünstiger transportieren als heute.

 

Aufgrund der Vernetzung und Kommunikation der Fahrzeuge untereinander wird sich auch das Straßenbild drastisch verändern. Parkräume können dank automatischem Einparken besser genutzt, Staus reduziert und zahlreiche Unfälle vermieden werden. Ein weiterer positiver Effekt ist die neu gewonnene Zeit hinter dem Steuer, in welcher in Zukunft gearbeitet, kommuniziert und entspannt werden kann.

 

Ein Milliardenmarkt winkt

Industrie und Investoren machen sich berechtigte Hoffnungen auf einen neuen Milliardenmarkt. So prognostizieren beispielsweise Automobilexperten wie Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen, bis zum Jahr 2020 einen Umsatz von 55 Milliarden Euro mit Assistenzsystemen und teilweise autonom fahrenden Fahrzeugen. Im Jahr 2030 rechnet er sogar mit mehr als 300 Milliarden Euro Umsatz.

 

Ob allerdings die etablierten Automobilkonzerne zu den Gewinnern gehören werden, ist fraglich. Zwar sind die großen Hersteller nicht untätig und arbeiten teils mit Hochleistung an eigenen selbstfahrenden Fahrzeugen, doch auch neue Player wie beispielsweise Tesla, Uber oder eventuell sogar Apple dringen in den Markt ein. Zudem werden neben den Zulieferern von Sensoren und Kameras vor allem Softwarekonzerne und Start-ups von der neuen Technologie profitieren. So könnten beispielsweise Algorithmen und Programme, welche das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer erkennen und analysieren, ein mögliches Geschäftsfeld sein. Ferner müssen digitale Landkarten an die künftigen Herausforderungen angepasst werden und die Netze für Datenübertragung ausgebaut werden.

 

Aber auch für andere Branchen, die auf den ersten Blick wenig mit Automobilen zu tun haben, werden sich ganz neue Chancen und Märkte eröffnen. So müssen beispielsweise Versicherungen die Risiken überdenken und ihre Gebührenmodelle anpassen. Und zu guter Letzt will natürlich auch die freie Zeit in einem selbstfahrenden Auto möglichst sinnvoll genutzt werden - hier sind z.B. ganz neue Entertainment-Angebote denkbar. Welches Potenzial in diesem Bereich schlummert, macht eine Umfrage von Horváth & Partners und des Fraunhofer IAO deutlich. Demnach sind die Umfrageteilnehmer gewillt, für die sechs Bedürfniskategorien Kommunikation, Produktivität, Grundbedürfnisse, Wohlfühlen, Information und Unterhaltung durchschnittlich zwischen 20 und 40 Euro pro Monat auszugeben.

 

Die oben genannten Geschäftsmodelle und Innovationen sind nur ein kleiner Einblick in die Welt des autonomen Fahrens. Im Laufe der nächsten Jahre werden neue Player entstehen und bis dato unbekannte Bereiche erschließen. Anleger, die sich rechtzeitig positionieren, haben die Chance, an diesem möglichen Trend zu partizipieren.

 

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