Einblick / 10.05.2019 | 10:39:30 Werbung

Uber - der Börsengang des Jahres

Steffen Droemert
Autor Steffen Droemert

Wirtschaftsjournalist bei menthamedia, wo er u. a. die Bereiche Technische Analyse und strukturierte Produkte betreut.

  • Größter Börsengang seit 2014
  • 10 Mrd. US-Dollar Verlust in den letzten Jahren
  • Deutsche Automobilbauer bieten Alternativen an
Steffen Droemert
Autor Steffen Droemert

Wirtschaftsjournalist bei menthamedia, wo er u. a. die Bereiche Technische Analyse und strukturierte Produkte betreut.

Heute findet an der Wall Street der Börsengang des Jahres statt: Uber wagt den Sprung auf das Parkett. Sehnsüchtig wurde dieser Schritt des gemein als Fahrdienstleister bekannten Unternehmens erwartet. Mit einem Ausgabepreis von 45 US-Dollar und einer Bewertung von ca. 82 Mrd. US-Dollar handelt es sich hierbei um das größte IPO seit Alibaba im Jahr 2014.

 

Vom Limousinenservice zum Tech-Konzern

Uber wurde im Jahr 2009 in San Francisco gegründet. Ursprünglich bestand das Geschäftsmodell aus einem Limousinenservice - mittels App konnte schnell und einfach ein Auto angefordert werden. Der anfangs nur in San Francisco verfügbare Service kostete ungefähr 1,5-mal so viel wie ein Taxi. Trotz dieser Mehrkosten wurde das Ganze schnell ein Erfolg und erste Investoren investierten in das Start-up. In den nächsten Jahren expandierte Uber in zahlreiche andere Städte rund um den Globus und führte neue Angebote ein. So startete beispielsweise 2012 UberX. Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine Personenbeförderungsdienstleistung, die aber im Gegensatz zum Limousinenservice auf kleinere Autos und günstigere Preise setzt. Berühmt und vor allem in Deutschland heftig kritisiert wurde Uber mit dem Start von UberPop. Während UberBlack und UberX Fahrgäste an professionelle Fahrer mit Mietwagen vermitteln, können dank UberPop nun auch Privatpersonen mit eigenem Auto ihre Dienstleistung anbieten. Laut Beschluss des Frankfurter Landgerichts ist dieser Service in Deutschland derzeit allerdings nicht zulässig.

Neben der reinen Personenbeförderung bietet Uber noch zahlreiche andere Dienstleistungen an. So kann beispielsweise Essen per App bestellt und nach Hause geliefert werden. Ferner können Gesundheitsorganisationen mittels Uber Health-Fahrten organisieren und Patienten befördern lassen. Aber auch im Logistikbereich sieht Uber Potenzial. Über die Logistik-Plattform Uber Freight können Spediteure und Fahrer Frachten buchen. In Zukunft könnte Uber, ähnlich wie Google und Amazon, immer mehr von seinem Kerngeschäft abweichen und sich zu einem Technologiekonzern wandeln. Aktuell entwickelt das Unternehmen zusammen mit Partnern kleine, vertikal startende und landende Flugzeuge, die ab 2023 als Lufttaxi zwischen Vororten und Städten eingesetzt werden sollen. Zudem arbeitet Uber unter Hochdruck an der Realisierung des selbstfahrenden Autos.

 

Trotz Verlusten Milliarden wert

Von Anfang an war Uber bei Investoren heiß begehrt. Insgesamt haben die Kalifornier in den letzten zehn Jahren rund 20 Mrd. US-Dollar eingesammelt, um ihr Wachstum voranzutreiben. Die Liste der Geldgeber liest sich wie das Who’s who der Venture-Capital- und Tech-Szene. So gehören Goldman Sachs, Amazon-Chef Jeff Bezos, Google Ventures und Baidu zu den bekanntesten Investoren. Aktuell ist der größte Anteilseigner der japanische Telekommunikations- und Medienkonzern Softbank (16,3%), gefolgt von der US-Beteiligungsgesellschaft Benchmark Capital Partners (11,0%), den beiden Gründern Travis Kalanick (8,6%) und Garrett Camp (6,0%) sowie dem saudischen Staatsfonds (5,3%).

Das Gros der Investoren dürfte mit dem Börsengang ihr eingesetztes Kapital vervielfacht haben. Auf Basis des Ausgabepreises ist Uber aktuell rund 82 Mrd. US-Dollar wert. In dieser Bewertung steckt allerdings viel Phantasie, denn bis dato schreibt das Unternehmen tiefrote Zahlen. Trotz eines starken Wachstums und eines Anstiegs der Erlöse um rund 42% auf insgesamt 11,3 Mrd. US-Dollar schrieb Uber im vergangenen Jahr einen operativen Verlust von 3 Mrd. US-Dollar. Insgesamt summierten sich die Verluste in den Jahren 2016 bis 2018 auf mehr als 10 Mrd. US-Dollar. Dass hohe Verluste in den Phasen des Wachstums dazugehören, zeigten schon ganz andere Unternehmen, wie z.B. der Online-Händler Amazon, mit dem Uber-CEO Dara Khosrowshahi sein Unternehmen gerne vergleicht. Ob sich diese Erfolgsstory wiederholen lässt, wird sich im Laufe der nächsten Jahre zeigen. Lyft, ein direkter Konkurrent, ist ebenfalls dieses Jahr an die Börse gegangen. Bis dato enttäuscht die Kursentwicklung des in Nordamerika ansässigen Unternehmens.

 

Konkurrenz schläft nicht

In Deutschland ist Uber bis dato nur in wenigen Städten vertreten und darf auch nicht alle Dienste anbieten. Vor allem die Taxi-Branche sieht in dem US-Unternehmen eine Bedrohung und wehrt sich gegen eine Marktöffnung. Eine Gefahr, die auch die deutschen Autobauer erkannt haben. Als Antwort auf Uber versuchen sie daher Alternativen aufzubauen. So startete Volkswagen im vergangenen Jahr mit der Tochter Moia einen Shuttleservice, der per App gerufen werden kann. Aber auch BMW und Daimler sind nicht untätig und legten ihre Carsharing-Dienste unter dem Namen „ShareNow“ zusammen, um schneller zu wachsen und mehr Kunden zu erreichen.

 

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