Einblick / 13.12.2019 | 10:18:04 Werbung

TUI - Wachstumsmarkt Tourismus

Steffen Droemert
Autor Steffen Droemert

Wirtschaftsjournalist bei menthamedia, wo er u. a. die Bereiche Technische Analyse und strukturierte Produkte betreut.

Das Geschäftsjahr 2019 lief für TUI alles andere als gut. Vor allem die Probleme mit Boeing belasteten das Ergebnis. Doch die Tourismusbranche boomt, und auch die Pleite des Konkurrenten Thomas Cook könnte in Zukunft für Wachstum sorgen.

Steffen Droemert
Autor Steffen Droemert

Wirtschaftsjournalist bei menthamedia, wo er u. a. die Bereiche Technische Analyse und strukturierte Produkte betreut.

Durchwachsenes Geschäftsjahr 2019

Diese Woche veröffentlichte die TUI Group Zahlen für das im September abgelaufene Geschäftsjahr 2019. Während der Umsatz um 2,7% auf 18,9 Mrd. Euro zulegte, brach der um Sondereffekte bereinigte Gewinn (bereinigtes EBITA) um 25,6% auf 893 Mio. Euro ein. Der weltgrößte Reisekonzern litt in den letzten zwölf Monaten vor allem unter dem im März, nach zwei katastrophalen Abstürzen, verhängten Flugverbot für Flugzeuge des Typs Boeing 737 MAX. TUI hatte insgesamt 15 dieser Flugzeugmodelle im Einsatz und war somit gezwungen, Ersatzmaschinen zu ordern. Die Kosten, die durch dieses Verbot letztendlich entstanden, betrugen rund 293 Mio. Euro. Sollte das Startverbot auch im nächsten Jahr Bestand haben, rechnet der Konzern mit zusätzlichen Kosten in Höhe von 220 Mio. bis 270 Mio. Euro.

Während es in der Luft Probleme gab, lief das Geschäft im Wasser umso besser. Trotz der aktuellen Klimadebatte konnte TUI 2019 deutliche Zuwächse im Segment Kreuzfahrten verbuchen. Im Vergleich zum Vorjahr kletterte der Umsatz um 7,3% auf 965,8 Mio. Euro und das bereinigte EBITA um 13,0% auf 366,0 Mio. Euro. Der Urlaub auf dem Wasser erfreut sich großer Beliebtheit. Laut der deutschen Vertretung des internationalen Kreuzfahrtverbands Cruise Lines International Association (CLIA) stieg das Passagieraufkommen in Deutschland in der ersten Jahreshälfte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 17% auf knapp über 1 Million. Für das ganze Jahr werden rund 2,5 Mio. Passagiere erwartet. Damit das Wachstum auch in den nächsten Jahren anhält, sollen die Ozeanriesen nach und nach umweltfreundlicher werden. Hierfür wird vor allem in Technologien wie Abgasreinigungssysteme, Katalysatoren und Filter sowie neue Antriebskonzepte investiert.

Aber auch andere Bereiche wachsen kräftig. So erwartet TUI ein Rekordjahr für den Wintertourismus. Deutschlands größter Wintersport-Reiseveranstalter hat sein Portfolio weiter ausgebaut und bietet aktuell laut eigenen Angaben rund 1.000 Hotels sowie 23.000 Ferienhäuser und Apartments in 70 Skigebieten und 28 Ländern an. Bereits Anfang Dezember lagen die Buchungszahlen für die Alpendestinationen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien über den Vorjahreszahlen.

 

Mehrgeschäft dank Thomas-Cook-Pleite

Die Pleite von Thomas Cook im September dieses Jahres war ein Schock für die Reisebranche. Doch mittel- bis langfristig könnte TUI von der Insolvenz des Konkurrenten profitieren. Um die ehemaligen Thomas-Cook-Kunden aufzufangen, haben sich die Hannoveraner zusätzliche Hotelkapazitäten für den Sommer gesichert. Im Heimatmarkt des insolventen Reiseanbieters - Großbritannien - ist bereits ein Viertel der TUI-Angebote verkauft, was einem Plus gegenüber dem Vorjahr von 18% entspricht.

Weiteres Wachstum soll die Digitalstrategie von TUI bringen. Der Fokus des Programms „TUI 2022“ liegt auf der Erschließung neuer Märkte. Konzernchef Friedrich Joussen sieht vor allem in dem Geschäft mit Ausflügen und anderen Urlaubserlebnissen Potenzial. Den dazugehörigen Markt schätzt er weltweit auf rund 150 Mrd. Euro. Mit Hilfe von Big Data und entsprechenden Algorithmen will TUI in Zukunft den Kunden auf Basis der jeweiligen Präferenzen individuelle Angebote bieten.

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