Einblick / 05.06.2020 | 09:24:07 Werbung

Lufthansa: Rettungspaket und Konzernumbau machen Hoffnung

Steffen Droemert
Autor Steffen Droemert

Wirtschaftsjournalist bei menthamedia, wo er u. a. die Bereiche Technische Analyse und strukturierte Produkte betreut.

Kein DAX-Unternehmen leidet so unter der Corona-Pandemie wie die Lufthansa. Ein milliardenschweres Rettungspaket sowie ein Restrukturierungsprogramm sollen für Aufwind sorgen.

Steffen Droemert
Autor Steffen Droemert

Wirtschaftsjournalist bei menthamedia, wo er u. a. die Bereiche Technische Analyse und strukturierte Produkte betreut.

Liquidität reduziert sich dramatisch

Die aufgrund des Coronavirus erlassenen weltweiten Reisebeschränkungen belasten das Geschäft von Deutschlands größter Fluggesellschaft massiv. In den ersten drei Monaten des Jahres haben die Airlines der Lufthansa Group rund ein Viertel weniger Fluggäste befördert als im Vorjahresquartal. Dies macht sich auch im Ergebnis bemerkbar. So sank der Konzernumsatz von Januar bis Ende März um 18% auf 6,4 Mrd. Euro. Das Konzernergebnis betrug minus 2,1 Mrd. Euro. Deutlich schlimmer dürften die Zahlen für das zweite Quartal ausfallen. Allein in den Monaten April und Mai verzeichnete die Fluggesellschaft einen Rückgang der Verkehrsleistung um über 95% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dies hatte zur Folge, dass der Konzern 700 seiner 763 Flugzeuge parken musste.

All dies nagt an der Liquiditätsreserve der Lufthansa. Trotz einer Senkung der Fixkosten um ein Drittel verbraucht das operative Geschäft derzeit rund 800 Mio. Euro pro Monat. Dazu kommen noch die Erstattungen von stornierten Flugtickets und die Rückzahlung von fälligen Finanzverbindlichkeiten. Ende März betrug die Liquidität der Lufthansa Group rund 4,3 Mrd. Euro. Ohne finanzielle Unterstützung seitens des Staates wäre die Gesellschaft voraussichtlich bis Ende Juni zahlungsunfähig. 

 

Milliardenhilfe und Restrukturierung

Ende letzter Woche haben sich der Lufthansa-Vorstand und die deutsche Regierung auf ein Stabilisierungspaket geeinigt. Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) der Bundesrepublik Deutschland wird demnach stille Einlagen von bis zu 5,7 Mrd. Euro in das Vermögen des Konzerns einbringen. Des Weiteren wird der WSF im Rahmen einer Kapitalerhöhung Aktien in Höhe von 20% des Grundkapitals zeichnen. Der Bezugspreis soll 2,56 Euro pro Aktie betragen. Dies entspricht einer Bareinlage von rund 300 Mio. Euro. Zusätzlich zu diesen Maßnahmen erhält die Lufthansa noch einen Kredit von der KfW und privaten Banken von bis zu 3 Mrd. Euro. Insgesamt wird das Rettungspaket rund 9 Mrd. Euro betragen. Um einen Wettbewerbsvorteil zu vermeiden, fordert die EU-Kommission im Gegenzug, dass die Lufthansa 24 Start- und Landerechte an den Flughäfen in Frankfurt und München an die Konkurrenz abgeben muss. Ob das Paket angenommen wird, müssen die Aktionäre am 25. Juni auf einer außerordentlichen Hauptversammlung entscheiden.

Ab Mitte Juni plant die Lufthansa Group, die Flugpläne der Airlines wieder deutlich auszuweiten - auf rund 2.000 wöchentliche Verbindungen zu mehr als 130 Zielen welt­weit. Bis September sollen wieder 40% der ursprünglichen Kapazität angeboten werden. Nichtsdestotrotz rechnet das Unternehmen nur mit einer langsamen Erholung. So geht die Lufthansa für das Jahr 2023 von einer immer noch 100 Flugzeuge kleineren Flotte aus.

Um die Kosten weiter zu senken, leitet die Lufthansa Group eine umfassende Restrukturierung ein. Neben einer Verkleinerung der Flotte sollen auch die Personalkosten reduziert werden. Zudem wird mittelfristig die Veräußerung einzelner Geschäftsbereiche, die nicht zum Kerngeschäft gehören, geprüft.

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