Einblick / 07.07.2017 | 11:36:13 Werbung

Konjunkturzyklen und ihre Auswirkungen auf die Finanzmärkte

Steffen Droemert
Autor Steffen Droemert

Wirtschaftsjournalist bei menthamedia, wo er u. a. die Bereiche Technische Analyse und strukturierte Produkte betreut.

Die Wirtschaft einer Volkswirtschaft wächst niemals über einen längeren Zeitraum gleichmäßig - auf ein Hoch folgt häufig ein Tief und umgekehrt. Diese Schwankungen im Wirtschaftswachstum werden als Konjunktur bezeichnet und verlaufen in Zyklen.

Steffen Droemert
Autor Steffen Droemert

Wirtschaftsjournalist bei menthamedia, wo er u. a. die Bereiche Technische Analyse und strukturierte Produkte betreut.

Phasen des Konjunkturzyklus

Laut dem bekannten Ökonomen Paul A. Samuelson sind Konjunkturzyklen gesamtwirtschaftliche Schwankungen von Produktion, Einkommen und Beschäftigung. Ihre Länge beträgt in der Regel zwischen zwei und zehn Jahren, und sie sind durch eine weitgehende Expansion oder Kontraktion der meisten Wirtschaftssektoren gekennzeichnet.

 

Ein Konjunkturzyklus lässt sich vereinfacht als wellenförmig verlaufende Kurve darstellen, welche die Konjunktur abbildet. Ein Zyklus setzt sich im Normalfall aus vier verschiedenen Phasen zusammen: Aufschwung, Boom, Rezession und Depression. Diese Phasen müssen allerdings nicht zwingend in dieser Reihenfolge auftreten, ihre Hoch- und Tiefpunkte müssen nicht regelmäßig angeordnet sein und auch ihre zeitliche Ausprägung kann variieren.

 

In der Phase des Aufschwungs wächst die Wirtschaft und die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen steigt. Charakteristisch hierfür ist auch die zunehmende Auslastung von Kapazitäten. Dies hat häufig zur Folge, dass Unternehmen investieren, um ihre Produktionsanlagen auszubauen oder Mitarbeiter einzustellen. Bedingt durch die Investitionen und die meist erhöhte Kreditnachfrage steigen die Zinsen. Zudem führt die zunehmende Beschäftigung im Idealfall zu mehr Einkommen und Wohlstand und kurbelt den Konsum an. Allerdings können in solch einem Umfeld auch bereits erste Inflationserscheinungen auftreten.

 

In der Boomphase bzw. Hochkonjunktur stoßen die Unternehmen an ihre Kapazitätsgrenzen und es wird zunehmend schwieriger, die Nachfrage zu bedienen. Infolgedessen steigen die Preise und die Inflationsraten schnellen nach oben. Im Vergleich zum Aufschwung verliert das Wirtschaftswachstum in der Boomphase an Geschwindigkeit.

 

In der dritten Phase - dem Abschwung bzw. der Rezession - beginnt die Wirtschaft zu schrumpfen. Auslöser hierfür sind die in der Hochkonjunktur gestiegenen Preise, welche nach und nach die Nachfrage hemmen. Sinkende Umsätze führen dazu, dass Unternehmen ihre Investitionen wieder zurückfahren, Überkapazitäten abbauen und Mitarbeiter entlassen. Aufgrund der rückläufigen Kreditnachfrage sinken häufig in dieser Phase wieder die Zinsen.

 

Die letzte Phase ist die Depression bzw. das Konjunkturtief. Charakteristisch für diesen Abschnitt des Konjunkturzyklus sind eine tiefe, teilweise kaum vorhandene Nachfrage, weiterer Abbau von Überkapazitäten und eine hohe Arbeitslosigkeit. Die niedrige Nachfrage sowie die geringen Investitionen führen zu fallenden Preisen und sinkenden Zinsen - aus einer Inflation kann eine Deflation werden.

 

Ursachen für die Schwankungen

Über die Entstehung von Konjunkturzyklen gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Um es zu vereinfachen, können die Ursachen in zwei Kategorien eingeteilt werden: exogen und endogen. Exogene Faktoren haben mit dem Wirtschaftsgeschehen nicht unmittelbar etwas zu tun. Hierunter fallen beispielsweise geopolitische Entwicklungen, politische Entscheidungen und technologischer Fortschritt. Einer der bedeutendsten exogenen Auslöser für Wirtschaftswachstum in der jüngsten Vergangenheit ist das Internet. Die noch relativ neue Technologie sorgte für eine Revolution der Arbeitswelt und eine Veränderung der Gesellschaft.

 

Endogene Faktoren dagegen haben ihren Ursprung innerhalb des Wirtschaftssystems. Demnach trägt jede Expansion bereits den Keim des nächsten Abschwungs in sich und umgekehrt. Ein Beispiel hierfür ist der bekannte Schweinezyklus. Dieser besagt nichts anderes, als dass aufgrund einer hohen Nachfrage die Preise und Investitionen steigen. Irgendwann dreht sich aber das Blatt und das Angebot übersteigt die Nachfrage, was fallende Preise und rückläufige Investitionen zur Folge hat.

 

Auswirkungen auf die Finanzmärkte

Die konjunkturelle Entwicklung und die Bewegungen an den Börsen bedingen sich gegenseitig und sind nur schwer voneinander zu trennen. Allerdings verlaufen die Schwankungen meist nicht 1:1. So steigen Aktienmärkte beispielsweise häufig bereits vor der Aufschwungsphase und drehen meist schon vor Erreichen der Hochkonjunktur nach unten. Eine Faustregel besagt, dass Aktienmärkte der Konjunktur rund sechs bis neun Monate vorauseilen.

 

Neben der Konjunktur können aber auch andere Einflussfaktoren die Aktienkurse beeinflussen. Zu erwähnen sind hierbei unter anderem das geldpolitische Umfeld, die Liquidität, das Bewertungsniveau sowie das relative Verhältnis der einzelnen Anlageklassen zueinander.

 

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