Einblick / 07.12.2018 | 10:00:23 Werbung

Jahresendrally? - Gründe dafür und dagegen

Steffen Droemert
Autor Steffen Droemert

Wirtschaftsjournalist bei menthamedia, wo er u. a. die Bereiche Technische Analyse und strukturierte Produkte betreut.

  • USA und China streben Einigung im Handelsstreit an
  • Notenbanken möglicherweise weniger restriktiv als ursprünglich erwartet
  • Rezessionsängste belasten Märkte
Steffen Droemert
Autor Steffen Droemert

Wirtschaftsjournalist bei menthamedia, wo er u. a. die Bereiche Technische Analyse und strukturierte Produkte betreut.

Neue Umsatzrekorde

Letzten Montag analysierten Armin Kremser und Dirk Oppermann im Webinar „The Big Picture - Technische Analyse der DZ BANK“ die internationalen Finanzmärkte auf Basis der Technischen Analyse. Der Schwerpunkt des Webinars lag auf der strategischen und taktischen Einschätzung der nächsten Monate, aber auch ein kurzfristiger Ausblick durfte natürlich nicht fehlen. So gingen die beiden Finanzmarktexperten unter anderem der Frage nach der Wahrscheinlichkeit für eine Jahresendrally nach. Die Aufzeichnung des Webinars finden Sie in unserer Mediathek.

Neben der Charttechnik sind aber auch fundamentale Faktoren ausschlaggebend für eine Jahresendrally. Derzeit sprechen einige Punkte für einen versöhnlichen Jahresausklang, einige Punkte dagegen.

 

Steigende Kurse dank positiver Nachrichten?

In jüngster Zeit belastete vor allem der Handelsstreit zwischen den USA und China die Märkte. Vergangenes Wochenende, im Rahmen des G20-Gipfels, haben sich US-Präsident Donald Trump und das chinesische Staatsoberhaupt Xi Jinping zusammengesetzt, um über diesen Konflikt zu sprechen. Das Ergebnis des Treffens ist bis dato wenig aussagekräftig, doch es macht Hoffnung. Beide Parteien haben vereinbart, die für Januar angekündigte neue Runde an Strafzöllen auszusetzen. Zusätzlich wollen sie sich bemühen, innerhalb einer 90-Tage-Frist eine Einigung im Handelskonflikt zu erzielen. In dieser Zeit wollen sie auf neue Abgaben verzichten und unter anderem offene Fragen wie den Schutz geistigen Eigentums oder Technologietransfers diskutieren. Die Aktienmärkte quittierten diese Nachricht am Montag mit steigenden Kursen. Einige Marktteilnehmer sprachen gar schon vom Startschuss für die Jahresendrally. Doch die Freude währte nur kurz, bereits am Tag darauf gingen die Börsen wieder auf Talfahrt. Auslöser hierfür war unter anderem eine Twitter-Nachricht Trumps, in welcher er der chinesischen Führung indirekt mit weiteren Strafzöllen drohte - die anfängliche Euphorie wich somit der Sorge, dass es möglicherweise doch zu keiner Einigung im Handelsstreit kommt.

 

Weiteren Rückenwind für die Märkte könnte es von Seiten der Notenbanken geben. US-Notenbankchef Jerome Powell deutete vor kurzem an, die ursprünglich geplante restriktive Geldpolitik möglicherweise etwas aufzuweichen. So ließ er verlauten, dass es 2019 auch weniger als drei Zinsschritte geben könnte. Zusätzlich ist es wahrscheinlich, dass auch die Europäische Notenbank EZB im nächsten Jahr, trotz auslaufender Anleihenkäufe, die Zinsen niedrig hält und den Märkten mit geldpolitischen Maßnahmen unter die Arme greifen könnte.

 

Sorgen belasten Finanzmärkte

Die aktuell hohe Volatilität zeigt es deutlich: neben positiven Signalen gibt es auch zahlreiche negative Faktoren, welche die Marktteilnehmer verunsichern. Weltweit droht sich das Wirtschaftswachstum abzukühlen. Befeuert wird diese Sorge von den gerade veröffentlichten Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts (BIP) einiger europäischer Länder. Während in vielen Ländern das Wachstum mehr oder weniger stagniert, ist in Deutschland und Italien das BIP gegenüber dem Vorquartal sogar geschrumpft - um 0,2% bzw. 0,1%. Die für dieses Jahr vom Internationalen Währungsfonds getroffene Wirtschaftswachstumsprognose für die Eurozone von ursprünglich 2% dürfte somit kaum noch zu halten sein. Aber auch in anderen Regionen verlangsamt sich das Wachstum. So dürfte beispielsweise Chinas Wirtschaft deutlich unter den von den USA verhängten Strafzöllen leiden.

 

Jüngst machte sogar die Angst vor einer Rezession die Runde. Auslöser hierfür sind die Entwicklungen am US-Rentenmarkt. In den USA lag die Rendite zweijähriger Anleihen zu Beginn dieser Woche erstmals seit fünf Jahren wieder über dem Renditeniveau zehnjähriger Anleihen. Börsianer sprechen in solch einem Fall von einer inversen Zinskurve. In der Regel sind die Renditen von Anleihen längerer Laufzeit höher als die von Kurzläufern. Dies macht auch Sinn, da Anleger, die ihr Geld über einen längeren Zeitraum verleihen, ein größeres Risiko eingehen und somit auch höher entlohnt werden müssen. Das Phänomen der inversen Zinskurve tritt meist dann auf, wenn die Notenbanken die Zinsen erhöhen oder Anleger in Kürze eine deutliche Abkühlung der Konjunktur befürchten. In der Vergangenheit war eine inverse Zinskurve ein relativ verlässlicher Hinweis für eine aufziehende Rezession.

 

Anhand der oben genannten Punkte wird klar: Die Frage nach einer Jahresendrally lässt sich nicht so einfach beantworten. Unabhängig davon, welche Argumente Sie letztendlich für ausschlaggebend für die weitere Entwicklung halten, finden Sie auf dzbank-derivate.de eine große Auswahl an Produkten, mit der Sie ihre Marktmeinung entsprechend Ihrer Risikoneigung umsetzen können.

 

Einen Ausblick auf 2019 gibt Christian Kahler am kommenden Montag, den 10. Dezember 2018 im Webinar Special „Jahresausblick 2019“. Erfahren Sie, wo der Chefstratege für Aktien und Asset Allocation des DZ BANK Aktienresearch im kommenden Jahr Chancen sieht und wo mögliche Risiken lauern. Los geht es am Montag um 19 Uhr.

 

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