Einblick / 30.08.2019 | 09:24:12 Werbung

Inverse Zinsstrukturkurve - Sorgen machen sich breit

Steffen Droemert
Autor Steffen Droemert

Wirtschaftsjournalist bei menthamedia, wo er u. a. die Bereiche Technische Analyse und strukturierte Produkte betreut.

In den letzten Wochen wurde in den Finanzmedien neben dem Handelskonflikt zwischen den USA und China vor allem die inverse Zinsstrukturkurve in den USA thematisiert. Was verbirgt sich hinter diesem Begriff und welche Aussagekraft hat die Zinskurve?

Steffen Droemert
Autor Steffen Droemert

Wirtschaftsjournalist bei menthamedia, wo er u. a. die Bereiche Technische Analyse und strukturierte Produkte betreut.

Was ist die Zinsstrukturkurve?

Trägt man die Renditen und Laufzeiten von Anleihen, in diesem Fall Staatsanleihen, in ein Koordinatensystem ein und verbindet die einzelnen Punkte, entsteht eine Kurve - die sogenannte Zinsstrukturkurve. In der Regel werden auf der y-Achse die Renditen und auf der x-Achse die Laufzeiten abgetragen. Auf der linken Seite sind somit die Renditen der kurzlaufenden Anleihen und auf der rechten die der langlaufenden zu finden.

Normalerweise werfen kurzlaufende Anleihen eine niedrigere Rendite ab als Langläufer. Denn für gewöhnlich gehen Anleger, die ihr Geld länger verleihen, ein höheres Risiko ein, was mit einer höheren Verzinsung entlohnt werden sollte. Bei einer inversen Zinskurve liegt allerdings genau das Gegenteil vor: die kurzfristigen Zinssätze sind höher als die langfristigen. Diese Situation entsteht, wenn Anleger in Zukunft sinkende Zinssätze erwarten. Um sich die höheren Renditen zu sichern, schichten sie daher von Kurzläufern in Langläufer um. Infolgedessen steigen die Kurse langlaufender Anleihen und die Renditen fallen.

Eine inverse Zinsstrukturkurve kann allerdings auch von den Notenbanken verursacht werden. Dies ist dann der Fall, wenn der Leitzins in einem relativ kurzen Zeitraum sehr stark angehoben wird oder die Geldpolitik deutlich restriktiver wird. Beides führt letztendlich dazu, dass die Zinsen am kurzen Ende steigen. Die langfristigen Zinsen reagieren auf die Maßnahmen der Notenbanken in der Regel mit einer gewissen Verzögerung und können dadurch temporär unter den kurzfristigen notieren.

 

Was bedeutet eine inverse Zinsstrukturkurve für die Wirtschaft?

Wie oben geschildert, kann eine inverse Zinsstrukturkurve auf fallende Leitzinsen hindeuten. Die Notenbank senkt allerdings nur dann die Zinsen, wenn sich die Konjunktur abkühlt, Frühindikatoren einen Abschwung vorhersagen und die Erwartungen pessimistischer werden. Eine Inversion der Zinsstruktur gilt somit als Warnsignal für eine drohende Rezession. Als Rezession wird ein wirtschaftlicher Abschwung bezeichnet. Definitionsgemäß liegt dieses Ereignis vor, wenn in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen die Wirtschaft im Vergleich zu den Vorquartalen nicht wächst oder gar schrumpft.

Mehr Informationen zur aktuell vorliegenden inversen Zinskurve in den USA und welche Auswirkungen dies auf die Wirtschaft und die Aktienmärkte haben könnte, erfahren Sie in dem Blogbeitrag des Chefvolkswirts der DZ BANK, Stefan Bielmeier.

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