Einblick / 11.09.2020 | 11:31:20 Werbung

Goldene Zeiten?

Steffen Droemert
Autor Steffen Droemert

Wirtschaftsjournalist bei menthamedia, wo er u. a. die Bereiche Technische Analyse und strukturierte Produkte betreut.

Die Coronakrise sowie die Niedrigzinspolitik vieler Notenbanken sorgten für eine wachsende Nachfrage nach Edelmetallen. Der Preis für eine Unze Gold erreichte Anfang August ein Allzeithoch und die Rally ist womöglich noch nicht zu Ende.

Steffen Droemert
Autor Steffen Droemert

Wirtschaftsjournalist bei menthamedia, wo er u. a. die Bereiche Technische Analyse und strukturierte Produkte betreut.

Inflationsängste befeuern Goldrally

Die Coronakrise sorgt an den Kapitalmärkten für Unsicherheit - nach wie vor sind die politischen und ökonomischen Risiken hoch. Um die Auswirkungen der Pandemie abzufedern, haben Zentralbanken und Regierungen geld- und fiskalpolitische Maßnahmen ergriffen. Während die Notenbanken für ein niedriges Zinsniveau sorgen und zudem Anleihen kaufen, verabschiedeten die Regierungen milliardenschwere Konjunkturpakete.

Diese riesige Flut an Geld schürt bei vielen Anlegern die Angst vor einer anziehenden Inflation. Gold gilt aufgrund seiner Historie als Absicherung gegen Inflation. Das gelbe Metall hat sich in der Vergangenheit als extrem wertstabil gezeigt und seine Kaufkraft nahezu beibehalten. Die Flucht in den vermeintlich sicheren Häfen lässt sich beispielsweise bei Gold-ETFs beobachten. Laut World Gold Council (WGC) liegen die weltweiten Mittelzuflüsse bis Ende Juli mit 899 Tonnen oder 49,1 Mrd. US-Dollar deutlich über den vergangenen Vorjahreswerten. Zusätzlich profitiert der Goldpreis derzeit von den niedrigen Opportunitätskosten. Werfen andere Anlageklassen, wie z.B. Staatsanleihen, keine oder kaum noch Renditen ab - oder rentieren wie aktuell teils sogar negativ -, wird Gold für Anleger attraktiver.

Sollten sich allerdings die Inflationssorgen in Luft auflösen und eine Deflation drohen, könnte die Goldrally ein jähes Ende finden. Zuletzt war dies 2011 während der Griechenlandkrise zu beobachten. Auch damals fürchteten viele Marktteilnehmer, dass die Hilfspakete und die expansive Geldpolitik im schlimmsten Fall zu einer Hyperinflation führen könnten. Doch das Gegenteil war der Fall: die Inflation sank und die Notenbanken kämpften gegen deflationäre Tendenzen. Diese Entwicklung ging auch am Goldpreis nicht spurlos vorüber. Innerhalb weniger Jahre verlor das Edelmetall massiv an Wert. Erst knapp über 1.000 US-Dollar stoppte die Abwärtsbewegung.

 

Optimismus auf Seiten der Anleger

Der am vergangenen Freitag veröffentlichte Commitments of Traders Report der US-Aufsichtsbehörde CFTC deutet nach der jüngsten Korrektur beim Goldpreis wieder auf eine wachsende Zuversicht bei Anlegern und Spekulanten hin. So war sowohl bei Großspekulanten (Non-Commercials) als auch Kleinspekulanten (Non-Reportables) ein Anstieg der Netto-Long-Position zu beobachten. Zeitgleich wurde die Short-Seite signifikant reduziert.

Neben dem Commitments of Traders Report sollten Anleger auch die Entwicklung des US-Dollars im Auge behalten. Zwischen den beiden Anlageklassen herrscht in der Regel eine negative Korrelation, d.h. schwächelt der US-Dollar, steigt der Goldpreis und andersherum. Der Zustand des Greenback ist z.B. am US-Dollar-Index abzulesen. Hierbei handelt es sich um eine Kennzahl, welche den Wert des US-Dollars mittels eines Währungskorbs aus sechs Währungen vergleicht. In letzter Zeit litt der US-Dollar unter der expansiven Geldpolitik der US-Notenbank Fed sowie der schwindenden Bedeutung als Weltleitwährung.

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