Einblick / 27.07.2018 | 11:42:25 Werbung

Ein Blick auf die Unternehmen: Rocket Internet

Steffen Droemert
Autor Steffen Droemert

Wirtschaftsjournalist bei menthamedia, wo er u. a. die Bereiche Technische Analyse und strukturierte Produkte betreut.

  • 75 Mio. Euro Konzerngewinn im ersten Quartal 2018
  • Beteiligungen reduzieren Verlust
  • Rocket Internet sieht Potenzial in Fintechs und künstlicher Intelligenz
Steffen Droemert
Autor Steffen Droemert

Wirtschaftsjournalist bei menthamedia, wo er u. a. die Bereiche Technische Analyse und strukturierte Produkte betreut.

Die Lage: Rocket Internet schreibt schwarze Zahlen

Der Berliner Start-up-Schmiede Rocket Internet gelang im ersten Quartal 2018 der Sprung in die schwarzen Zahlen. Zwar lag das EBITDA mit -24 Mio. Euro noch im negativen Bereich (Q1/2017: -92 Mio. Euro), doch dank eines positiven Finanzergebnisses von 99 Mio. Euro stieg der Konzerngewinn auf 75 Mio. Euro. Im Vorjahresvergleichszeitraum war noch ein Verlust von 86 Mio. Euro zu verbuchen. Nach Steuern weist Rocket in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres einen Gewinn von 72 Mio. Euro aus. Der Gewinn pro Aktie lag im selben Zeitraum bei 0,46 Euro. Der Umsatz kletterte ebenfalls von 9 Mio. Euro auf 10 Mio. Euro.

 

Verantwortlich für die Ergebnisverbesserungen waren unter anderem Beteiligungsverkäufe sowie Fortschritte bei einigen Start-ups. So hat Rocket Internet seinen Anteil an dem Essenslieferant Delivery Hero von 24% zum 31. Dezember 2017 auf 8% zum 31. März 2018 reduziert. Zudem konnten die wichtigsten Beteiligungen - HelloFresh, Global Fashion Group, Jumia, Westwing und Home24 - ihren Umsatz steigern. Zwar ist der Anteil der assoziierten Unternehmen am Gesamtergebnis mit -12 Mio. Euro weiterhin negativ, doch im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, als noch ein Verlust von -72 Mio. Euro zu Buche schlug, ist eine Verbesserung in Richtung Profitabilität zu erkennen.

 

Jüngst gab es allerdings einen kleinen Wermutstropfen: Der im Juni an die Börse gegangene Online-Möbelhändler Home24 musste seine Umsatzprognose für das zweite Quartal zurückschrauben. Anstatt ursprünglich angepeilten 13% bis 28% Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahreswert soll der Umsatz nun um 6% bis 8% wachsen. Mitverantwortlich für diese Entwicklung soll unter anderem das ungewöhnlich heiße Wetter in Deutschland sein, was laut Home24 zu einer geringeren Nachfrage nach Möbeln führt. Die mittelfristige Ertrags- und Ergebnisprognose bleibt allerdings bestehen.

 

Mittel- bis langfristig scheint auch Rocket-Internet-Vorstand Oliver Samwer an sein Unternehmen zu glauben. Denn seit Ende des letzten Jahres kaufte er für rund 104 Mio. Euro Aktien von Rocket Internet - allein im Juli investierte er fast 70 Mio. Euro. Samwer alleine gehören nun 3% der Anteile an Rocket Internet. Weitere 39,7% hält er über seine Beteiligungsfirma Global Founders. Die nächstgrößten Aktionäre sind United Internet mit fast 9% und Baillie Gifford & Co. mit 7%.

 

Die Perspektive: Kassen prall gefüllt für Investitionen

Was die nächste große Sache im Internet wird, weiß selbst Rocket-Chef Oliver Samwer laut eigener Aussage nicht. Doch in der Vergangenheit hat der 45-Jährige schon öfter bewiesen, dass er in der Lage ist, Trends frühzeitig zu erkennen. Aktuell sieht er Potenzial in Fintechs, Software, künstlicher Intelligenz und Proptechs - Proptechs sind Unternehmen, die sich auf technologische Entwicklungen im Bereich der Immobilienbranche spezialisiert haben. Auf der Jahreshauptversammlung kündigt er an, diese Geschäftsfelder in Zukunft verstärkt ins Visier zu nehmen. Für mögliche Übernahmen oder Beteiligungen wäre die Kasse reich gefüllt. Insgesamt verfügt Rocket Internet über 2,6 Mrd. Euro Cash-Reserven.

 

Neben dem Aufbau von Start-ups will Rocket Internet in Zukunft vermehrt sein Augenmerk auf Investments richten. Aus diesem Grund wollen die Berliner einen neuen Milliardenfonds auflegen. Insgesamt soll der Fonds zwischen ein und zwei Milliarden US-Dollar groß werden und Ende Dezember geschlossen werden. Neben Rocket Internet sollen sich auch noch andere Investoren an dem Vehikel beteiligen. Gerüchten nach könnte der Schwerpunkt des Fonds überwiegend auf US-Start-ups liegen.

 

Glossar:

EBITDA: Das EBITDA (Earnings before interest, taxes, depreciation and amortisation), also das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Amortisation von immateriellen Vermögenswerten, ist eine Kennzahl zur Beurteilung der operativen Ertragskraft eines Unternehmens.

 

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