Der menschliche Faktor / 11.04.2018 | 09:18:09 Werbung

Wall Street bleibt Dirigent im Aktienorchester

DZ BANK AG
Autor DZ BANK AG

Innerhalb der Genossenschaftlichen FinanzGruppe fungiert die DZ BANK als Spitzeninstitut und Zentralbank.

Aktuell regiert wieder die Unsicherheit an den internationalen Aktienmärkten. Die Marktteilnehmer wissen nicht genau, wie sie derzeit mit der Vielzahl an Ereignissen umgehen sollen. An einem Tag dominiert die Angst vor einem Handelskrieg, am nächsten bereits die Erleichterung darüber, wenn eine Partei den Tonfall in dieser Sache mäßigt. Dazu kommen geopolitische Risiken, wie etwa im Hinblick auf eine Ausweitung des Kriegs in Syrien mit unkalkulierbaren Folgen. Zuletzt zeigten sich dann auch noch überraschend schwache US-Arbeitsmarktdaten, so dass es zugegebenermaßen für die Investoren schwierig ist, die richtigen Schlüsse aus dieser Flut an Informationen zu ziehen.

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Innerhalb der Genossenschaftlichen FinanzGruppe fungiert die DZ BANK als Spitzeninstitut und Zentralbank.

Insgesamt hat sich die Investorenstimmung in den USA im abgelaufenen Zweiwochenzeitraum weiter verschlechtert. So ist die CBOE-Put/Call-Ratio, deren 21 Tage-Durchschnitt, der rund einem Handelsmonat entspricht, auf den höchsten Stand seit dem vierten Quartal 2016 gestiegen (siehe Chart auf Seite 2 unten). Das bedeutet, dass die Absicherungen aktuell praktisch ungefähr so hoch sind wie zu Beginn der mittlerweile berühmt-berüchtigten „Trump-Rally“. Angesichts der markanten Korrektur am Aktienmarkt, die seit Ende Januar die Investoren kräftig durchgeschüttelt hat, ist dies durchaus verständlich, denn niemand möchte die zuvor erzielten Gewinne wieder abgeben.

Interessant ist jedoch die Tatsache, dass die Stimmung heute schlechter ist als zum Zeitpunkt, als die wichtigsten US-Indizes ihr erstes Crashtief markiert haben (9. Februar). Obwohl der Markt, objektiv betrachtet, aktuell höher notiert als damals, wird er negativer wahrgenommen. Im Hinblick auf die weiteren Perspektiven des US-Aktienmarkts ist diese Ausgangslage jedoch nicht die schlechteste. Denn vermutlich haben diejenigen, die es in der ersten Panik nicht geschafft hatten, sich von ihren Aktienbeständen zu trennen bzw. eine Untergewichtung zu fahren, dies in den letzten Handelswochen nachgeholt. Damit fällt eine potenzielle Belastung in der Zukunft weg. Die US-Indizes sind damit nach zehnwöchiger Korrekturphase durchaus reif, sich allmählich wieder nach oben hin zu orientieren. Eine erneute Rally am US-Aktienmarkt sollte aus verhaltensorientierter Sicht nicht überraschen.

Gänzlich anders sieht das Bild in Deutschland aus: Die Stimmung unserer heimischen DAX-Investoren schwankt mit der Marktbewegung zwischen Angst und Erleichterung – je nachdem, ob der Index gerade mal wieder einen Schlag verpasst bekam oder ein paar Tage fester lief. Damit spiegelt das kurzfristige Sentiment fast exakt das Kursmuster wider, welches sich auch im Chartbild des wichtigsten deutschen Aktienmarktbarometers findet (siehe Grafik auf Seite 2 oben links). Was den langfristigen Bereich betrifft, so bleibt die Kauflaune eingetrübt. Der sog. „strategische Bias“, eine Art Grundausrichtung der Marktteilnehmer, bezogen auf einen Sechsmonats-Anlagehorizont, verbleibt hartnäckig „unten“ (siehe Grafik auf Seite 2 oben rechts).

Damit dürfte der deutsche Leitindex weiterhin zunächst Spielball von kurzfristig orientierten Tradern sein, wie wir bereits in unserer letzten Ausgabe skizziert hatten. Das heißt aber auch, dass im Fahrwasser einer freundlichen Wall Street auch nach dem jüngsten 700 Punkte-Anstieg durchaus noch weitere Zugewinne im DAX zu erwarten sind. Im Bereich ab 12.650 Punkten dürfte dann das Angebot wieder Überhand nehmen.

 

Fazit: Die Weltleitbörse in New York bleibt das Zugpferd an den internationalen Aktienmärkten. Stimmungstechnisch lassen sich aktuell Chancen für die Bullen erkennen. Der DAX ist gegenwärtig eher ein Anhängsel. Im Sog der US-Märkte sollte aber die laufende Erholung auch im deutschen Leitindex noch weiter nach oben tragen.

 

DAX-Sentiment: kurzfristig stark kursgetrieben, langfristig eingetrübt

Quellen: sentix, Stand: 06.04.2018

 

US-Sentiment: Absicherungen auf “Vor-Trump-Rally-Niveau”

Quelle: DZ BANK

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