Der menschliche Faktor / 08.11.2017 | 09:20:24 Werbung

Trendbewegung trotz selten starker Dynamik noch nicht ausgereizt?

DZ BANK AG
Autor DZ BANK AG

Innerhalb der Genossenschaftlichen FinanzGruppe fungiert die DZ BANK als Spitzeninstitut und Zentralbank.

Bären haben derzeit nichts zu lachen. Die wichtigsten Aktienbörsen eilen von Hoch zu Hoch, und das fast ohne Unterlass. Die Volatilität ist niedrig, und jeder, der sich bisher gegen den Trend gestellt hat, hat sich eine blutige Nase geholt. Überwiegend positive Nachrichten halfen dem Markt, nicht nur den Verkäuferstreik zu verlängern, sondern weitere aktive Käufer anzulocken.

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Innerhalb der Genossenschaftlichen FinanzGruppe fungiert die DZ BANK als Spitzeninstitut und Zentralbank.

Die Berichtssaison gestaltet sich sehr stark, und an der Konjunkturfront sind auch noch keine dunklen Wolken zu erkennen. Mit der Entscheidung Trumps, Jerome Powell als neuen Fed-Chef zu benennen, ist daneben ein „Ereignisrisiko“ aus dem Markt genommen worden, steht Powell doch für eine Fortführung der Yellen´schen Geldpolitik. Während in den Wochen zuvor mit dem Nordkorea-Konflikt oder der Lage in Katalonien hin und wieder (geo-)politische Unsicherheiten verkraftet werden mussten, kann man aktuell negative Nachrichten mit der Lupe suchen.

 

Entsprechend gut gelaunt geben sich die Börsianer. Viele Investoren sind nach dem DAX-Ausbruch aus einer zuvor dreiwöchigen lethargischen Seitwärtsphase prozyklisch noch einmal „long“ gegangen. Fast in gleichem Maße, wie der Index seither angestiegen ist, ist die Put/Call-Ratio (DAX-Indexoptionen an der Eurex) zuletzt gefallen. Sie notiert nun auf dem tiefsten Stand seit Dezember des letzten Jahres, als der erste Impuls der „Trump-Rally“ gerade gelaufen war. Auch die von animusX Befragten zeigten sich zuletzt sehr bullish. Dort liegt der Optimismus auf dem höchsten Stand seit Q4 2016 – eine Parallele zur Entwicklung der Put/Call-Ratio. „Harte“ und „weiche“ Sentimentindikatoren gehen demnach Hand in Hand. Wir haben es somit im DAX mit einer eher kontraproduktiven Stimmungslage zu tun, denn Märkte steigen gewöhnlich mit Ängsten der Marktteilnehmer und nicht mit Champagnerlaune.

 

Etwas differenzierter sieht das Bild in den USA aus. Während dort in einigen Stimmungsindikatoren fast schon eine Euphorie unter den Marktteilnehmern auszumachen ist, hinken andere hinterher bzw. signalisieren, dass noch nicht genügend Bären kapituliert haben, um endlich ein Top ausrufen zu können. Die bekannte, wöchentlich durchgeführte Umfrage unter nordamerikanischen Fondsmanagern (NAAIM - National Association of Active Investment Managers) beispielsweise zeigte, dass speziell im Oktober, also während der Dow Jones noch einmal markante 1.000 Punkte zulegen konnte, die Übergewichtung in Aktien heruntergefahren wurde. Der NAAIM-Indikator, der überwiegend zwischen 0 und 100 oszilliert, liegt aktuell mit einem Wert von rund 60 auf dem tiefsten Stand des Jahres - damit befindet sich die Aktiengewichtung der Fondsmanager in etwa im Bereich des letzten November, kurz vor dem Start der „Trump-Rally“.

 

Auch die CBOE-Put/Call-Ratio hat sich zuletzt wieder von ihren unteren Extremwerten entfernt und damit normalisiert, ohne dass die Aktienindizes in derselben Zeit korrigiert haben. Insgesamt bedeutet dies, dass der bis dato ohnehin schon beeindruckende Aufwärtstrend der letzten acht Wochen wohl noch nicht an seinem Ende angelangt ist. Steigen nämlich die Kurse weiter, werden die nun an der Seitenlinie stehenden Investoren sich gezwungen sehen, noch einmal in den Markt hineinzuspringen, während im Falle nachgebender Notierungen von einem gewissen Sicherheitsnetz auszugehen ist. So oder so bedeutet dies, dass die Gefahr eines unmittelbar bevorstehenden wichtigen Hochpunkts am US-Markt aktuell noch recht gering ist. Diese Gefahr würde sich dagegen erhöhen, wenn die Aktiengewichtung der Fondsmanager wieder hochgefahren wird und Absicherungen dagegen vernachlässigt werden.

 

Fazit: Nachdem deutsche Blue Chips ihr sentiment-technisch abzuleitendes Nachholpotenzial gegenüber dem US-Markt zuletzt heben konnten, scheint sich die Lage aktuell wieder umzukehren: Nun ist der hiesige Markt fast „heiß gelaufen“, während in den USA abermals Zweifel an der Fortsetzung der „Trump Rally“ aufkeimen. Ein lokaler Hochpunkt im Markt ist damit voraussichtlich noch nicht erreicht. Erst ein weiterer kräftiger Aufwärtsschub würde die Restzweifel ausräumen und eine Kapitulation der Bären erzwingen. Dann würde sich eine antizyklische Herangehensweise an den Markt wieder lohnen.

 

DAX-Sentiment: Optimismus so hoch wie zuletzt vor einem Jahr

Quelle: animusX, Stand: 03.11.2017; Quelle: DZ BANK

 

US-Sentiment: Zweifel auf dem Vormarsch

Quelle: DZ BANK

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