Der menschliche Faktor / 13.06.2018 | 08:49:13 Werbung

Aktieninvestoren sind kurzfristig zu mutig

DZ BANK AG
Autor DZ BANK AG

Innerhalb der Genossenschaftlichen FinanzGruppe fungiert die DZ BANK als Spitzeninstitut und Zentralbank.

Nachdem zuletzt in Europa vor allem die politische Krise in Italien Störfeuer an den Börsen verursacht hatte, konnte sich die Lage wieder etwas beruhigen. Aktuell steht der Handelsstreit mit den USA wieder ganz oben auf der Themenliste der Börsianer.

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Innerhalb der Genossenschaftlichen FinanzGruppe fungiert die DZ BANK als Spitzeninstitut und Zentralbank.

Ob sich dieser weiter verschärfen oder es in dieser Frage zu einer Annäherung zwischen EU und USA kommen wird, vermag aktuell niemand so recht zu beantworten. Zumindest in Sachen Geopolitik scheint nun aber mit dem historischen Gipfeltreffen zwischen Donald Trump und Kim Jong Un eine gewisse Beruhigung für die Anleger einzutreten. Die Börsen quittierten den Handschlag der beiden Staatsmänner jedenfalls erst einmal mit Kursaufschlägen. Doch bekanntlich haben politische Börsen kurze Beine, so dass der positive Effekt bald verpufft sein dürfte.

 

Die Stimmung unter den hiesigen Marktteilnehmern bleibt mit einer gewissen Portion Skepsis behaftet - jedenfalls vordergründig. Das sentix-Barometer, trotz eines leichten Knicks nach oben, verharrt deutlich im pessimistischen Bereich. Dieser umfragebasierte Pessimismus deckt sich jedoch nicht mit dem Verhalten der Investoren am Terminmarkt. Dort können wir über die gehandelten Optionen ebenfalls Stimmungen messen. Das kumulierte Put/Call-Verhältnis bei den DAX-Indexoptionen neigte sich zuletzt deutlich nach unten, was einen Mangel an Absicherungen von Seiten der Marktteilnehmer bedeutet. Am Terminmarkt wird eine gewisse Tendenz zu einem bullishen Verhalten hin sichtbar, welches so gar nicht zur geäußerten Skepsis der Investoren passt. Gerade seit der DAX im Mai bei 13.200 Punkten ein Mehrmonatshoch herausgebildet hat, nimmt auch der Mut der Anleger wieder zu.

 

Dies ist recht verwunderlich, denn seither hat der Index deutlich an Terrain eingebüßt. Die Investoren sind somit für einen erneuten Kursanstieg gerüstet. Eine Ausweitung der laufenden Konsolidierungsbewegung dürfte sie hingegen überraschen. Insofern liegt an dieser Stelle das Risiko auf der Unterseite. Ein nochmaliger starker Kurseinbruch, wie beispielsweise derjenige vom Februar, lässt sich aber aus den Sentimentdaten insgesamt nicht ableiten, so dass die Gefahr überschaubar bleiben sollte.

 

In den USA ist der Mut unter den Investoren sogar noch deutlicher zurückgekehrt. Die CBOE-Put/Call-Ratio ist auf den niedrigsten Stand seit dem „Mini-Crash“ im Februar gefallen. Das gilt sowohl für den mittelfristigen Durchschnitt (21 Tage) als auch für den kurzfristigen Durchschnitt (5 Tage). Mit 0,74 wurde zum Auftakt dieser Woche gar der tiefste Tages-Einzelwert seit Ende Januar etabliert. Ein Absicherungsbedürfnis unter den Marktteilnehmern ist damit praktisch nicht vorhanden - und das, obwohl der S&P 500 knapp unterhalb von 2.800 Punkten eine Kurszone erreicht hat, die signifikante Angebotsüberhänge beherbergen dürfte. Dort wurde im Februar und März die nach dem damaligen „Mini-Crash“ zu beobachtende Erholungsbewegung beendet. Daher sieht es zumindest im kurzfristigen Kontext so aus, als ob der Weg nach oben erst einmal versperrt ist. Ein Rücksetzer nach dem signifikanten Anstieg der letzten Wochen ist aus stimmungstechnischer Sicht jedenfalls einzuplanen.

 

Fazit: Aktuell deuten die Stimmungsindikatoren darauf hin, dass gerade im kurzfristigen Kontext Kursrückschläge einkalkuliert werden sollten. Im DAX dürfte sich die laufende Konsolidierungsbewegung ausweiten, in den USA sollte der jüngste Kursanstieg im S&P 500 allmählich auslaufen. Dramatisch sollte ein zu erwartender Rücksetzer aber nicht ausfallen.

 

DAX-Sentiment: Diskrepanzen zwischen weichen und harten Daten

Quelle: sentix, Stand: 08.06.2018

 

Quelle: DZ BANK

 

US-Sentiment: Optimismus wieder auf dem Vormarsch

Quelle: DZ BANK

 

Quelle: DZ BANK

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