1x1 der Geldanlage / 11.05.2018 | 10:30:23 Werbung

8. Teil (Staffel 2): Behalten Sie die Konjunktur im Blick!

Felix Schröder
Autor Felix Schröder

Produktmanager bei der DZ BANK

  • zu den wichtigsten konjunkturellen Kenngrößen gehört das Bruttoinlandsprodukt (BIP)
  • ifo Geschäftsklima Deutschland wichtigster Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft
  • großer Stellenwert des privaten Konsums für die US-Wirtschaft
Felix Schröder
Autor Felix Schröder

Produktmanager bei der DZ BANK

Für die Bewegungen an den Finanzmärkten spielen viele unterschiedliche Faktoren eine Rolle. In die Entscheidungsfindung der einzelnen Marktteilnehmer fließen beispielsweise volkswirtschaftliche Kennzahlen und Frühindikatoren mit ein, die Anhaltspunkte zur Beurteilung der konjunkturellen Lage eines Landes bzw. dessen makroökonomischen Perspektiven zulassen. Die Fülle an verschiedenen Wirtschaftsdaten ist dabei immens. Sämtliche von ihnen haben das Potenzial, entsprechende Kursimpulse auszulösen. Es gibt jedoch eine überschaubare Menge an Konjunkturdaten, die Sie aufgrund ihrer Relevanz kontinuierlich im Fokus haben sollten.

 

Einen Überblick über die volkswirtschaftlichen Entwicklungen finden Sie auf dzbank-derivate.de. Klicken Sie dazu auf der Startseite auf „Märkte“ und dann auf „News“. Dort gelangen Sie über die „Suche“ zum News-Feed. Wenn Sie auf der rechten Seite den Punkt „VWL-News“ anklicken, bekommen Sie die jüngsten volkswirtschaftlichen Nachrichten angezeigt. Natürlich können Sie auch die Suchfunktion nutzen, um gezielt spezielle Konjunkturdaten zu suchen. Dazu geben Sie in das Suchfeld z.B. „ifo-Geschäftsklimaindex“ ein.

Überblick über die volkswirtschaftlichen Entwicklungen unter „VWL-News“ auf dzbank-derivate.de
Quelle: dzbank-derivate.de, Stand: 10.05.2018

 

Wichtige Frühindikatoren

Der wichtigste Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft ist das monatlich veröffentlichte ifo Geschäftsklima Deutschland. Im April 2018 löste das ifo Geschäftsklima Deutschland den bisherigen ifo Geschäftsklimaindex für die Gewerbliche Wirtschaft ab. Neben dem Verarbeitenden Gewerbe, dem Bauhauptgewerbe und den beiden Handelsstufen (Großhandel und Einzelhandel) wurde in das neue ifo Geschäftsklima Deutschland auch der Dienstleistungssektor integriert. Damit basiert das ifo Geschäftsklima nun auf den Meldungen von ca. 9.000 Unternehmen (zuvor ca. 7.000 Unternehmen), die einmal im Monat ihre gegenwärtige Geschäftslage beurteilen („gut“, „befriedigend“ oder „schlecht“) und ihre Erwartungen für die nächsten sechs Monate mitteilen („günstiger“, „gleich bleibend“ oder „ungünstiger“). Neben der Integration des Dienstleistungssektors modifizierte das Münchener ifo Institut zugleich das Aggregationsverfahren leicht und passte zudem das Basisjahr für die Indexberechnung von 2005 auf 2015 an. Aus den Daten resultiert ein Frühindikator, der Rückschlüsse über die künftige konjunkturelle Entwicklung zulässt. Bei der Interpretation des ifo Geschäftsklimaindex hat insbesondere die sogenannte „Dreier-Regel“ Relevanz. Sie besagt: Wenn der Frühindikator innerhalb eines Trends eine Gegenbewegung ausbildet und dabei dreimal hintereinander in die neue Richtung zeigt, spricht dies mit großer Wahrscheinlichkeit für einen konjunkturellen Wendepunkt. Diese „Dreier-Regel“ wird zudem bei anderen Frühindikatoren angewendet.

 

Zu den an den europäischen Finanzmärkten viel beachteten Konjunkturindikatoren zählt der vom Forschungsinstitut Markit erhobene Einkaufsmanagerindex, kurz EMI (engl.: Purchasing Managers Index, kurz PMI), für die Eurozone. Er basiert auf einer Umfrage von 5.000 Firmen aus der Industrie und dem Servicesektor und bildet dem Ansinnen nach zum frühestmöglichen Zeitpunkt die tatsächliche konjunkturelle Lage der Privatwirtschaft im gemeinsamen Währungsraum ab. Abgefragt wird die Entwicklung von Umsätzen, Beschäftigung, Lagerbeständen und Preisen. Veröffentlicht wird der Einkaufsmanagerindex monatlich, wobei zunächst eine erste Schätzung erfolgt, die in einer zweiten Veröffentlichung präzisiert wird.

 

Ebenfalls von Markit erhoben wird ein viel beachteter Frühindikator für die chinesische Wirtschaft. Gesponsert vom Wirtschaftsmagazin „Caixin“, gibt der auf Basis der Befragung von etwa 500 Firmen und monatlich veröffentlichte Caixin China General Manufacturing PMI Aufschluss über die Lage im verarbeitenden Gewerbe der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft.

 

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP)

Während die Frühindikatoren Anhaltspunkte bezüglich der künftigen volkswirtschaftlichen Perspektiven geben, gibt es mit den sogenannten harten Wirtschaftsdaten historische Fakten. Auch sie können den Märkten Impulse verleihen, insbesondere wenn die Daten von den eigentlichen Erwartungen abweichen – sowohl positiv als auch negativ. Zu den wichtigsten konjunkturellen Kenngrößen gehört das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Es umfasst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen, die nicht als Vorleistung für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden. Berechnet wird das BIP zum einen in jeweiligen Preisen. Zum anderen wird es auf preisbereinigter Basis ermittelt, um verzerrende Einflüsse der Teuerung auszuklammern. Das BIP dient als Maß für die wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft in einem bestimmten Zeitraum und gilt als wichtigster Indikator für das Wirtschaftswachstum. Die BIP-Entwicklung in den einzelnen Ländern wirkt sich dabei in erster Linie auf die lokalen Finanzmärkte aus. Darüber hinaus stehen die BIP-Daten der größten Volkswirtschaften als für die Weltwirtschaft richtungsweisende Indikatoren im Fokus, mit den entsprechenden Auswirkungen auf die internationalen Finanzmärkte. Dazu gehören insbesondere die Entwicklungen in China und den USA. Den Vereinigten Staaten als größter Volkswirtschaft mit den weltweit größten Finanzmärkten und deren tendenziell richtungsweisendem Charakter für andere Volkswirtschaften und Finanzmärkte sollten Sie dabei einen besonders großen Stellenwert beimessen.

 

Einzelhandel und Arbeitsmarkt

Neben dem US-BIP, das quartalsweise erhoben wird und bei dem auf eine erste Schätzung zwei weitere Berechnungen folgen, sind zudem einige monatlich erhobene volkswirtschaftliche Daten aus den USA von Interesse. Aufgrund des großen Stellenwertes des privaten Konsums für die US-Wirtschaft, der etwa zwei Drittel zum BIP beisteuert, zählt dazu die Entwicklung des US-Einzelhandels. Floriert der Konsum, schlägt sich dies in der Regel positiv in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nieder. Eine Abkühlung oder gar Schrumpfung hat wiederum potenziell negative Auswirkungen für die US-Wirtschaft zur Folge. Die US-Einzelhandelsdaten basieren auf der Befragung von etwa 4.700 Firmen aus dem stationären und nicht stationären Einzelhandel (z.B. Internethandel). Zu den an den Finanzmärkten besonders im Fokus stehenden monatlichen konjunkturellen Fakten gehört außerdem der Arbeitsmarktbericht. Darin werden unter anderem die offizielle Arbeitslosenquote, die Zahl der neu geschaffenen Stellen sowie die Entwicklung der Stundenlöhne veröffentlicht. Die Arbeitsmarktdaten lassen zum einen Rückschlüsse über den möglichen Konsum der Amerikaner und damit der Entwicklung der US-Wirtschaft zu. Zum anderen ist insbesondere die Entwicklung bei den Löhnen relevant für die Teuerung in den USA. Somit ist die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt ein erklärtermaßen wichtiger Faktor für die US-Geldpolitik, denn die US-Notenbank (Fed) hat die Aufgabe, für maximale Beschäftigung und stabile Preise zu sorgen.

 

Geldpolitik und Inflationsdaten

Geldpolitische Entscheidungen in den USA, aber auch in anderen Ländern können an den Finanzmärkten starke Impulse auslösen. Als Investor kommt man daher ebenfalls nicht umhin, die turnusmäßigen Sitzungen der Notenbanken zu beachten, insbesondere die der US-Notenbank (Fed) und der Europäischen Zentralbank. Weil zu den Hauptaufgaben der Zentralbanken die Wahrung von Preisstabilität zählt, spielen bei ihren geldpolitischen Entscheidungen die Inflationsdaten eine wichtige Rolle. Entsprechend sollten Sie die offiziellen Entwicklungen bei der Teuerung verfolgen. In den USA und für die Eurozone werden regelmäßig die Erzeuger- und die Verbraucherpreise veröffentlicht. Bei den Verbraucherpreisen gibt es neben der Gesamtrate, in der sämtliche Preisentwicklungen enthalten sind, eine Kernrate, aus der besonders stark schwankende Preise, beispielsweise die für Energie und Nahrungsmittel, herausgerechnet werden. Eine zu stark anziehende Teuerung erhöht dabei den Handlungsdruck der Notenbanken, dem Preisauftrieb mit steigenden Leitzinsen entgegenzuwirken.

 

 

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