1x1 der Geldanlage / 02.03.2018 | 13:03:53 Werbung

3. Teil (Staffel 2): Lernen Sie aus Ihren Verlusten!

Alexander Dickel
Autor Alexander Dickel

Leiter Produktmanagement Internet Plattformen bei der DZ BANK AG

  • bei der Geldanlage lassen sich Verluste grundsätzlich nicht ausschließen
  • verschiedene Ursachen von Verlusten
  • Verluste genau analysieren, um daraus zu lernen
Alexander Dickel
Autor Alexander Dickel

Leiter Produktmanagement Internet Plattformen bei der DZ BANK AG

Im dritten Teil unserer Reihe gehen wir auf einen Aspekt der Geldanlage ein, den viele Anleger lieber vermeiden würden: Verluste. In diesem Zusammenhang gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte Nachricht: Verluste lassen sich nicht ausschließen. Nun die gute Nachricht: Wenn Sie aus Ihren Verlusten lernen, kann sich das bezahlte Lehrgeld im Nachhinein doch noch als gewinnbringende Investition erweisen.

 

Verluste lassen sich bei der Geldanlage grundsätzlich nicht ausschließen. Selbst wenn Sie konservative Anlageprodukte wie ein Sparbuch oder Tagesgeld wählen, kann das dort angelegte Geld im Falle einer negativen Realverzinsung an Wert verlieren. Die Höhe des Realzinses ergibt sich aus den erwarteten Erträgen einer Anlage abzüglich der erwarteten Teuerungsrate (Inflation), sprich den künftigen Veränderungen bei den Verbraucherpreisen.

 

Wenn Sie die größeren Renditechancen nutzen möchten, die beispielsweise ein Investment am Aktienmarkt bietet, müssen Sie im Gegenzug auch bereit sein, das damit einhergehende höhere Risiko zu tragen. Dabei werden Sie früher oder später mit Verlusten konfrontiert. Sie sollten sich jedoch bewusst sein, dass Verluste dazugehören, sobald Sie Renditechancen nutzen wollen, die sich jenseits von gering verzinstem Tages- oder Festgeld bieten. Wichtig ist hierbei, die Verluste genau zu analysieren, um daraus zu lernen, denn nur ein Fehler, der erkannt wurde, kann künftig auch vermieden werden.

 

Was kann zu Verlusten führen?

Damit Sie aus Verlusten lernen können, muss zunächst geklärt werden, wo Fehler gemacht wurden. Hier kommen verschiedene Möglichkeiten in Betracht. Ein Fehler ist die unvollständige Informationsaufnahme. Wollen Sie z.B. in eine Aktie oder ein Zertifikat auf eine Aktie investieren, müssen Sie sich eine Meinung zu der erwarteten Entwicklung bilden. Berücksichtigen Sie dabei insbesondere die jüngsten Quartalszahlen, Unternehmensmeldungen und Analystenkommentare. Schauen Sie, ob in Kürze wichtige Termine anstehen, die größere Kursbewegungen auslösen können. Ansonsten kann es passieren, dass ein Investment, das kurz vor der Veröffentlichung von Quartalszahlen oder einer Investorenpräsentation eingegangen wurde, schnell in die Verlustzone gerät, sollten die präsentierten Zahlen nicht den Erwartungen entsprechen. Wichtige Termine/News finden Sie in den Investor-Relations-Rubriken auf der Homepage der Unternehmen und auf dzbank-derivate.de im Menüpunkt Märkte unter News.

 

Verluste können auch daraus resultieren, dass die verfolgte Handelsstrategie verbesserungswürdig ist oder nicht zur aktuellen Marktlage passt. So wird eine trendfolgende Strategie in einem von starken Kursschwankungen geprägten Marktumfeld häufig Fehlsignale liefern. Umgekehrt kann die Konzentration auf Oszillatoren, die in einem starken Trend schnell ihre Extremzonen erreichen, dazu verleiten, aus einer Position zu früh auszusteigen. Eine Auswahl an interessanten Anlagestrategien, mit denen Sie systematisch investieren können, finden Sie in den DZ BANK Themenwelten.

 


Die DZ BANK Themenwelten
Quelle: dzbank-derivate.de, Stand: 27.02.2018

 

Eine häufige Ursache von Verlusten ist mangelnde Disziplin. Handeln Sie daher planvoll, managen Sie Ihr Risiko und die Positionsgrößen. Verfolgen Sie eine regelbasierte Handelsstrategie, die klar definiert, wann Sie ein Investment eingehen bzw. Gewinne mitnehmen oder Verluste begrenzen, so müssen Sie sich auch diszipliniert an dieses Regelwerk halten. Andernfalls berauben Sie sich der Option, etwaige Optimierungsmöglichkeiten für Ihre Strategie zu entdecken. Mangelnde Disziplin und ein planloses Handeln erhöhen zudem die Gefahr, psychologische Fehler zu begehen und sich bei Handelsentscheidungen beispielsweise von Gefühlen wie Angst oder Gier leiten zu lassen, die eigenen Fähigkeiten zu überschätzen oder dem Herdentrieb zu erliegen.

 

Doch nicht immer resultieren Verluste aus solchen eigenen Fehlern des Anlegers. Sie sollten sich darüber im Klaren sein, dass sich die künftige Entwicklung an den Kapitalmärkten nicht mit Gewissheit vorhersagen lässt. Ebenso gibt es kein effektives Handelssystem, das in 100% der Fälle zu Gewinnen führt. Die Gewinnerwartung lässt sich jedoch verbessern, indem beispielsweise ein Marktfilter vorgeschaltet wird. In verschiedenen Anlagestrategien ist die Bestimmung des Markttrends ein wichtiger Punkt, denn gegen den vorherrschenden Trend zu handeln ist mit einem erhöhten Risiko verbunden. In unserem Trading-Event „Besser traden mit System“ nutzt Profi-Trader Simon Betschinger einen 200-Tage-GD (gleitenden Durchschnitt) als Filter. Nur wenn ein Aktienindex wie z.B. der DAX über seinem langfristigen gleitenden Durchschnitt notiert, kann der eigentliche Auswahlprozess anhand der Trendstabilitäts-Ranglisten beginnen.

 

Mögliche Folgen von Verlusten

Ist bei der Geldanlage erst einmal ein größerer Verlust angefallen, kann dies zu verschiedenen Reaktionen führen, die weitere Verluste nach sich ziehen können:

 

  • Übervorsichtiges Handeln

Bei manchen Anlegern führt die Erfahrung eines größeren Verlustes zur Lähmung. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und das Handelssystem werden infrage gestellt. Hierbei besteht die Gefahr, durch übertriebene Vorsicht unlogische Entscheidungen zu treffen, wie beispielsweise das Risiko durch engere Stops zu minimieren. Anstatt Stops unterhalb wichtiger Unterstützungen im Chart zu platzieren, werden Stop-Loss-Marken in einem immer engeren Abstand zum Einstandskurs platziert. Doch dadurch erhält das Investment nicht genug Raum, um sich zu entwickeln, denn die Kurse unterliegen nun einmal Schwankungen. Eine Reihe von Investments, die aufgrund zu enger Stops nacheinander ausgestoppt werden, können eine Abwärtsspirale in Gang setzen, die mit immer geringeren Kapitaleinsätzen und zu engen Stops letzten Endes zu einem Verlust des für die Anlage zur Verfügung stehenden Kapitals führt.

 

  • Selbstüberschätzung

Anders liegt der Fall nach einer Reihe erfolgreicher Investitionsentscheidungen. Hier kommen ganz schnell Gefühle von Sicherheit, Kontrolle und Vertrauen auf, die aus psychologischer Sicht jedoch die Gefahr der Kontrollillusion oder eines Überschätzens der eigenen Fähigkeiten bergen (vgl. 11. Teil Staffel 1). Kommt es nun zu einem größeren Verlust, besteht die Gefahr, dass die Selbstüberschätzung mit einer gesteigerten Risikobereitschaft einhergeht. Um den Verlust möglichst schnell wieder auszugleichen, werden größere Positionen eingegangen. Doch das damit einhergehende höhere Risiko führt bei erneuten Verlusten zu einem rapiden Verlust des Handelskapitals.

 

  • Kapitulation

Eine weitere sehr extreme Reaktion kann die totale Verweigerung sein. Der Kapitulation folgt die Abkehr von der Börse und sämtlichen Anlageprodukten, oder die Geldanlage beschränkt sich fortan nur noch auf Sparbuch oder Tagesgeld.

 

Wie sollten Sie mit Verlusten umgehen?

Wie bereits gesagt, lassen sich Verluste bei der Geldanlage grundsätzlich nicht ausschließen. Umso wichtiger ist es, aus ihnen zu lernen - nicht umsonst wird im Zusammenhang mit Verlusten bei der Geldanlage auch oftmals von Lehrgeld gesprochen. Das Ziel dieses Lernprozesses besteht darin, Verluste künftig auf ein Minimum zu reduzieren. Zugleich sollten Sie Verluste als Möglichkeit begreifen, mögliche Schwachstellen in Ihrer Handelsstrategie ausfindig zu machen, die es ggf. anzupassen gilt.

 

Damit Sie aus Verlusten lernen können, müssen Sie diese analysieren. Dazu ist es notwendig, Ihre Investmententscheidungen so genau wie möglich zu dokumentieren. Was waren die Gründe für Ihre Entscheidung? Wie sah Ihre Strategie aus? Wie haben Sie sich während des Investments gefühlt? Haben Sie sich an Ihre Strategie gehalten? Passte die Strategie zum Marktumfeld? Die Antworten tragen Sie in Ihrem Handelstagebuch ein. Ein Beispiel, wie ein solches Handelstagebuch aussehen kann, haben wir Ihnen im 15. Teil der 1. Staffel unserer Reihe vorgestellt. Ein sauber geführtes Handelstagebuch dient der Selbstkontrolle und der Überprüfung Ihrer Handelsstrategie. Dokumentieren Sie Ihre Fehler, analysieren Sie diese und erstellen Sie sich Regeln, wie Sie diese Fehler künftig vermeiden wollen. So sammeln Sie im Laufe der Zeit Ihren eigenen Erfahrungsschatz. Die nötige Disziplin vorausgesetzt, können Ihnen diese Erfahrungen wertvolle Hilfen für eine erfolgreiche Geldanlage sein.

 

Darüber hinaus sollten Sie an sich selbst arbeiten und Ihr Wissen rund um das Thema Geldanlage vergrößern. Lesen Sie unseren Newsletter, besuchen Sie unsere Webinare, nutzen Sie jede Gelegenheit, um Ihr Know-how auszubauen. Dazu gehört auch, sich über das Angebot an Anlageprodukten zu informieren. Mit welchen Produkten Sie beispielsweise an fallenden Kursen eines Basiswerts positiv partizipieren können, erfahren Sie im nächsten Teil unserer Reihe.

 

Sie wollen mehr zum Thema Geldanlage erfahren? In der Rubrik Magazin auf dzbank-derivate.de bieten wir Ihnen eine Vielzahl an Anlagethemen. Das DZ BANK Research und renommierte Wirtschaftsjournalisten erörtern für Sie interessante Anlagethemen und sich abzeichnende Trends. Anregungen zu aktuellen Investmentmöglichkeiten bieten Ihnen das Zertifikate-Spezial und die Idee der Woche. In der Expertenlounge werden Ihnen wertvolle Anlagetipps und spezifisches Trading-Know-how vermittelt. Eine Orientierung, worauf es bei der Geldanlage wirklich ankommt, gibt unsere Reihe „Besser traden mit dem 1x1 der Geldanlage“, die speziell für Einsteiger konzipiert wurde. Nutzen Sie die Möglichkeiten und klicken Sie sich durch unser Magazin!

 

 

Glossar

Gleitender Durchschnitt: Bei einem gleitenden Durchschnitt handelt es sich um den Mittelwert der Schlusskurse innerhalb eines bestimmten Zeitraums (arithmetisches Mittel). Der Zeitraum kann beliebig gewählt werden, vielbeachtete Periodeneinstellungen sind 20, 38, 50, 100 und 200 Tage. In der Technischen Analyse werden gleitende Durchschnitte meist zur Trendbestimmung eingesetzt. Zudem lassen sie sich als Signalgeber einer trendfolgenden Anlagestrategie nutzen.

 

Handelsstrategie: Als Handelsstrategie bezeichnet man ein geplantes und wiederholbares Vorgehen beim Kauf und Verkauf von Wertpapieren, das einem klar definierten Regelwerk folgt. Dabei gibt es zahlreiche Ansätze. Ein Regelwerk kann z.B. darin bestehen, nur in Wertpapiere zu investieren, die sich in einem stabilen Aufwärtstrend bewegen.

 

Oszillator: Oszillatoren sind Indikatoren, die innerhalb einer bestimmten Bandbreite (in der Regel 0 bis 100) pendeln und anzeigen sollen, ob z.B. eine Aktie überkauft (Oszillator notiert im oberen Bereich der Bandbreite) oder überverkauft (Oszillator notiert im unteren Bereich der Bandbreite) ist. Je nach Oszillator unterscheiden sich die Werte für die oberen und unteren Extrembereiche.

 

Stop: Als Stop bezeichnet man einen Verkaufsauftrag für ein Wertpapier, der bei Erreichen oder Unterschreiten eines bestimmten Kursniveaus automatisch ausgeführt wird. Auf diese Weise lassen sich Verluste begrenzen oder bereits erzielte Gewinne sichern.

 

Stop-Loss-Marke: Die Stop-Loss-Marke bezeichnet ein Kursniveau, bei dessen Erreichen oder Unterschreiten ein Verkaufsauftrag automatisch ausgelöst wird. Das Wertpapier wird dann zum nächsten möglichen Kurs verkauft.

 

Trendfolge-Strategie: Als Trendfolge-Strategie bezeichnet man einen Investmentansatz, bei dem in einen bestehenden Trend eingestiegen wird, um an diesem so lange wie möglich zu partizipieren. Für die Umsetzung einer solchen Strategie kann auf verschiedene Werkzeuge der Technischen Analyse wie z.B. gleitende Durchschnitte oder trendfolgende Indikatoren wie den MACD zurückgegriffen werden.

 

Trend: Als Trend bezeichnet man die Bewegung der Kursnotierung in eine bestimmte Richtung. Kommt es dabei zur Ausbildung steigender Hoch- und Tiefpunkte, liegt ein Aufwärtstrend vor. Umgekehrt definieren fallende Hoch- und Tiefpunkte einen Abwärtstrend. Bewegt sich die Kursnotierung unter Schwankungen seitwärts, spricht man von einer trendlosen Phase.

 

Trendstabilität: Die Kennzahl Trendstabilität leitet sich erstens aus der Trendstärke und zweitens der Volatilität eines Aktienkursverlaufes ab. Ziel ist es, einen Aktienkursverlauf zu bestimmen, der einen starken Trend bei geringer Schwankung aufweist. Beide Eigenschaften (Trendstärke und Volatilität) werden jeweils über eine eigene Kennziffer definiert, die zusammen den Wert für die Trendstabilität ergeben: Trendstabilität = (Trendstärke/Volatilität) * 100
Um die Trendstärke zu messen, wird die Steigung des GD260 (einfacher gleitender Durchschnitt der letzten 260 Handelstage) verwendet. Dazu wird der aktuelle Wert des GD260 mit dem GD260-Wert des Vortages verglichen. Die Veränderung vom Vortag zu heute in Prozent ergibt die Steigung. Ziel ist eine möglichst große positive Veränderung dieses langfristigen gleitenden Durchschnitts.
Die Volatilität wird mit Hilfe der statistischen Größe der Standardabweichung ermittelt. Hierzu werden die Tagesrenditen der letzten 260 Handelstage betrachtet und deren Standardabweichung ermittelt. Dieser Wert gibt in Prozent an, wie „schwankungsfreudig“ die Tagesrenditen sind. Je kleiner die Standardabweichung, desto weniger schwanken die Tagesrenditen um ihren Mittelwert.

 

Unterstützung: Als Unterstützung bezeichnet man ein Preisniveau unterhalb des aktuellen Kurses, an dem ein verstärktes Kaufinteresse erwartet wird, das einen Kursrückgang aufhält. Als Unterstützung kommen z.B. frühere Tiefpunkte der Kursnotierung infrage.

 

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