1x1 der Geldanlage / 12.05.2017 | 10:06:48 Werbung

15. Teil: Führen Sie Buch!

Martin Merz
Autor Martin Merz

Martin Merz ist Produktmanager bei der DZ BANK.

„Führen Sie ein Handelstagebuch“ ist ein Ratschlag, der sich in vielen einschlägigen Büchern zum Thema Anlegen und Investieren findet. Und er kommt nicht von ungefähr. Schließlich dient ein Handelstagebuch zur Dokumentation der Handelsaktivitäten, kann bei der Disziplinierung der eigenen Handelsentscheidungen helfen und zur Analyse möglicher Fehler eingesetzt werden. Alles mit dem Ziel, aus Fehlern zu lernen und langfristig erfolgreich bei der Geldanlage zu agieren.

Martin Merz
Autor Martin Merz

Martin Merz ist Produktmanager bei der DZ BANK.

Eine konkrete Definition, wie ein Handelstagebuch auszusehen hat, gibt es nicht. Jeder Anleger und Investor sollte hier die Form wählen, die zu den eigenen Vorlieben passt. Beispielsweise können Sie die klassische Papierform nutzen, auf einschlägige Software wie Word, Excel oder eigens dafür entwickelte Programme zurückgreifen und Ihre Dokumentation stichpunktartig, in Tabellenform oder in kompletten Sätzen formuliert niederschreiben. Die Form ist letztlich nicht ausschlaggebend. Viel wichtiger ist, dass Sie Ihr Handelstagebuch kontinuierlich führen und vor allem, dass Sie die Einträge derart gestalten, dass Sie selbst Ihre Handelsentscheidungen jederzeit vollumfänglich nachvollziehen können. Hierbei helfen die drei berühmten „W-Fragen“: Was? Warum? Wie?

 

Was wird gehandelt?

Zu den Basiseinträgen eines Handelstagebuchs gehört naturgemäß, welcher Basiswert (Aktie, Zertifikat, Hebelprodukt usw.) gehandelt wird. Eine genaue Beschreibung des Produkts, gerade bei Derivaten, sowie die entsprechende WKN oder ISIN sollten dabei nicht fehlen, um später schnell und präzise nachvollziehen zu können, welches Investment getätigt wurde.

 

Warum diese Entscheidung?

Ein weiterer Punkt ist die Begründung Ihrer Handelsentscheidung. Hier sollten Sie konkret festhalten, aus welchen objektiven und subjektiven Gründen Sie den entsprechenden Basiswert gehandelt haben. Haben Sie sich vielleicht nach technischen Signalen gerichtet? Welche waren dies? Wurde ein Handelssystem befolgt? Gab es Nachrichten, auf die Sie reagiert haben? Oder führten Sie vielleicht eine Fundamentalanalyse durch?

 

Zudem sollten Sie notieren, welche Erwartungshaltung (long, neutral oder short) Sie aus den Signalen abgeleitet haben. Je ausführlicher Sie die Argumente aufführen, auf denen Ihre Handelsentscheidung basiert, umso besser lässt sich diese zu einem späteren Zeitpunkt nachvollziehen und kritisch überprüfen.

 

Wie wird die Entscheidung umgesetzt?

Mit dem „Wie?“ werden die technischen Details des Investments dokumentiert. Dazu gehören in erster Linie Kaufdatum, Einstandskurs, aktueller Preis des Basiswertes, Break-Even-Punkt, Zielkurs und Stop-Loss. Nach Abschluss des Investments werden Verkaufsdatum und Verkaufskurs, Haltedauer sowie das Ergebnis (Höhe des Gewinns oder des Verlusts) festgehalten. Angesichts des essenziell wichtigen Money- und Risiko-Managements ist es zudem sinnvoll, das genaue Chance-Risiko-Profil sowie den absolut eingesetzten Betrag inklusive Gebühren zu notieren.

 

Darüber hinaus bietet es sich an, Ihre Emotionen und Gedanken (Freude, Ungeduld, Angst) während der Haltedauer festzuhalten. Daraus lassen sich später mit zeitlichem Abstand wichtige Rückschlüsse über Ihre Handelsentscheidungen bzw. Ihre psychologische Einstellung ziehen. Wenn Sie beispielsweise schlaflose Nächte hatten, weil Ihre Position, gemessen am absoluten Betrag, zu stark ins Minus rutschte, sollten Sie vielleicht darüber nachdenken, Ihr Risiko zu verringern, indem Sie z.B. eine kleinere Positionsgröße verwenden.
 


Beispiel für den Aufbau eines Handelstagebuchs

 

Checklisten

Ergänzend zu den bislang genannten Punkten können Checklisten geführt werden. Sie dienen vor allem dazu, das eigene Handeln zu disziplinieren. Sie können beispielsweise mehrere Parameter definieren, die erfüllt sein müssen, damit Sie eine bestimmte Handelsstrategie umsetzen können.

 

Ein praktisches Beispiel wäre es, DAX-Werte nur dann auf der Long-Seite zu handeln, wenn sich der DAX in einem Aufwärtstrend befindet. Dabei ist es wichtig, objektive Faktoren zu benutzen, um dadurch die eigenen Emotionen außen vor zu lassen. Um einen Aufwärtstrend zu definieren, kann beispielsweise ein gleitender Durchschnitt (GD) genutzt werden, wobei die Einstellung für diesen abhängig von den persönlichen Präferenzen ist. So kann für kurzfristige Anlagehorizonte ein 20-Tage-GD gewählt werden, während für mittel- oder langfristige Anlagehorizonte der 100- oder 200-Tage-GD infrage kommt. Nur wenn der Kurs über dem GD notiert, wird die Checkliste abgehakt und die Strategie kann umgesetzt werden. Auf der Checkliste können Sie außerdem vermerken, ob die gewählte Positionsgröße und das Verlustrisiko zum eigenen Money- und Risiko-Management passen. Wie essenziell wichtig es ist, sich an die entsprechenden Regeln zu halten, haben wir Ihnen bereits in den Teilen 5 und 6 unserer Reihe aufgezeigt.

 

Fehleranalyse betreiben

Sind Sie an den Finanzmärkten aktiv, sollte Ihnen bewusst sein, dass nicht jedes Investment mit einem Gewinn endet. Trotz einer noch so gründlichen Analyse wird es Verluste geben, wenn sich die eigene Markterwartung nicht erfüllt. Bei der Fehleranalyse mithilfe Ihres Handelstagebuchs geht es daher insbesondere darum, zu sortieren, welche Verluste sich aus dieser naturgemäßen Gegebenheit ergeben haben und welche Verluste Sie sich selbst zuzuschreiben haben. Überprüfen Sie daher nach einem gewissen zeitlichen Abstand Ihre Handelsentscheidungen dahingehend, ob Sie vielleicht von Ihrer Handelsstrategie abgewichen sind. Hat Ihre Strategie nicht zum Marktumfeld gepasst? Wurde der vorher festgelegte Stop-Loss nicht eingehalten? Waren die Position und damit das Risiko zu groß? Oder haben Sie die Handelsentscheidung vielleicht nur aus dem Grund getroffen, um einen zuvor erlittenen Verlust wieder auszugleichen? Das alles sind Fehler, die auf mangelnder Disziplin beruhen. Diese können Sie mithilfe eines sauber geführten Handelstagebuches erkennen und daran arbeiten, sie abzustellen. Auf diese Weise können Sie Ihre Handelsentscheidungen signifikant verbessern, um langfristig erfolgreich bei der Geldanlage zu sein.

 

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